Lilly Becker bei „Surviving Amazonas“: „Ich bin nicht der Typ für Schauspielerei“
Für „Surviving Amazonas“ lebte Lilly Becker zehn Tage im Regenwald. Anders als das Dschungelcamp empfand sie das nicht als „Strafe“.
Für die Abenteuer-Doku „Surviving Amazonas - Die Prüfung der Shanenawa“ ist Lilly Becker (50) zehn Tage lang bei einem indigenen Volk im brasilianischen Bundesstaat Acre eingezogen. Ab dem 8. September läuft das Format auf Joyn, ProSieben zeigt es um 22:35 Uhr. Neben dem Model stellen sich sieben weitere Prominente den Regeln der Shanenawa, unter ihnen Extremsportler Joey Kelly (53) und „Let's Dance"-Kandidat Willi Banner (32).
Becker gewann im vergangenen Jahr zwar das Dschungelcamp, doch damit habe das Leben im Amazonas nichts zu tun, stellt sie im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news klar. Dort gab es „keinen Verzicht“, dafür aber jede Menge prägende Erfahrungen. Warum sie eines der Rituale künftig jedes Jahr wiederholen will, warum sie zu alt für ein Verstellen ist und wie ihr Sohn Amadeus (16) auf ihren erneuten Dschungelaufenthalt reagiert hat, berichtet sie im Gespräch.
Warum war Ihnen sofort klar, dass Sie an diesem Projekt teilnehmen wollen?
Lilly Becker: Ich bin sowieso ein bisschen spirituell. Ich glaube, dass es da etwas Größeres gibt als das Universum. Ich bin offen dafür. Deswegen habe ich mich auch vorher richtig vorbereitet: Ich habe zwei Wochen lang keinen Alkohol getrunken, keine Milch, keinen Käse, kein Brot gegessen. Ich wollte diese Herausforderung unbedingt richtig annehmen und mich auf die Erfahrung einlassen.
Sie mussten sich nicht nur der Natur, sondern auch einer fremden Kultur und deren Regeln unterordnen. Fiel Ihnen das leicht?
Becker: Ich bin mittlerweile 50 Jahre alt - die Vorbereitung war für mich wichtiger als die anderen Leute. Ich bin eine Abenteurerin, ich liebe so etwas. Ich habe in den verschiedensten Ecken der Welt gelebt, ich komme mit jedem klar. Und wenn ich kein Chinesisch kann, dann versuche ich es einfach. Für mich war das eine Lebenserfahrung. Man muss neugierig bleiben, was es da draußen sonst noch alles gibt.
Die Reise sollte auch eine Art Heilungsprozess sein. Haben Sie das Gefühl, dass der Prozess bei Ihnen tatsächlich etwas in Gang gesetzt hat?
Becker: Absolut! Ich war natürlich erstmal skeptisch und habe gedacht: Okay, ist fürs Fernsehen, dann machen wir mal mit. Als die erste Zeremonie bei mir nicht geklappt hat, dachte ich: Bullshit. Aber dann bin ich jeden Tag neugieriger und neugieriger geworden. Und ich bin auch erwachsen genug, um zu sagen: Versuch es einfach, geh tiefer, sei offener. Wenn man dann jeden Tag mehr mit den Menschen zusammenlebt, kommt es von ganz allein.
Was war die prägendste Erfahrung für Sie?
Becker: Das war die dritte Ayahuasca-Zeremonie tief im Amazonas. Die ersten beiden haben bei mir nicht funktioniert, aber als diesmal die Musik begann, kam es wie eine Schlange durch meinen Körper. Mutter Ayahuasca ist tief in mich eingedrungen und hat mit mir geredet! Das war unglaublich. Ich hatte zuvor jeden Abend in ein Journal über mein Leben geschrieben: Was ich alles durchmachen musste, wie ich knapp am Tod vorbeigeschrammt bin. Und sie wusste das plötzlich alles - wie verrückt ist das? Auf alle meine Fragen in meinem Buch hat sie geantwortet.
Hat sie auch Voraussagen über Ihr künftiges Leben getroffen?
