Hitze und Dürre setzen vielen Bauern in Deutschland zu. Landwirt Arnold Bedenk berichtet im t-online-Interview, was der extreme Sommer mit seinem Hof macht und warum er mit Sorge auf die kommenden Jahre blickt. Die diesjährige Getreideernte fällt in Deutschland schlechter aus als im Vorjahr. Nach Angaben des Deutschen Bauernverbands werden voraussichtlich 41,9 Millionen Tonnen eingefahren – sieben Prozent weniger als 2025. Besonders hart hat es nach Angaben des Bayerischen Bauernverbands Teile Süd- und Westdeutschlands getroffen, vorwiegend Franken, Niederbayern und die Oberpfalz, aber auch Schwaben und Oberbayern . Der Landwirt Arnold Bedenk spürt die Folgen auf seinem Hof in Unterfranken, das als eine der am stärksten betroffenen Regionen gilt, massiv. Der Bauer bewirtschaftet rund 100 Hektar Ackerfläche und hält Rinder. Mit t-online spricht er über klimatische Gegebenheiten, die vieles verändert haben – auf seinen Feldern und bei den Tieren ebenso wie bei der Planung für die Zukunft. "Das wird das neue Normal": Meteorologin erklärt, was 2026 passiert Trotz schwacher Ernte: Selbstversorgung ist gesichert t-online: Herr Bedenk, wenn Sie aus Ihrem Fenster schauen: Wie sieht es bei Ihnen draußen aus? Arnold Bedenk: Direkt neben meinem Büro liegen Wiesen, die komplett braun sind. Sie sehen aus wie weggebrannt. Wenn man momentan hinausschaut, sieht es aus wie in einer Steppe. Wie sehr hat die Trockenheit Ihre Ernte getroffen? Ende Juni hatten wir hier im Weinbaugebiet am Main extreme Hitze mit knapp 40 Grad. Genau in dieser Zeit fand beim Getreide die Kornfüllungsphase statt. Beim Weizen und beim Dinkel entstanden sogenannte Schmacht- oder Kümmerkörner. Das bedeutet? Die waren teilweise nicht einmal halb so groß wie normale Körner. Dadurch hatten wir 40 bis 50 Prozent weniger Ertrag. Gut die Hälfte weniger bei Weizen und Dinkel: Woran haben Sie während des Sommers noch gemerkt, dass dieses Jahr aus dem Rahmen fällt? Normalerweise wäre die Getreideernte erst jetzt, im August, fast beendet. In diesem Jahr waren wir schon ungefähr sechs Wochen früher fertig. Die Pflanzen wachsen bei Hitze und Trockenheit zunächst weiter, stellen das Wachstum aber irgendwann ein und gehen in die Notreife. So früh waren wir mit der Ernte noch nie fertig. Auch der Mais ist komplett vertrocknet und musste deshalb früher geerntet werden. Die Ernte ist also ungewöhnlich früh vorbei. Ist damit zumindest das Schlimmste überstanden? Nein, denn die Dürre ist nicht vorbei. Das Problem ist, dass die Bearbeitbarkeit der Böden im Moment stark eingeschränkt ist. Alles ist hart. Eigentlich müsste bereits wieder ausgesät werden, aber momentan ist kaum etwas möglich, weil es viel zu trocken ist. Die Blockade der Straße von Hormus und weitere Faktoren lassen die Preise für Treibstoff, Energie und Düngemittel steigen. Wie sehr belastet das Ihren Betrieb? Steigende Preise sind generell ein Problem. Schlimmer sind aber die ausbleibenden Ernten und die Vorfinanzierung. Auswirkungen des Iran-Kriegs: "Der Kostenanstieg ist enorm" Weil Sie trotz fehlender Einnahmen aus dieser Ernte schon die nächste finanzieren müssen? Genau. Bei jeder Kultur habe ich Vorkosten von ungefähr 1.200 Euro pro Hektar. Das Problem ist, dass wir alles vorfinanzieren müssen. Gleichzeitig muss ich schon wieder für das nächste Jahr planen. Wenn die Einnahmen fehlen, wird das schwierig. Da bleibt einem nur, auf das nächste Jahr zu hoffen. Hinzu kommen Steuern. Dafür fehlt aber ganz klar die Liquidität. Wie viele solcher Sommer hält ein Hof wie Ihrer finanziell aus? Man braucht einen gewissen finanziellen Rückhalt. Ein oder zwei solcher Jahre kann man vielleicht verkraften, aber dann geht es sehr schnell, bis es nicht mehr geht. Sie halten auch Rinder. Wenn die Wiesen aussehen wie eine Steppe: Was bedeutet das für die Tiere? Die Tiere selbst leiden ebenfalls unter der Hitze. Man kann sagen: Rinder fühlen sich bei minus zehn Grad eher wohl als bei großer Hitze. Den Hitzestress erkennt man zum Beispiel an einer schnelleren Atmung und einem erhöhten Puls. Dazu kommt, dass an Weidehaltung gar nicht zu denken ist, weil alles trocken ist. Wasser fehlt einfach. Ohne Zukauf von Futtermittel geht nichts. Heißt das: Folgen weitere solcher Jahre, kann es sein, dass Sie die Tierhaltung ganz aufgeben müssen? Ich habe nur wenig Vieh, weil ich