Добавить новость
ru24.net
World News
Сентябрь
2026
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12
13
14
15
16
17
18
19
20
21
22
23
24
25
26
27
28
29
30

Deutschland und Nationalsozialismus: "Davor hatte Hitler panische Angst"

0
Radikal, brutal, gnadenlos: Zunächst wurden Adolf Hitler und seine Winzpartei NSDAP gefürchtet und verspottet, dann gelang den Nazis 1930 ein Wahltriumph. Wir müssen dringend herausfinden, wie das möglich war, fordert Philosoph Philipp Ruch. Am 14. September 1930 erlitt Deutschland einen Schock: Die Nazis, bekannt und berüchtigt für Gewalt, Rassismus und Skandale, triumphierten bei der Reichstagswahl. Und wurden zur zweitstärksten Partei. 107 statt vormals 12 Abgeordnete der NSDAP konnten nun das Ende von Republik und Demokratie verfolgen. Wie gelang den Nazis dieser Erfolg? Das ist unbekannt, sagt Philipp Ruch, politischer Philosoph und künstlerischer Leiter des "Zentrum für politische Schönheit". Und findet dieses Nichtwissen umso gefährlicher in Zeiten des Aufstiegs der AfD . Um den Gründen für den Erfolg der NSDAP am 14. September 1930 nachzuforschen, hat Ruch sein Buch "Der Rückfall" geschrieben. Im Interview erklärt Ruch, was er herausgefunden hat und weshalb er die Gefahr des Faschismus für gefährlich aktuell hält. t-online: Herr Ruch, wie oft gibt es Sie eigentlich? Philipp Ruch: Nur einmal, soweit ich weiß. Worauf wollen Sie hinaus? Sie treten in unterschiedlichen Funktionen auf: Mit dem "Zentrum für Politische Schönheit" setzen Sie als Aktivist auf polarisierende Protestkunst, zugleich haben Sie mit Ihrem Buch "Der Rückfall" ein analytisch tiefschürfendes Buch zum Aufstieg der NSDAP in der späten Weimarer Republik veröffentlicht. Ich sehe mich nicht als Aktivisten. In jedem anderen Jahrhundert wäre ich wahrscheinlich Schriftsteller geworden. Aber ich habe eben das Glück – oder Pech – in dieser Zeit zu leben. Mit dem "Zentrum für Politische Schönheit" formuliere ich unsere politischen Dilemmata, aber Bücher sind genauso wichtig. Für "Der Rückfall" bin ich zurück zu der Frage gereist, wie der Nationalsozialismus möglich wurde. Die NSDAP musste sich ja als Partei in einer Demokratie durchsetzen. Dort spüren Sie nun einem besonderen historischen Ereignis nach – und zwar der Reichstagswahl vom 14. September 1930, in der die vormalige Zwergpartei NSDAP ihren Stimmenanteil von 2,63 auf 18,3 Prozent steigern konnte. Warum dieser Fokus? Dieser Triumph der NSDAP ist bis heute ein großes Rätsel. Bis zu der Wahl galt die NSDAP in der allgemeinen Wahrnehmung der deutschen Öffentlichkeit als eine Splitterpartei von Rassisten mit Menschenzüchtungsplänen und einem verstörenden Gewaltkult. Über diesen Eindruck herrschte ein breiter Konsens. Bei der Reichstagswahl 1928 holten die Nazis 12 Abgeordnete, 1930 waren es plötzlich 107. Selbst Hitler konnte es nicht fassen. Joseph Goebbels, der Großmeister der propagandistischen Übertreibung, war völlig baff. Irgendetwas muss also mit – zumindest einem großen Teil – der Deutschen zwischen 1928 und 1930 passiert sein. Ich will die Dimensionen des Erfolgs der NSDAP noch auf andere Weise demonstrieren: 810.127 Wahlberechtigte stimmten 1928 für die NSDAP, 1930 sind es 6.383.107. Das schockierte nicht nur Deutschland, sondern sorgte für internationales Aufsehen: Mehr als sechs Millionen Menschen wählten