Becker: Ja, 100 Prozent! Aber nur bei mir. Weil ich das a) ernst genommen habe, b) ein Journal geführt habe, c) offen war und d) einfach losgelassen habe! Ich könnte wirklich stundenlang darüber reden. So eine Zeremonie werde ich ab jetzt auch einmal im Jahr machen.
Manche Zuschauer werden solche Rituale kritisch sehen. Können Sie das nachvollziehen?
Becker: Wenn du nicht dafür offen bist - und viele Deutsche sind das vielleicht nicht -, denkt man an Hokuspokus. Aber ich hoffe, dass sie beim Zuschauen merken, dass es echt ist. Ich war auch skeptisch. Aber wie gesagt, je länger ich im Wald war, desto besser wurde es. Es war so besonders, zehn Tage ohne Handy und ohne Einfluss von anderen Leuten zu leben und sich ganz auf diese Lebensweise einzulassen.
Ein Leben im Einklang mit der Natur: Ist das etwas, das Sie sich grundsätzlich auch für Ihr eigenes Leben vorstellen könnten?
Becker: 100 Prozent. Ich habe schon immer gesagt: Wenn mein Sohn alt genug ist, seine eigene Familie hat und stabil im Leben steht, dann ziehe ich zu 100 Prozent nach Afrika um. Was soll ich die ganze Zeit in Europa? Die Welt ist so groß und so schön.
Was hat Ihr Sohn dazu gesagt, dass Sie schon wieder in den Dschungel gehen?
Becker: Er hat mich angeguckt und gesagt: „Mama, viel Spaß.“ Ich habe meinen Sohn dann natürlich vermisst, aber ich wusste, dass es ihm gut ging. Und: Ich tue das für mich selbst. Ich war ganz dort und habe es genossen.
Sie kennen den Dschungel bereits aus dem Dschungelcamp. Was konnte Ihnen „Surviving Amazonas“ bieten, was Sie dort noch nicht erlebt hatten?
Becker: Das kann man nicht vergleichen. Das Dschungelcamp ist wirklich hart, da willst du einfach nur überleben. Es ist eine Strafe und wirklich kein Spaß. Das mache ich auch nie wieder. Niemals! „Surviving Amazonas“ war im Gegensatz dazu unglaublich interessant und dort habe ich mich auch sehr wohlgefühlt. Wir haben so gut gegessen, die Natur hat uns alles gegeben, was wir brauchen: Kaffee, Wasser, Hühnchen, Ei, Kartoffeln. Und meine Haut war ohne den künstlichen Zucker wie von einem Baby! Ich habe noch nie so gut ausgesehen wie in der Zeit im Amazonas. Ich sah aus, als ob ich 35 Jahre alt wäre. Dort gab es keinen Verzicht und es war nicht anstrengend. Wegen der Furcht vor fremden Ritualen war es natürlich nicht einfach, aber die Erlebnisse danach waren einfach unfassbar.
Gehört es zu Ihrem Wesen, dass Sie einfach alles so nehmen, wie es kommt, und alles einmal ausprobieren?
Becker: Wenn es nicht gefährlich ist, natürlich. Ich habe Verantwortung für mein Kind und danach handle ich. Aber ich liebe das Abenteuer.
Welche Lilly sehen wir bei „Surviving Amazonas“, die wir im Dschungelcamp noch nicht kennengelernt haben?
Becker: Keine. Ich kann mich nicht verstellen, als ob ich ein anderer Mensch bin, dafür bin ich wirklich zu alt. Und ich bin auch nicht der Typ für Schauspielerei, ich bin kein Realitystar. Ich bin immer genau, wie ich bin, die echte Lilly.
Hat sich die echte Lilly gut mit den anderen Teilnehmenden verstanden?
Becker: Am Anfang kannten wir einander natürlich nicht. Aber nach einem Tag haben wir alle miteinander geredet und uns ganz real kennengelernt - ohne Social Media, wie in den 80er Jahren (lacht). Dadurch sind echte Freundschaften entstanden. Es war wirklich eine richtig gute und ehrliche Zeit. Es ist kein Trash-TV, also gab es auch keine Streitereien dort. Wir haben gelacht, wir haben geweint, aber vor allem echte Geschichten erzählt.
