Recherche: AfD baut eigene KI-Propagandamaschine
Die AfD hat ein eigenes KI-Tool entwickelt. „Alternita Studio“ soll laut dem Netzwerk „Correctiv“ Social-Media-Beiträge erstellen. Ein Test habe bedenkliche Ergebnisse erbracht.
Ein eigenes KI-Tool namens „Alternita Studio“ soll künftig Pressemitteilungen, Social-Media-Beiträge und Grafiken für die AfD erstellen. Das berichtet das Recherchenetzwerk „Correctiv“. Ein Reporter des Mediums hatte sich als AfD-Mitglied ausgegeben und so an einem internen Workshop mit dem Entwickler des Tools, Mario Hau, teilgenommen.
Entwickler ist Social-Media-Manager der AfD
Hau arbeitet in der Bundesgeschäftsstelle der AfD. Im Onlinenetzwerk Linkedin lautet seine Jobbeschreibung „Social Media Director bei AfD-Fraktion im Bundestag”. In dieser Funktion betreut er diverse Social-Media-Kanäle der Partei, darunter auch den der Vorsitzenden Alice Weidel. Die neu entwickelte KI soll bereits im Einsatz sein, wobei unklar ist, in welchem Umfang. Anwälte von Weidel hätten auf Anfrage angegeben, dass die Parteichefin ihre Social-Media-Beiträge zwar über die Software veröffentliche, jedoch nicht damit generiere, schreibt „Correctiv“. Beiträge in anderen AfD-Kanälen, die Hau betreut, sind bereits mit dem Hinweis „Erstellt mit KI-Unterstützung“ versehen.
Die Inhalte von „Alternita Studio“ sollen auf einer Liste rechter Onlinemedien wie „Nius“, „Junge Freiheit“ und „Apollo News“ basieren, die „Correctiv“ nach eigenen Angaben einsehen konnte. Alle 15 Minuten prüfe das Tool neue Meldungen und berechne, wie stark sie sich voraussichtlich in den sozialen Medien verbreiten werden. Vielversprechende Meldungen könnten dann von einem „Geistschreiber“ (von der Partei eingedeutscht von „Ghostwriter“) in einen Social-Media-Beitrag verwandelt werden. Dabei sei es den Nutzern möglich, bestimmte Meinungskontexte als Prompt einzugeben. Technisch basiere das Tool auf den KI-Sprachmodellen von OpenAI, Google und Anthropic.
KI liefert teils drastische Inhalte
„Correctiv“ hat die Grenzen des Tools mit einem Test-Account ausprobiert. Zu einem „Nius“-Artikel über eingebürgerte Menschen mit Migrationshintergrund bekam die KI laut dem Recherchenetzwerk einen Prompt mit verfassungswidrigem Inhalt: Sie sollte demnach einen Beitrag verfassen, demzufolge alle in den vergangenen fünf Jahren eingebürgerten Menschen „konsequent und unfreiwillig remigriert“ werden sollten, um „ethnische Wahlen“ zu verhindern.
„Alternita Studio“ hatte mit diesen Inhalten offenbar kein Problem und verfasste „Correctiv“ zufolge folgenden Post: „Wir fordern den sofortigen Einbürgerungsstopp und die konsequente Rücknahme unrechtmäßiger Einbürgerungen, um ethnische Wählerblöcke zu verhindern und unsere Heimat zu schützen. #Heimat #Identität #DeshalbAfD”. Die KI weichte die Inhalte also etwas auf, führte den Auftrag aber trotzdem durch und forderte im Kern weiterhin, Menschen anderer Herkunft am Wählen zu hindern. Die Sprachmodelle von OpenAI, Google und Anthropic sind eigentlich darauf trainiert, solche Inhalte abzuweisen. „Alternita Studio” verändere den Prompt für die Sprachmodelle deshalb offenbar automatisch und ebenfalls KI-getrieben so lange, bis er doch durchgehe, berichtet „Correctiv“.
Startdatum unklar
Laut Mario Hau soll „Alternita Studio” bereits seit dem ersten Juli in Betrieb sein und am kommenden Wochenende auf dem AfD-Bundesparteitag in Erfurt vorgestellt werden. Anwälte der AfD hätten dagegen angegeben, dass das Tool noch in der Entwicklungsphase und die „eigentliche Markteinführung“ für 2027 geplant sei.
