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Presseschau: „Thorsten Frei tut dem Kanzler gut und Söder nicht weh“

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Thorsten Frei beerbt Jens Spahn als Fraktionsvorsitzender der Union. Wenig überraschend, findet die Presse – aber für den Posten würdiger als Spahn.

Ein Baby kostet Jens Spahn seinen Posten an der Spitze der Fraktion. Ein Nachfolger ist jedoch schnell gefunden: Thorsten Frei, vormals Chef des Bundeskanzleramts und Bundesminister für besondere Aufgaben, haben die CDU- und CSU-Vorsitzenden Friedrich Merz und Markus Söder nun gemeinsam vorgeschlagen.

Frei kehrt damit in seinen angestammten Bereich in der Bundespolitik zurück. Er war in der vergangenen Legislaturperiode Parlamentarischer Geschäftsführer unter dem damaligen Fraktionschef und Oppositionsführer Merz und kennt die Arbeit an der Spitze der Unions-Abgeordneten bestens. Der 52-jährige CDU-Politiker aus dem Schwarzwald war schon nach der Bundestagswahl 2025 für den Fraktionsvorsitz im Gespräch. Merz holte seinen engen Vertrauten dann aber doch ins Kanzleramt.

Im Vergleich zu Jens Spahn ist das eine Verbesserung, urteilt die Presse:

Freis Vorteile

„Volksstimme“: „Die Gerüchteküche hat seit dem Stolpern von Jens Spahn in der Leihmutter-Affäre zwar viele Namen serviert. Aber dass Noch-Kanzleramtsminister Thorsten Frei nun dessen Nachfolge als Unionsfraktionschef im Bundestag antreten soll, hatte sich in den vergangenen Tagen zur wahrscheinlichsten Variante entwickelt.

Und das aus mehreren Gründen, wobei nicht alle schmeichelhaft für den künftigen Vorsitzenden sind. Frei rangiert als Kanzleramtsminister hart an der Grenze zur Fehlbesetzung: Zu viele Kommunikations- und Abstimmungspannen zwischen den Ministerien muss sich der Baden-Württemberger ankreiden lassen.

Was Frei zum Wunschkandidaten von Merz macht, ist aber nicht allein dieser Umstand. Im Gegensatz zum ehrgeizigen Jens Spahn, der mehr oder weniger unverhohlen gerne selbst Kanzler geworden wäre, gilt Frei als vorbehaltlos loyaler Merz-Vertrauter. Und davon gibt es in der ersten Reihe der Unionspolitiker nicht mehr viele.“

Lausitzer Rundschau: „Im Vergleich zu Jens Spahn hat Thorsten Frei ein paar ganz offensichtliche Vorteile. Frei versteht es bestens, auch schärfste Forderungen und Aussagen in eine freundlich-verbindliche Tonlage zu packen. Während Spahn seine Position häufig so robust wie eine Walze vortrug, pflegt Frei eine deutlich leichtere Gangart, ohne allerdings inhaltlich besonders weit von Spahn entfernt zu sein. Nur weil Frei ausgesucht höflich und gepflegt auftritt, heißt das nicht, dass er nicht auch sehr konservative Positionen pflegt, beispielsweise in der Migrationspolitik.“

Die richtige Position?

„Nürnberger Nachrichten“: „Frei ist ein Politiker weitgehend ohne Vorbelastungen. Spahn schleppte von einem viel diskutierten Hauskredit bis zur Maskenbeschaffung viele Affären mit sich – und zog damit nie nachlassende Aufmerksamkeit auf sich als Person, wo er doch voll und ganz der Fraktion dienen sollte. Er war, das kann man so sagen, alles andere als ein Sympathieträger, auch wegen seines harten Auftretens. Der Nachfolger war vor dem Wechsel nach Berlin neun Jahre lang Oberbürgermeister von Donaueschingen (bis 2013) und weiß, was es heißt, zwischen den Lagern zu vermitteln.