Gourmetfleisch produziere. Aber ja, wenn weitere solche Jahre kommen, wird das möglicherweise notwendig. Bei weiteren Dürreperioden müssen wir darüber nachdenken. Was macht diese Unsicherheit mit Ihnen persönlich? Das drückt ganz klar auf die Stimmung. Aber als Landwirt muss man optimistisch bleiben. Sehen Sie das aktuelle Wetter als Ausnahme oder als Teil einer langfristigen Entwicklung? Ganz klar: Es wird immer extremer – entweder ist es extrem nass oder extrem trocken, dazu extreme Hitze. Seitdem ich die Auswirkungen bei der Arbeit spüre, denke ich ganz klar mehr über den Klimawandel nach. Gegen fehlenden Regen können Sie wenig tun. Wo können Sie Ihren Betrieb trotzdem verändern? Gegen die Klimaerwärmung bin ich machtlos. Aber wir müssen umdenken. Ich muss meine Anbaustrategie stärker differenzieren und für meinen Betrieb herausfinden, welche Kulturen künftig noch funktionieren. Wir müssen unterschiedliche Kulturen anbauen, um das Risiko zu verteilen. Was könnte in einigen Jahren auf Ihren Feldern anders aussehen als heute? Wir müssen künftig stärker Kulturen anbauen, die robuster gegen Hitze sind oder bereits im Winter wachsen, um der größten Hitze und Trockenheit zu entgehen. Ein Beispiel ist Winterbraugerste. Braugerste wird normalerweise im Frühjahr ausgesät und im August geerntet. Mit Winterbraugerste können wir die Feuchtigkeit im Winter besser ausnutzen. Auch Triticale, eine Kreuzung aus Roggen und Weizen, haben wenig hohe Ansprüche an den Standort. Reicht es, andere Kulturen anzubauen – oder muss sich die Art zu wirtschaften grundsätzlich ändern? Zum einen müssen wir die Kosten senken. Zum anderen müssen wir die Intensität der Bewirtschaftung ein bisschen zurückfahren. Wenn das Wasser als entscheidender Faktor fehlt und dadurch der Ertrag stark sinkt, lohnt sich ein hoher Einsatz nicht mehr. Dann müssen wir auch die Bodenbearbeitung und den Arbeitseinsatz reduzieren. Außerdem müssen wir die Arbeiten auf dem Acker zeitlich anders planen. Doch es bleibt ein Grundproblem. Welches? Wir arbeiten mit einer deutschen Kostenstruktur, produzieren aber für den Weltmarkt. Das ist die Herausforderung. Kennen Sie Bauern, die besser mit der Hitze zurechtkommen? Was machen die anders? Sie differenzieren den Anbau schon besser, hier bin ich auf einem guten Weg. Aber Wasser ist nun mal das Lebenselixier und ohne Wasser geht nix. Was müsste sich politisch ändern, damit Höfe wie Ihrer eine realistische Zukunft haben? Landwirte sollten steuerlich wie andere Unternehmer behandelt werden. Aber eine Risikorücklage ist ein absolutes Muss. Denn in der Landwirtschaft schwanken die Einkommen extrem, oft um 50 Prozent und mehr. Im vergangenen Jahr war das Einkommen zum Beispiel einigermaßen in Ordnung. Darauf fällt jetzt eine hohe Steuerbelastung an, obwohl in diesem Jahr wegen der schlechten Ernte die Einnahmen fehlen. Das schränkt die Liquidität zusätzlich ein. Und: Für Importe müssen aus meiner Sicht dieselben Vorgaben gelten wie für die heimische Produktion – beim Arbeitsschutz, beim Tierschutz, bei den Produktionsrichtlinien und bei anderen Auflagen. Außerdem passt es nicht zusammen, heimische Landwirtschaft zu fordern, wenn viele im Discounter zu den billigeren importierten Produkten greifen. Deshalb appelliere ich an die Leute, heimische und regionale Produkte zu kaufen. Bei diesen Aussichten: Haben Sie schon einmal ernsthaft darüber nachgedacht, aufzuhören? Mein Sohn steht bereits in den Startlöchern und macht im kommenden Jahr seine Meisterprüfung. Wenn ich zurückblicke, habe ich dieser Arbeit unheimlich viel zu verdanken. Man lebt sehr naturverbunden. Aber wenn man an die Zukunft denkt, wird es garantiert nicht einfacher. Als Unternehmer muss man immer überlegen, ob man auf eine bestimmte Nische setzt und wie man den Betrieb weiterführt. Mit meinem Sohn zusammen möchte ich stärker in Richtung Direktvermarktung gehen, also mehr direkt an Kunden verkaufen. Sie haben gerade von halbierten Erträgen, ausgetrockneten Wiesen und finanziellen Sorgen erzählt. Warum machen Sie trotzdem weiter? Ein Landwirt muss immer positiv bleiben, es ist alles Kopfsache. Als Unternehmer sucht man nach Lösungen und neuen Wegen. Außerdem ist die deutsche Landwirtschaft wichtig für die Versorgung im Land. Das gibt mir die Motivation, weiterzumachen. Herr Bedenk, vielen Dank für das Gespräch.