Erdbeben in Kolumbien: Vater mit Baby im Arm lebend aus Trümmern gerettet
Beim Erdbeben in Kolumbien sind mindestens 200 Menschen gestorben. Ein Vater und sein Baby hatten mehr Glück: Arm in Arm überlebten sie die Katastrophe.
Ein Baby und dessen Vater sind nach dem schweren Erdbeben im Westen Kolumbiens lebend aus einem eingestürzten Haus gerettet worden. Der Mann schützte das etwa zwei Monate alte Kind mit seinem Körper, als das fünfstöckige Gebäude kollabierte, wie kolumbianische Medien berichten. Die Details der Rettung am Montag wurden jetzt bekannt.
Zwei Polizisten, die gerade in der Gegend waren, seien auf den Trümmerberg geklettert, berichtete der Sender Caracol. „Wir hörten Weinen und Stöhnen“, erzählte einer der Beamten, Ronald García. Es habe auch stark nach Gas gerochen. „Ich bin selbst Vater und habe eine vierjährige Tochter. Ohne groß nachzudenken, haben wir angefangen, zu graben.“ Anwohner hätten dabei geholfen. Sie hätten schließlich zu dem Vater und seinem Sohn namens Salomón vordringen können.
Vater schützt Baby vor Erdbeben
Der noch halb vergrabene Mann hielt das Baby fest in seinen Armen, um es zu schützen, wie der Polizist weiter berichtete. „Er bat uns nur, sein Kind nicht sterben zu lassen.“ Schließlich konnten beide in ein Krankenhaus gebracht werden. Ihr Zustand sei stabil, heißt es in den Berichten. Die Mutter und deren Bruder seien aber noch unter den Trümmern. „Möge Gott helfen, dass sie am Leben sind“, sagte der Polizist. Die Suche geht weiter.
Inzwischen haben die Behörden die Zahl der Todesopfer auf 216 nach unten korrigiert. Die Behörden hatten die Zahl der Todesopfer zuvor mit 241 angegeben.
Unter den Geretteten in Cali ist die 31-jährige Biomedizinerin Diana Troncoso, die nach rund 30 Stunden von der Feuerwehr geborgen wurde. Für die Angehörigen waren es bange Stunden, denn sie hatten es noch rechtzeitig aus dem Gebäude geschafft, wie ein Verwandter der Zeitung „El Colombiano“ berichtete: „Wir haben das Haus einstürzen sehen und dachten an das Schlimmste. Als wir erfuhren, dass sie lebend gefunden wurde, kehrte die Seele in unsere Körper zurück.“
Überlebende in Kolumbien geborgen
Auch aus der weiter nördlich gelegenen und ebenfalls stark vom Erdbeben gezeichneten Stadt Pereira (rund 490.000 Einwohner) meldete die Feuerwehr eine erfolgreiche Rettung: Die 32 Jahre alte Daniela Largos Sánchez konnte in einem 36-stündigen Einsatz aus dem Trümmerberg gezogen werden, wie ein Video auf X zeigt. Jubel brandete auf, als sie zu einem Krankenwagen gebracht wurde.
„Es gibt Hoffnung“, sagte Präsident Abelardo de la Espriella und lobte die „heldenhafte Arbeit“ der Feuerwehr. Zugleich rief er dazu auf, den kolumbianischen Rettungskräften zu vertrauen. Der rechte Politiker, der sich selbst „El Tigre“ (Der Tiger) nennt, hat sein Amt erst vergangene Woche angetreten.
Kritik am Krisenmanagement wächst
Doch in puncto Krisenmanagement kommt in den Medien inzwischen Kritik auf. Die Zeitung „El Colombiano“ berichtete, der Staatschef sei bislang nicht auf Angebote anderer Länder wie Mexiko, El Salvador oder China eingegangen, Rettungsteams zu schicken und habe stattdessen nur humanitäre Hilfe angefordert. Anders verhalte es sich im Falle der USA, denn von dort werde ein Team erwartet. US-Präsident Donald Trump hatte im Wahlkampf De la Espriella unterstützt.
Der Präsident von El Salvador, Nayib Bukele, schrieb auf X, die kolumbianische Regierung habe zunächst ausschließlich humanitäre Hilfe in Form von Hilfsgütern gefordert. „Uns wurde mitgeteilt, dass ihre Rettungskräfte, Ärzte und sonstigen Einsatzkräfte bereits im Einsatz sind und sich um die Lage kümmern.“
Mehrere Länder boten ihre Unterstützung an – auch aus Deutschland und der EU kamen Hilfsangebote. Das US-Außenministerium kündigte die Entsendung eines Krisenhilfeteams an. Dieses werde die Regierung in Bogotá bei wichtigen Einsatzmaßnahmen, der Planung und der Koordinierung der Hilfsmaßnahmen unterstützen.
Flughäfen nehmen Betrieb wieder auf
Nach einer technischen Überprüfung haben fünf Flughäfen in den betroffenen Regionen ihren Betrieb wieder vollständig oder zumindest teilweise aufgenommen, darunter der Flughafen in Cali, wie die Luftfahrtbehörde mitteilte. Der Betrieb des teilweise beschädigten Airports von Pereira sowie des Flughafens in Cartago blieb dagegen eingeschränkt. Nur offizielle Flüge sowie Hilfsflüge seien dort vorerst zugelassen, hieß es.
Landesweit werden laut Angaben der Regierung nach dem Beben der Stärke 7,4 von Montag noch 195 Menschen vermisst – eine inoffizielle Suchseite führt indes 4000 Meldungen auf. Die Zahl der Toten stieg auf mindestens 181. Die Möglichkeit, Menschen nach 72 Stunden noch lebend zu finden, ist laut Experten sehr gering.
Das Erdbeben der Stärke 7,4 hatte sich am Montag ereignet. Das Epizentrum lag nahe der westkolumbianischen Gemeinde San José del Palmar im Departamento Chocó, einer relativ armen Region an der Pazifikküste. Mehr als hundert Wohn- und Bürogebäude in mehreren Städten und Orten stürzten in sich zusammen.