in einer der fortschrittlichsten Nationen der Erde gewalttätige Rassisten. Die Zeit damals legte ganz andere Maßstäbe an Umgangsformen. Auch deswegen waren die Nazis nicht akzeptabel. Und die Nationalsozialisten versteckten sich nicht, sie machten aus ihren blutrünstigen Plänen gar keinen Hehl. Sie wollten die politische Elite niedermetzeln, sprachen von Folter, Mord und anderen Verbrechen. Dieser Extremismus war der "Markenkern" der Nazis, wie man es heute ausdrücken würde. Stellt sich umso mehr die Frage nach dem Grund für den Wahlerfolg der NSDAP? Das ist der Grund, warum ich dieses Buch geschrieben habe. Wir wissen zu wenig darüber, wie sich die NSDAP unter demokratischen Bedingungen verhalten hat. Gerade in diesen wichtigen Jahren um 1930. Nehmen wir die Wahl vom 14. September 1930. Darüber wird immer schnell hinweggegangen. Dabei ist das der historische Knackpunkt: Es ist der Durchbruch für die Nazis. Sie sezieren die bisherigen Erklärungsmodelle für den Erfolg der NSDAP in der Spätphase Weimars. Was ist Ihr Schluss? Die bisherigen Erklärungen helfen uns nicht weiter, sie haben alle irgendwo ein Loch, aus dem die Plausibilität entweicht. Wir können gerne einige Beispiele durchgehen. Die Wahlbeteiligung bei der Septemberwahl 1930 war außergewöhnlich hoch. Der Schluss liegt nahe, dass sich Nichtwähler zur Wahl der NSDAP aufrafften. Das sah der Journalist Konrad Heiden seinerzeit so. Aufgrund umfangreicher Forschung wissen wir heute allerdings, dass die NSDAP nicht übermäßig von Nichtwählern profitierte. Wie steht es um die Jugend und Arbeitslosen? Beide behauptete die NSDAP zu vertreten. 1930 gab es rund 4,5 Millionen Jungwähler. Aber auch diese Zahl erklärt den Aufstieg der NSDAP nicht, obwohl sich die Nazis viel auf ihre "Jugendlichkeit" einbildeten. Auch hier hat die Forschung Indizien ermittelt, dass die NSDAP in Gegenden mit hohem Jungwähleranteil miserabel abschnitt. Die Jungen waren lange nicht so begeistert, wie es die NSDAP Glauben machen will. Gleiches gilt für die Arbeitslosen. Drei Millionen Menschen waren am Wahltag 1930 arbeitslos – aber auch Arbeitslosigkeit sorgte der Forschung zufolge eher für Resilienz gegen Nationalsozialismus. Die Jungen und die Arbeitslosen liefen vor den Nazis regelrecht davon. Was ist mit der angeblich ausgefeilten NS-Propaganda und dem Führer-Kult? Kaum vorhanden. Der Historiker Gerhard Paul hat sich Ostpreußen genauer angeschaut, dort hat die NSDAP im September 1930 ihre Stimmenanzahl verdreißigfacht. Paul findet nur einen unorganisierten Haufen, keine Spur eines professionellen Propagandaapparats. Hitler selbst war auch keine Hilfe. 1929 fiel der Star- und Wanderprediger in ein gewaltiges Formtief. Wie äußerte sich das? In dieser Zeit hielt Hitler gerade einmal 29 Reden, halb so viele wie sonst. Von den 29 Reden fanden 21 in Bayern statt. Das ist alles sehr bemerkenswert. Hitler wollte sich im Propagandakrieg nicht opfern. Er hatte Besseres zu tun. Er mied jede Arbeit und saß in Cafés in München herum. Alle beschwerten sich. "Die Zügel schleifen am Boden", schimpfte Goebbels. Für Hitler hatte er einen höhnischen Namen: "Die Reichsleitung sitzt im Kino oder im Café Heck". Hitler ließ es sich gutgehen, er las Bücher, schlief lang und verschreckte Frauen, indem er sich ihnen als "Wolf" vorstellte. Bei der NSDAP herrschte