Demnächst in "Die Toten vom Bodensee – Im Schattenreich": Matthias Koeberlin im Interview: "Ich würde nie einen Bergsteigerfilm drehen"
Zum 25. Mal schlüpft Matthias Koeberlin in die Rolle von Kommissar Oberländer. In "Die Toten vom Bodensee – Im Schattenreich" fällt dieser ins Koma. Von den besonderen Dreharbeiten, bei denen auch unter Wasser gefilmt wurde, erzählt der Schauspieler im Interview.
Matthias Koeberlin hat schon viele Rollen in seinem Leben gespielt, doch keine begleitete ihn länger als diese: Seit 2014 verkörpert der inzwischen 52-Jährige den deutschen Kriminalkommissar Oberländer in der ZDF-Reihe "Die Toten vom Bodensee". Der 25. Film "Die Toten vom Bodensee – Im Schattenreich" (Montag, 7. September, 20.15 Uhr, ZDF, bereits ab Montag, 31. August, im Stream auf zdf.de) knüpft lose an ein Ereignis aus dem vorherigen Film an: In "Die Toten vom Bodensee – Schicksalsrad" prophezeite eine Wahrsagerin (Gerti Drassl) den Tod des Kommissars. Zu Beginn des neuen Films wird er nun tatsächlich während eines Einsatzes niedergestochen und fällt ins Koma. Wie es ist, einen Mann zu spielen, der sich eigentlich nicht bewegen kann, berichtet Matthias Koeberlin im Interview. Auch spricht der Vater eines Sohnes über seine Höhenangst. Und er schwärmt von seiner Wahlheimat im Vorarlberg.
teleschau: "Ich habe seinen Tod gesehen", sagt eine Wahrsagerin über Oberländer im letzten Film. Wenn Sie jetzt so eine Prophezeitung bekommen würden, würden Sie sie ernst nehmen?
Matthias Koeberlin: Ich weiß nicht, ob ich es so ernst nehmen würde. Es kommt auch darauf an, in welchem Zusammenhang man mir das sagt: Wenn es mir eine Wahrsagerin aus der Glaskugel liest, dann würde ich es wahrscheinlich weglächeln (lacht). In neun von zehn Fällen würde ich es wahrscheinlich nicht ernst nehmen.
teleschau: Gibt es Situationen, in denen Sie ein bisschen abergläubisch sind?
Koeberlin: Nee, mit dem Aberglauben habe ich es komischerweise gar nicht so. Das ist irgendwie an mir vorbei gegangen. Sei es nun Freitag, der 13., oder die schwarze Katze von links nach rechts – oder von rechts nach links? – ich weiß es gar nicht. Ich glaube, es kommt alles so, wie es kommen soll.
"Ich werde oft gefragt, was das Erfolgsgeheimnis ist"
teleschau: "Die Toten vom Bodensee – Im Schattenreich" ist bereits der 25. Film seit 2014. Hätten Sie damals gedacht, dass die Reihe so lange überleben wird?
Koeberlin: Nein, überhaupt nicht! Ich glaube, damit hat keiner der Verantwortlichen gerechnet. Wenn mich nicht alles täuscht, sind wir damals mit einem Film angetreten. Dann wurde daraus eine Reihe, dann sind die Jahre ins Land gegangen, und wir sind immer noch da. Ich werde oft gefragt, was das Erfolgsgeheimnis ist. Das kann ich nicht sagen. Ich weiß nicht, woran das liegt. Aber irgendwie scheinen wir bei unserer treuen Fangemeinde einen Nerv zu treffen. Sie bleibt uns gewogen. Das freut mich sehr, weil das nicht selbstverständlich ist.
teleschau: Haben Sie schon einmal daran gedacht, aus der Reihe auszusteigen?
Koeberlin: Nee, gar nicht. Bisher fühle ich mich dabei noch sehr wohl und habe das Gefühl, dass am Ende doch immer sinnvolle Geschichten dabei herauskommen. Wenn ich das Gefühl irgendwann nicht mehr hätte, dann würde ich mir meine Gedanken machen.
teleschau: Das klingt, als würden Sie Ihre Rollen regelmäßig auf den Prüfstand stellen ...
Koeberlin: Auf den Prüfstand stelle ich mich und das, was ich so tue, regelmäßig. Das galt auch schon für andere Reihen: Ob das "Kommissar Marthaler" war oder "Hartwig Seeler". Wenn ich für mich das Gefühl habe, da ist eine Figur zu Ende erzählt, dann habe ich wenig Probleme damit, zu sagen: "Die Reise endet hier!" Bei "Die Toten vom Bodensee" habe ich dieses Gefühl, obwohl wir zwölften Jahr sind, komischerweise noch nicht. Ich habe nach wie vor das Gefühl, dass da noch was geht.
