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„Aufruf zur Gewalt“?: Dieses Lied wollte das ZDF nicht ausstrahlen

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Das ZDF streicht spontan einen Auftritt von Danger Dan und Pianist Igor Levit in der „Anstalt“. Nun wurde das Lied veröffentlicht, an dem sich die Intendanz so gerieben hat.

„Keine Angst, keine Angst, keine Angst, keine Angst
Keine Angst, keine Angst, keine Angst, keine Angst“

Es ist ein so simpler wie eingängiger Refrain, den Danger Dan auf sanfte Klaviermusik singt. Und doch sorgte der Song schon vor seiner Veröffentlichung für Wirbel. Am Donnerstag meldete sich der Künstler gemeinsam mit Pianist Igor Levit in einem Post auf Social Media zu Wort und warf der Intendanz des ZDF vor, sie habe die Premiere des Liedes in der Satiresendung „Die Anstalt“ in letzter Minute gestoppt. Auf Anfrage des stern bestätigte der Sender dies. Der Grund: Das Lied befasse sich mit dem Widerstand gegen Rechtsextremismus und könne als „Aufruf zur Gewalt“ verstanden werden. Dies widerspreche den Programmrichtlinien. 

Die beiden Künstler sprechen in ihrem Post von Zensur. Seit Mitternacht ist der Song nun aufrufbar.

Der Songtext kann als Anleitung für den Aufbau antifaschistischer Strukturen und den Kampf gegen Nazis verstanden werden. „Keine Angst“ ist mit sieben Minuten verhältnismäßig lang und in vier Strophen unterteilt. 

„Keine Angst“ von Danger Dan – Aufbauanleitung für Antifa-Strukturen

Zu Beginn des Songs singt Danger Dan mit bekannt tiefer Stimme:

„Es gibt jetzt zwei Optionen, beide machen Stress
Eine ab morgen schon, die andere ab jetzt
Wir können darauf warten, dass sie in den Parlamenten
Und auf der Strasse erstarken, bevor wir sie bekämpfen
Und wir warten, warten, warten, das ist erstmal bequemer
Es geht uns trotzdem an den Kragen, nur halt etwas später.“

Die erste Strophe endet mit den Zeilen:

„Du weißt nicht, was du tun kannst, du weißt nicht, wie das geht
Hör mir zu, ich hab’ vielleicht eine passende Idee.“

Danger Dan engagiert sich als Solokünstler und gemeinsam mit seiner Band „Antilopen Gang“ schon seit Jahren gegen faschistische Strukturen. Bereits auf seinem letzten Album sorgte der Song „Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt“ für Aufsehen, in dem er auf zweiter Metaebene darüber singt, dass es laut Grundgesetz erlaubt ist, würde man in Songs führende Figuren der rechtsextremen Szene diffamieren und fordern, „Faschisten zurück in ihre Löcher reinzuprügeln“.

Der neue Song „Keine Angst“ steht in gewisser Hinsicht in dieser Tradition, wenn er auch deutlich expliziter geschrieben ist. Die zweite Strophe beschreibt die Gründung und Anfänge einer antifaschistischen Untergrundgruppe, „ohne Namen, kein Gründungsdatum, kein Verein oder so'n Quatsch.“ 

Stattdessen sollen Festivals ausgerichtet werden, um Geld zu verdienen, das wiederum in Spraydosen und Aufkleber investiert werden soll: „Sorgt dafür, dass jeder sieht: Ihr habt keinen Bock auf Faschos und das hier ist eure Stadt.“ 

Dabei warnt der Künstler davor, den Kampf gegen Rechtsextremismus für Image- oder Social-Media-Zwecke zu nutzen, und dass es schon bald Probleme mit Behörden und Nazis geben könnte:

„Es geht um linke Straßenpolitik und nicht um Fame
Ihr braucht Regeln für die Kommunikation
Nicht nur Nazis und Konsorten, die in eurer Gegend woh’n
Auch die Sicherheitsbehörden werden sich schnell interessier’n
Ihr dürft von Anfang an alles nur geheim kommunizier’n“

Anleitung zum Doxxing

So weit, so unverfänglich. Möglicherweise aber stieß dem ZDF das auf, was in der dritten Strophe des Liedes propagiert wird. Darin wird beschrieben, was eine solche Gruppe denn eigentlich tun soll, wenn sie gegründet wurde: Kontaktdaten, Bilder, Treffpunkte von Nazis recherchieren, ihr Umfeld auf die Gesinnung aufmerksam machen. Es wird besungen, wie so eine „Doxxing-Kampagne“ ablaufen soll. Arbeitgeber, Schulen, Unis und die Lokalpresse sollen über die „Faschos“ informiert werden.  

Solche Aktionen sind typisch für das Vorgehen von antifaschistischen Untergrundgruppen.

Keine Angst, nehmt es selber in die Hand

Die vierte und letzte Strophe ist dann erneut ein Aufruf, nicht nachzugeben, auch wenn es Konflikte geben könnte. Auch in diese Strophe könnte man einen Aufruf zur Gewalt interpretieren:

„Und die Geschichte hat uns schon mal gezeigt
Es wird noch schlimmer, wenn man gar nichts tut und schweigt
Keine Angst, nehmt es selber in die Hand
Die seh'n gefährlich aus, aber wir legen sie lang
Koordiniert euch, fangt an zu trainier'n
Wenn ihr zusammen kämpft, dann kann es funktionier'n.“ 

Und weiter:

„Also plant immer mit der Konfrontation
Habt Überraschungen dabei, wenn sie komm'.“

Der Text endet mit einem Gruß an zur Zeit in Haft sitzende Linksextremisten, denen teilweise schwere Gewalttaten gegen mutmaßliche Rechtsextremisten vorgeworfen werden. 

Die Diskussion um den Rückzieher des ZDF wird sich vermutlich noch hinziehen. Zwar ist der Text hochpolitisch und kann sicherlich in Teilen als problematisch angesehen werden. Die Frage ist nur, ob das Besungene überhaupt der explizite Aufruf zu Straftaten ist, und wenn nicht – ob es dann nicht „von der Kunstfreiheit“ gedeckt wäre.




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