Der Neue ist ein Mann des Parlaments. Er war dreieinhalb Jahre lang Fraktionsgeschäftsführer, die Abläufe im Bundestag sind ihm bestens vertraut. Er machte damals den Eindruck, sich in dieser Rolle wohlzufühlen. Jens Spahn hingegen zog es schon sehr früh in Regierungsämter (Finanz-Staatssekretär, Gesundheitsminister), die Exekutive schien sein eigentliches Metier zu sein.“

„Frankfurter Rundschau“: „Für Thorsten Frei ist der Wechsel an die Spitze der Unionsfraktion (...) auch eine Befreiung. Wenn es nicht rund läuft in der Regierung, ist der Kanzleramtschef die erste Adresse, um einen Schuldigen zu finden. Und es lief lange Zeit nicht rund in dieser Koalition. Die Sorge ist Frei nun los. (...) Wohl aber ist es eine Befreiung von der Kritik, dass er als jemand, der keine Regierungserfahrung hatte, seine Umgebung nicht instinktsicher sortiert habe. Zum Erfolg wird der Wechsel Freis an die Fraktionsspitze (...) nur, wenn Merz einen besseren Kanzleramtsminister findet. (...) Was bleibt, ist ein Mitte-rechts-Kurs, für den auch Frei steht, angefangen bei der Migrationspolitik. Frei ist auf diesem Feld mehrmals mutig vorangeschritten. Nicht immer zum Vergnügen der SPD, noch weniger dem der Grünen und dem einer zähneknirschenden AfD. (...)“

So wichtig ist Frei für Merz

„Kölner Stadtanzeiger“: „Friedrich Merz und Markus Söder haben für die Nachfolge von Jens Spahn eine naheliegende Entscheidung getroffen. Thorsten Frei tut dem Kanzler gut und dem bayerischen Ministerpräsidenten nicht weh. Das Votum für Frei bietet beiden sicher eine Chance, die Koalition wieder in die Spur zu bekommen, aber vermutlich ist sie auch die Letzte.

Für die Debatten über die Stärke der AfD nach den Landtagswahlen im September wird eine stabile Koalition gebraucht. Söder selbst hatte es mal drastisch formuliert: Dieses Bündnis sei so etwas wie 'die letzte Patrone für die Demokratie'. Spahns Rücktritt sollte der letzte Warnschuss gewesen sein.“

„Handelsblatt“: „Ein Befreiungsschlag des Kanzlers ist das jetzt nicht mehr, allenfalls ein Befreiungsversuch. Das zeigen schon die Reaktionen in der Unionsfraktion. Seit dem Rücktritt von Spahn ließen viele aus der Unionsführung den Kanzler wissen, sie würden keinesfalls jeden Vorschlag einfach so akzeptieren. (...) Und gerade die Variante, dass Frei Fraktionschef würde, löste von Beginn an Vorbehalte aus. Zum Start der Koalition, vielleicht auch noch vor einem halben Jahr, wäre Frei als Fraktionsvorsitzender freudig begrüßt worden. Schließlich hatte er als Erster Parlamentarischer Geschäftsführer zu Ampelzeiten nach allgemeiner Wahrnehmung einen sehr guten Job gemacht. (...) Doch die positiven Erfahrungen verblassten im ersten Regierungsjahr zunehmend, während der Ärger über die handwerklichen Fehler der Regierung wuchs. (...) Merz-Vertrauter zu sein, gilt in den Augen einiger Unionsabgeordneter eben mittlerweile nicht mehr als Vorteil, sondern als Manko.“

„Augsburger Allgemeine“: „Für die Nachfolge von Jens Spahn an der Spitze der Unionsfraktion ist Thorsten Frei die natürliche Wahl. Es geisterten andere Namen durch die Berliner Blase aus Politik und Presse, für die gute Argumente sprachen, zum Beispiel Alexander Dobrindt. Mit dem freundlichen und höflichen Frei entscheiden sich Friedrich Merz und Markus Söder für die Variante #keine Experimente'. (...) Aber: Er wird in manchen Situationen die Folterwerkzeuge auf den Tisch legen müssen, damit die Mehrheit seiner Fraktion steht.“




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