derweil Anarchie. Auch die Presse pushte die Nazis nicht, selbst die rechte Presse kam erst spät im Wahlkampf auf sie zu sprechen. An dieser Stelle muss die Frage erneut kommen: Wie erklären Sie sich den Erfolg der Nazis 1930? Walther Lambach, Reichstagsabgeordneter der rechten Deutschnationalen Volkspartei (DNVP), schrieb 1926 ein bemerkenswertes Buch: "Die Herrschaft der Fünfhundert". Damit meinte er die Abgeordneten im Reichstag. Im Kaiserreich, so argumentierte Lambach, hätten die Menschen diejenigen in den Reichstag gewählt, die denen "da oben" mal so richtig die Meinung geigen. 1918 sei die Demokratie viel zu schnell über die Menschen gekommen, als dass die meisten Leute sich darauf einstellen konnten, jetzt selbst zu herrschen. Lambach vermutete, sie sähen das Parlament weiter als Baseballschläger gegen die Regierung. Sie wählten immer noch die Leute, die denen "da oben" einheizen sollten? Die Nazis passten zumindest überraschend gut in dieses Muster. Goebbels schwadronierte im Sportpalast: "Wir wollen euch nicht imponieren, wir werden euch zum Teufel jagen." Hitler versprach ganz direkt, die herrschenden Politiker zusammenzuschlagen. Wir haben nach Kriegsende 1945 eine entscheidende Tatsache über den Faschismus verlernt: Er ist ungeheuer attraktiv. Nicht nur, wenn die Wirtschaft lahmt oder kollabiert. Der Faschismus beinhaltet die Lizenz zum Töten, zu Rache und Vergeltung. Ohne Reue. Das ist sein dunkles Herz. Die Nazis wollten 1930 an die Großen der Politik ran. Und zwar nicht aus Zerstörungslust, sondern aus Vergeltungssucht. Das Problem ist nur: Aus denselben Gründen wurden sie 1928 gerade geächtet, verspottet und ausgelacht. Aber die NSDAP ließ es an sonstiger Attraktivität doch zudem reichlich missen. Nicht nur wegen ihrer Gewalttätigkeit und Menschenverachtung, sondern auch wegen ihrer zahlreichen Affären und Skandale. An der Wahl der NSDAP zeigen sich die Absurdität und die Paradoxie des Faschismus: Die Nazis spielten sich als Antikorruptionsprojekt auf, um die ganzen Ausrottungsfantasien zu bemänteln. Aber die Partei – und zahlreiche ihrer ranghohen Führer – waren durch und durch korrupt. Hitler gönnte sich eine fürstliche Wohnung in bester Lage, die selbsternannte Arbeiterpartei baute mitten im Wahlkampf aus Mitgliedsgeldern an einer protzigen Parteizentrale in München. Als "Braunes Haus" kennen wir es noch heute. Und Goebbels düste im roten Berlin im neuesten Mercedes-Modell umher. Skandale und katastrophale Fehlentscheidungen waren im Wahlkampf vor der Reichstagswahl 1930 an der Tagesordnung. Galt für die Nazi-Spitze damals schon die Devise: "Wasser predigen, Wein saufen"? Und wie. Die NSDAP versenkte Millionen in den Umbau des vormaligen Adelspalais zum "Braunen Haus", das Interieur war vom Feinsten. Die politische Musik spielte aber in Berlin. Was wollte man mit einem Parteitempel in München? Das Problem begleitete Hitler noch im Dritten Reich. Überhaupt ist unser Bild von der NSDAP stark durch den Propagandaglanz des NS-Staates verzerrt: Die Partei war keineswegs die effiziente Maschine, als die sie bisweilen gesehen wird. Nehmen wir Hitler, der sich anfangs ganz bewusst wie ein Gangster aus Chicago kleidete und mit Waffe und Hundepeitsche auftrat. Später, auch 1930 ließ er sich dann, als eine Art Hochglanzputschist, der er war, samt Hofstaat