Über den Unterwasserdreh: "Abends ist man ordentlich bedient"
teleschau: Die Dreharbeiten zu "Die Toten vom Bodensee – Im Schattenreich" haben Ihnen einiges abverlangt. Was war schwerer: den Koma-Patienten zu spielen oder unter Wasser zu drehen?
Koeberlin: Tatsächlich diese Rumliegerei. Viele aus dem Team haben anfangs gelacht und gesagt: "Mensch, das ist doch toll. Da kannst du jetzt 14 Tage am Stück einfach rumliegen." Aber nee! Ich hab das am Anfang selbst ein bisschen unterschätzt, an diese ganzen Schläuche und Kabel angeschlossen zu werden und wirklich einfach nur rumzuliegen. Denn es ist ja nicht so, dass der Oberländer nur vor sich hindämmert, es passiert ja auch wirklich was mit ihm. Das zu spielen, war anstrengender, als ich anfangs gedacht habe. Aber diese Unterwasserszenen sind natürlich auch immer fordernd. Das ist nichts, worum ich mich reiße. Aber es ist eine tolle Atmosphäre entstanden. Die Kollegen haben tolle Bilder eingefangen. Gerade unser Kameramann Lukas Gnaiger hat immer tolle Ideen, um solche Szenen auch visuell spannend zu machen. Von daher: Diese Kombination aus liegen, tauchen und was sonst noch alles war, hat eine besondere Folge geschaffen, die ich sehr, sehr mag.
teleschau: War das Ihr erster Unterwasserdreh?
Koeberlin: Nein, das hab ich schon oft gemacht. Ich musste auch schon zwei Tage in voller Montur, also mit Schuhen und Klamotten, in Kroatien auf dem offenen Meer tauchen. Wasser begleitet mich auf meiner beruflichen Laufbahn schon sehr, sehr lange und oft auch auf sehr intensive Weise. Insofern war es mir nicht neu.
teleschau: Wie darf man sich den Ablauf eines solchen Drehs vorstellen? Wer versorgt einen währenddessen mit Luft?
Koeberlin: Die Szenen für "Die Toten vom Bodensee" entstanden in einem speziellen Tauchbecken in Wien. Da waren natürlich Taucher dabei, die mich dann einweisen mit allem Pipapo. Denn die Sicherheit steht immer an vorderster Stelle. Es gibt auch viele Wiederholungen. So dauert der Dreh dann doch einen ganzen Tag, und abends ist man ordentlich bedient.
Über Höhenangst: "Schlimmer, je älter ich werde"
teleschau: Schon die Dreharbeiten zum vorherigen Film "Die Toten vom Bodensee – Schicksalsrad" waren eine Herausforderung für Sie: Dafür mussten Sie in ein Riesenrad steigen, obwohl Sie eigentlich Höhenangst haben ...
Koeberlin: Ja, die habe ich. Und sie wird auch immer schlimmer, je älter ich werde. Insofern sind solche Szenen für mich immer eine Riesenüberwindung. Wir mussten auch schon einmal in einer Gondel der schönen Pfänderbahn drehen. So was ist für mich immer wahnsinnig schwierig. Da muss ich mich sehr zusammenreißen und die Situation irgendwie über die Atmung oder über den Humor für mich lösen.
teleschau: Gibt es irgendetwas, bei dem Sie sich als Schauspieler weigern, es für einen Dreh zu tun?
Koeberlin: Prinzipiell würde ich erst mal nichts ausschließen. Aber ich glaube, gewisse Sachen kämen für mich einfach nicht in Frage: Ich würde zum Beispiel nie einen Bergsteigerfilm drehen. Ich würde wahrscheinlich auch niemanden spielen, der ein Windrad zusammenbaut. Da würde ich dann sagen: "Vielen Dank, aber ich glaube, da gibt es andere, die das viel, viel besser hinkriegen als ich."
teleschau: Andersrum gefragt: Gibt es einen Stunt, den Sie gerne einmal selbst drehen würden?
Koeberlin: (überlegt) Ja, ich glaube, irgendwas mit einem Auto würde ich gerne mal machen. Autoverfolgungsjagden finde ich zum Beispiel immer wahnsinnig spannend. Aber davon abgesehen bin ich nicht so vermessen, zu sagen, ich muss unbedingt wie Tom Cruise jeden Stunt selber machen, und je gefährlicher, desto besser.
"Kartenspiele waren ein fester Bestandteil meiner Kindheit"
teleschau: Ohne zu viel zu verraten von dem Film, aber Schach spielt ja auch eine große Rolle. Spielen Sie persönlich Schach?
