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Abnehmspritzen: Zahlen Krankenkassen bald Wegovy und Mounjaro?

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Sollen die Krankenkassen künftig die Kosten für Abnehmspritzen übernehmen? Sie warnen vor enormen Kosten, doch andere Länder gehen voran. Deutschland wird immer dicker. Laut dem Mikrozensus des Statistischen Bundesamts hatte im vergangenen Jahr mehr als jeder zweite Deutsche (53,4 Prozent) einen Body-Mass-Index (BMI) von mehr als 25. Das ist der Wert, ab dem die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Menschen als übergewichtig einstuft. Fast jeder Fünfte (17,9 Prozent) galt mit einem BMI jenseits der 30 sogar als fettleibig. Die Deutsche Adipositas-Gesellschaft kommt sogar auf noch höhere Zahlen (19,7 Prozent). In den vergangenen Jahren sind die Zahlen kontinuierlich gestiegen. Das ist die Grundlage einer Debatte, die sich nun an einem Interview von Sonja Optendrenk, Vorsitzende des Gemeinsamen Bundesausschusses, mit dem "Spiegel" entzündet hat und den neuen Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann unter Druck setzen könnte. Zahlen die Krankenkassen künftig für Abnehmspritzen? Optendrenk hatte sich in dem Gespräch offen dafür gezeigt, über den Umgang mit Abnehmpräparaten wie Wegovy oder Mounjaro nachzudenken. "Es wäre sicherlich überlegenswert, solche Abnehmmittel als Medikation unter bestimmten Bedingungen als Kassenleistung anzuerkennen." Bislang gelten die Medikamente – sofern sie zur reinen Gewichtsreduzierung verschrieben werden – aus kassenrechtlicher Sicht als Lifestyle-Medikamente. So werden Mittel bezeichnet, bei deren Anwendung eine Erhöhung der Lebensqualität im Vordergrund steht, etwa Appetitzügler, Haarwuchsmittel oder Arzneien zur Steigerung der sexuellen Potenz. Sie dürfen nicht als Kassenleistung verordnet werden. Das soll sich ändern, fordert auch Alexander Horn, Deutschlandchef von Mounjaro-Hersteller Eli Lilly, in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Deutschland müsse beim Thema Adipositas stärker auf Prävention setzen, so Horn. Mit einer frühzeitigen Behandlung könnten Begleiterkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen verhindert werden, was letztlich auch Geld einsparen helfe. Dass sich der Hersteller des Medikaments für dessen Erstattungsfähigkeit durch die Krankenkassen einsetzt, dürfte wenig überraschen. Die Offenheit des Gemeinsamen Bundesausschusses hingegen schon. Zustimmung aus der Politik Auch in der Politik findet die Bezahlung der Abnehmspritzen durch die Krankenkassen Fürsprecher. "Die Kostenübernahme bei medizinischer Notwendigkeit wäre ein wichtiger Schritt im Kampf gegen Adipositas", erklärte etwa der niedersächsische Gesundheitsminister Andreas Philippi (SPD). Auch Simone Borchardt, gesundheitspolitische Sprecherin der CDU/CSU-Fraktion, zeigt eine grundsätzliche Offenheit, über das Thema zu diskutieren. Gleichzeitig betonte auch sie die absolute Notwendigkeit einer medizinischen Indikation. "Eine Finanzierung zur rein kosmetischen Gewichtsreduzierung kommt für mich nicht in Frage", schrieb Borchardt im Portal "abgeordnetenwatch.de". Urteil setzt enge Grenzen: Abnehmspritze: Wann die PKV zahlt – und wann nicht Infrage käme aus ihrer Sicht aber zumindest eine Kostenerstattung bei schwerer Adipositas, wenn andere Behandlungsansätze nicht ausreichen und die Medikation nicht die einzige Behandlungsmethode sei, sondern in ein verbindliches Konzept integriert sei. Die Krankenkasse dürfte auch nur so lange zahlen, wie ein messbarer gesundheitlicher Nutzen bestehe und der Preis wirtschaftlich sei. Kassen warnen vor hohen Kosten Gegen eine generelle Kostenübernahme spricht sich indes der AOK-Bundesverband aus und verweist auf die angespannte Finanzlage der Krankenkassen sowie ungeklärte medizinische Fragen. So bräuchte es mehr wissenschaftliche Erkenntnisse zu Fragen, was nach der Absetzung des Medikaments passiert oder ob es langfristige Risiken, wie etwa eine erhöhte Rate von Krebserkrankungen, gebe. Gleichzeitig verweist der AOK-Bundesverband auf die potenziell sehr hohen Kosten. Multiplizierte man die Jahrestherapiekosten von rund 4.000 Euro mit dem GKV-Versichertenanteil mit einem BMI über 30, komme man auf Ausgaben von 45 Milliarden Euro, teilt ein AOK-Sprecher auf Anfrage mit. Zwar handele es sich dabei um ein "Extrem-Szenario", räumt der Sprecher ein. Dieses helfe aber zu verstehen, in welchen Dimensionen sich die potenziellen Kosten bewegen könnten. Stattdessen fordert der Verband eine wirksamere Präventionsstrategie, die schon bei Kindern ansetzt und Themen wie Ernährung und Bewegung anspricht. Dienen Frankreich und die USA als Vorbild? Andere Länder fahren in Bezug auf Abnehmspritzen derweil einen differenzierten Ansatz. Eine generelle Kostenübernahme gibt es auch jenseits der deutschen Grenzen nicht, in besonders schweren Fällen zahlen die Krankenkassen aber – oder beteiligen sich zumindest an den Kosten. So hatte Frankreich im Mai 2026 entschieden , die Hilfe für stark fettleibige Patienten auch auf Abnehmspritzen auszuweiten. Allerdings nur unter strengen Regeln: So findet die Abgabe ausschließlich in Spezialkliniken statt. Die Patienten müssen zudem eine kalorienreduzierte Diät einhalten und sich zu mehr Bewegung verpflichten. Insgesamt rechnet Gesundheitsministerin Stéphanie Rist hierdurch mit Mehrkosten von 100 Millionen Euro. In den USA erhalten zudem besonders fettleibige Patienten, die im staatlichen Medicare-System versichert sind, bestimmte GLP-1-Medikamente (Foundayo, Wegovy, Zepbound) ebenfalls bezahlt. Lediglich ein Eigenanteil von 50 Dollar je Medikament ist zu entrichten. Beim "Medicare GLP-1 Bridge-Program" handelt es sich jedoch bislang um eine zeitlich befristete Testinitiative, die bis Ende 2027 läuft. Politik kann Debattenanstoß geben Ob in Deutschland eine entsprechende Debatte über eine zumindest partielle Kostenübernahme von Abnehmspritzen geführt wird, liegt nun in den Händen von Neu-Gesundheitsminister Linnemann. Dieser könnte den Gemeinsamen Bundesausschuss beauftragen, "zu klären, welche Patientengruppen diese Arzneimittel bekommen sollten, wie lange, mit welchen Begleitmaßnahmen", schlägt dessen neue Vorsitzende Optendrenk vor. Es könnte die erste gewichtige Entscheidung Linnemanns im neuen Amt werden.



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