herumkutschieren. All das, während die SA bettelarm war. Sie streikten und stellten den Wahlkampf ein. Je genauer wir hinschauen, desto monströser wird der NSDAP-Sieg. Sie wollen unser heutiges Bild vom Nationalsozialismus geraderücken und erweitern: Wo sehen Sie dringenden Handlungsbedarf? Der Historiker Thomas Weber kritisiert, dass wir mit einer Karikatur von Weimar und Hitler im Kopf herumlaufen. Unsere Bilder verdecken, was eigentlich vorgefallen ist. Die Quellen lesen sich eindeutig, aber wir überdecken das Wesentliche mit Rückprojektionen. Was wir die Attraktivität des Führerkults nennen, ist für gestandene Nazis der widerwärtigste "Byzantinismus". Eine Wählerin beschrieb den Kult um den Österreicher Hitler als die "minderwertigste Lobhudelei". Die Menschen hatten ein viel feineres Sensorium als wir. Wir erliegen also unseren Rückprojektionen über Weimar und den Nationalsozialismus? Um die Entwicklungen und Entscheidungen zu verstehen, müssen wir die Gefühle und Eindrücke der Menschen damals schon ernstnehmen. Dass Deutschland in der NS-Diktatur landete, war alles andere als ausgemacht. Es war das Ergebnis eines offenen Prozesses. Ein Prozess, den wir besser zu unserem Wohl in der Gegenwart verstehen sollten. Haben Sie Hoffnung, dass Lehren aus der Geschichte fruchten? Gerade heute ist es – angesichts der Erfolge der AfD und anderer Extremisten – wichtig zu verstehen, wie und wann eine Demokratie in die Diktatur abgleitet. Die Weimarer Republik wurde oft als Totgeburt abgeschrieben. Mit diesem Bild im Kopf verpassen wir uns selbst Denkblockaden. Weimar musste nicht scheitern. Zwischen 1928 und 1930 waren die Nazis irrlichternde Tollpatsche, nach der Wahl vom 14. September 1930 fanden sie sich plötzlich auf der Siegerstraße wieder. Wir müssen endlich herausfinden: Warum? Was geschah nach der Wahl vom 14. September 1930? Es kam zu dem, was ich den Machtschock nenne. Die Nazis waren plötzlich wer: Mit 107 Abgeordneten führte die NSDAP plötzlich das rechte Lager an. Die Medien stürzten sich auf Hitler, er war nun allgegenwärtig. Auch die absolut zutreffenden Einschätzungen über das Wesen der NSDAP und die Gefahr, die von ihr ausging, waren Ende 1930 wie weggeblasen. Erstaunlich! Inwiefern? Nehmen wir Wilhelm Groener, der als Verteidigungsminister ein einflussreicher Mann war. Groener war zudem ein kluger und realistischer Politiker, der sich keinerlei Illusionen über die Nazis machte. Dennoch wollte Groener – zumindest öffentlich – ab Oktober 1930 nichts mehr von der Staatsfeindlichkeit der NSDAP wissen. Und das, obwohl Hitler sogar so dumm war, vor dem obersten Gericht des Landes anzukündigen, dass er die politische Elite des Landes hinrichten wolle, sollte er je an die Macht kommen. Alle hatten gehofft, dass die Nationalsozialisten sich nach der Wahl mäßigen. Das war aber Pustekuchen. Hitlers Aussage sandte Schockwellen ins ganze Land. Brünings Kabinett unterbrach die laufende Sitzung, um sich bestätigen zu lassen, dass Hitler vor Gericht wirklich Verbrechen angekündigt hatte. Niemand wollte glauben, was da geschieht. Aber Groener sprach plötzlich von gemeinsamen Werten. Am 5. Oktober 1930 war es zu einem Treffen zwischen Reichskanzler Heinrich Brüning und Adolf Hitler gekommen. Kam es dort zu einem "Deal"? Der Meinungsumschwung Groeners kann meiner Ansicht