Koeberlin: Kein Stück! Ich weiß, wie die Figürchen heißen, und ich glaube, dass der Bauer beginnt. Aber da geht es ja schon los: Wahrscheinlich kann man auch mit jeder anderen Figur losziehen. Schach ist leider an mir vorbeigegangen. Das war auch in meiner Familie nie das präferierte Spiel. In meiner Familie gab es immer nur Kartenspieler.
teleschau: Welche Kartenspiele haben Sie denn präferiert?
Koeberlin: Doppelkopf: Das hat meine ganze Familie von der Tante bis zum Großonkel wahnsinnig gerne gespielt. Als Kinder – das weiß ich noch – saßen wir dann unterm Tisch und oben ging's heiß her mit Streit und Versöhnung. Also Kartenspiele waren ein fester Bestandteil meiner Kindheit.
teleschau: Pflegen Sie darüber hinaus noch irgendwelche Hobbys?
Koeberlin: Ganz langweilige im Grunde: Ich bin gerne draußen im Garten. Meine Familie fordert dann auch viel Zeit. Deshalb habe ich wenig Zeit für Hobbys. Musik ist vielleicht noch so was: Ich spiele gerne Schlagzeug. Das mach ich jetzt schon seit 30 Jahren mit Freunden zusammen. Gut sind Hobbys, bei denen ich schweigen kann. (lacht)
"Ich schaue gerne ins Grüne und in die Berge"
teleschau: Auch privat wohnen Sie seit einigen Jahren am Bodensee. Was gefällt Ihnen an der Region?
Koeberlin: Vorarlberg ist einfach ein wahnsinnig schöner Fleck Erde. Das mochte ich schon während der Dreharbeiten sehr gern. Jetzt lebe ich hier schon seit ein paar Jahren und genieße es einfach sehr! Ich habe 30 Jahre in Städten gelebt, also in Berlin und in Köln, und das reicht jetzt. Ich mag die Stadt immer noch gerne, aber als Lebensmittelpunkt brauche ich die Stadt nicht mehr. Mit 50 plus suche ich dann doch wieder die Natur. Ich schaue gerne ins Grüne und in die Berge. Und was das angeht, ist Vorarlberg einfach ganz weit vorne. Landschaftlich ist es hier einfach wahnsinnig toll, und das bringt mich runter.
teleschau: Wie schwer fällt es Ihnen grundsätzlich, nach einem Drehtag abzuschalten?
Koeberlin: Ach, das gelingt mir eigentlich recht gut. Wenn die letzte Klappe geschlagen wurde, pelle ich mich aus meiner Montur, und dann kann ich die Rolle auch recht schnell ablegen. Bei so intensiven Geschichten wie der aktuellen dauert es natürlich manchmal etwas länger, aber meistens reicht es, wenn ich mein grünes Jäckchen an den Haken hänge. Der Alltag trifft mich danach dann sowieso meist mit voller Wucht (lacht).
"Was Regie angeht, da wäre ich auch heillos überfordert"
teleschau: Was würden Sie als Oberländer denn gerne noch erleben?
Koeberlin: Ähm. Wir haben inzwischen ja schon viele Felder beackert. Was ich aber nach wie vor spannend finde, ist der Ansatz, dass das Publikum den Täter schon von Anfang an kennt. So wie bei "Columbo". Grundsätzlich ein bisschen gegen den Strich zu bürsten und noch mal einen anderen Ansatz zu finden, fände ich spannend. Ich bin mir aber auch sicher, dass unsere Drehbuchautoren dahingehend noch was in petto haben. Vielleicht gibt es auch mal einen Fall, bei dem wir einen Täter über zwei, drei Folgen hinweg jagen. Inzwischen darf ich mich da auch ein bisschen einbringen.
teleschau: Schreiben Sie inzwischen an den Drehbüchern mit?
Koeberlin: Nein, so vermessen bin ich nicht. Wir haben tolle Drehbuchautoren. Aber ich darf Ideen und Anregungen einbringen. Ob die schlussendlich dann auch übernommen werden, ist eine andere Frage. Aber meine Meinung ist schon gewünscht und gefragt. Das freut mich natürlich.
teleschau: Große Drehbuch- oder Regie-Ambitionen verfolgen Sie nicht?
Koeberlin: Nein. Ich weiß, das machen viele, und ich habe durchaus schon darüber nachgedacht. Aber am Ende sage ich mir immer: Schuster bleib bei deinen Leisten! Gerade was Regie angeht, da wäre ich auch heillos überfordert mit dem, was da auf mich einprasseln würde. Selbst wenn ich mir Leute holen würde, die mir helfen.