nach nur auf Weisung des Reichskanzlers erfolgt sein. Ich vermute, dass Brüning und Hitler an diesem Tag eine Art Vereinbarung getroffen haben. Welche? Hitler war 1930 ein Ausländer, vorbestraft noch dazu. Man hätte ihn jederzeit abschieben können. Das war Hitlers größte Sorge. Auch vor einem Verbot der NSDAP hatte er panische Angst. Es spricht einiges dafür, dass der deutsche Reichskanzler dem Anführer der Nazis versprach, in seiner Amtszeit nichts gegen die NSDAP zu unternehmen. Nun stand Brüning als Reichskanzler allerdings in gewisser Weise über den Dingen: Reichspräsident Paul von Hindenburg schirmte seine Politik durch Notverordnungen ab, die er ohne Zustimmung des Parlaments erlassen konnte. Wie passt das zusammen? Die Entkoppelung wird zwar immer behauptet, aber selbst Hindenburg schielte nach einer politischen Legitimationsmasse für sein Kabinett. Und hier kommen die Auswirkungen des Machtschocks vom September 1930 ins Spiel: Es war eigentlich kein Umbruch, sondern ein harter Bruch. Plötzlich suchten alle, selbst die liberalen Zeitungen, nach der "guten" Seite des Nationalsozialismus. Die Sprachregelung dafür war die Rede von "Kulturidealen" und gemeinsamen Werten. Und dabei wussten alle Beteiligten: Die Kultur der Nazis bestand aus Radau, Rassismus und Terror. Sie erhielten die Respektabilität frei Haus, obwohl sie ihre Gewalthandlungen und Morddrohungen noch drastisch erhöhten. Stumpfte die Mitte der Gesellschaft schlichtweg ab? Wurde das vormals Unaussprechliche in dieser Phase Weimars "normal"? Es kam jedenfalls zu einem zentralen Umdenken in der öffentlichen Meinung über diese blutrünstigen Barbaren. Sie wurden nicht mehr als solche angesprochen. Trotz aller Gegenbeweise: Im Freistaat Braunschweig koalierten die Nazis 1930 mit den anderen rechten Parteien. Dennoch taten die Nazis ihren neuen Partnern nicht den Gefallen, sich zurückzuhalten. Hier liegt auch ein guter Teil der Erklärung für den Stimmenzuwachs der NSDAP 1930: DNVP und DVP waren in dieser Phase Weimars bereits mehr oder weniger implodiert, die NSDAP griff die Stimmen ab. Aber eine allgemeine Erklärung für plötzlich 107 NSDAP-Abgeordnete ist das längst nicht. Wenn Sie die Wahl vom 14. September 1930 nun historisch einordnen: War es der Anfang vom Ende Weimars? Es handelte sich zumindest um den zentralen Betäubungsmoment, der uns heute völlig unbekannt ist. Dennoch fingen sich die Akteure wieder und eine Auslieferung der Macht an die Nazis stand keineswegs fest. Noch nach der Juliwahl 1932 empfing Hindenburg Hitler als Anführer der stärksten Partei, die die NSDAP nun war. Es war ein Test. Hindenburg, der von demokratischer Seite 1925 als zivilisatorischer "Rückfall" empfunden wurde und im großen Krieg wenig Skrupel kannte, war völlig schockiert von Hitler. Dieser verriet dem Reichspräsidenten, dass der politische Gegner restlos vernichtet werden müsse. Das meinte er todernst. Hindenburg war bestürzt. Selbst für den rückschrittlichen Reichspräsidenten waren die Nazis ein Zuviel des Rückfalls. Kommen wir auf unsere Gegenwart zu sprechen, in der die AfD derartige Erfolge verbucht. Halten Sie es für legitim, die NSDAP mit der AfD und ebenso ihre jeweiligen Wählerschaften miteinander zu vergleichen? Das ist zumindest möglich. Wir müssen uns die historische Lehre in Erinnerung rufen: Faschismus ist ein Wettbewerbsvorteil im demokratischen Wettstreit. Das verstehen wir heute nicht, weil der Faschismus nach Kriegsende 1945 als etwas Widerliches geächtet wurde. Wir lernen gerade den Jubel und die Begeisterung neu kennen, den er auslösen kann. Wir zahlen einen hohen Preis für die Vergesslichkeit, dass die NSDAP in einer Demokratie abräumte. Die vielen Väter und wenigen Mütter des Grundgesetzes wussten um die Attraktivität des Faschismus. Deswegen haben sie die Möglichkeit eines Parteiverbots in die deutsche Verfassung geschrieben. Nur deswegen. Um die Chancengleichheit im demokratischen Wettbewerb zu wahren? Faschismus wirkt sexy auf Millionen Menschen. Mit Gewalt- und Mordfantasien können Sie Menschen mobilisieren und fanatisieren. Tino Chrupalla von der AfD sagt, dass die "SPD endgültig für das Schafott geeignet" ist. Das sagt er natürlich nicht bei Markus Lanz , sondern auf den Marktplätzen. Die Leute glauben heute inbrünstig an diese politischen Metzger. Sie bekommen leuchtende Augen von ihrer Partei. Wir können da gar nichts tun. Wer würde einem Grünen die Forderung abnehmen, AfD-Politiker zu erschießen? Das ist der Vorteil des Faschismus. Wir müssen verfassungsfeindliche Parteien mit den Mitteln des Grundgesetzes aus dem Rennen nehmen, weil sie wirklich umsetzen wollen, was sie ankündigen. Friedrich Merz hat kürzlich geäußert, dass er einem AfD-Verbot wenig Chancen einräumt. Da bin ich wesentlich optimistischer. Ein AfD-Verbot wird kommen. Die Partei wird sich nicht entradikalisieren, irgendwann wird das auch die CDU erkennen. Vorher wird sie sich zwar noch gehörig blamieren, vielleicht auch noch einmal halbieren, aber irgendwann versteht selbst die CDU: Die AfD können wir nur mit den Mitteln des Rechtsstaates bekämpfen. Zumindest Teile der CDU glauben, die Auseinandersetzung mit der AfD weiterhin politisch führen zu können. Kann das noch gelingen? Alles, woran die CDU heute noch glaubt, um der AfD beizukommen, wirkt hochgradig naiv. Unsere verantwortlichen Politiker sehen gerade aus wie die größten Idioten, wenn es um die Lehren der Geschichte geht. Sie haben noch nicht verstanden, dass sie diesen Kampf nicht gewinnen können, weil sie mit Rentenplänen einfach nicht gegen die Ankündigung ankommen, ethnische Säuberungen in Deutschland zu veranstalten. In Sachsen-Anhalt herrscht keine Wut, sondern Vorfreude. Wesentliche Teile des Volkes freuen sich auf das, was die AfD angekündigt hat. Sehen Sie die Lage wirklich so ernst? Ja. Wir sind wieder an diesem Punkt. Ein Verbot stellt wiederum die Chancengleichheit wieder her. Warum bitte sollten die demokratischen Parteien die Chance nicht ergreifen? Das ist ihre Aufgabe. Also bitte, liebe Demokraten. Parteien kann man verbieten, aber was ist mit ihren Wählern? Zunächst müssen wir den Faschismus stoppen, solange wir dazu imstande sind. Das Signal wird hoffentlich seine Wirkung auf die AfD-Wähler nicht verfehlen. Bei der letzten rechtsextremen Partei, die in der Bundesrepublik 1954 verboten wurde, gab es Racheschwüre noch und nöcher. Wir haben nie wieder etwas von der SRP oder ihren Wählern gehört. Vielen Dank für das Gespräch, Herr Ruch.



Moscow.media
Частные объявления сегодня





Rss.plus
















Музыкальные новости




























Спорт в России и мире

Новости спорта


Новости тенниса