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Wahl in Berlin: Die Linke hofft auf den Mamdani-Moment

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Die Linke könnte die Wahl in Berlin gewinnen – und so ihrem Vorbild, dem New Yorker Bürgermeister Zohran Mamdani, nacheifern. Doch auch die US-Demokraten haben sich etwas in Deutschland abgeschaut. Als die US-Nachrichtensender Zohran Mamdani im November 2025 zum Wahlsieger erklären, brechen an vielen Orten in New York City Jubelstürme aus. Die Menschen haben sich in Bars und Restaurants getroffen, um den Ausgang der Wahl zum neuen Bürgermeister zu verfolgen. "In einer Zeit, in der die Welt dunkel ist, besonders in Amerika, gibt uns das Hoffnung", sagt eine Frau einem Fernsehteam. Anhänger von Mamdani, der sich selbst als demokratischen Sozialisten bezeichnet, skandieren: "Freeze the rent" (Friert die Mieten ein). Eine Mamdani-Manie, so schreiben es später Zeitungen, habe New York erfasst. Es ist dieser Erfolg, der bei der deutschen Linken einen tiefen Eindruck hinterlassen und auch Begehrlichkeiten geweckt hat: Können die Linken in Deutschland von der Begeisterung um Mamdani profitieren? Und schafft die Partei es, eine ähnliche Bewegung auszulösen, möglicherweise sogar bis zur Berlin-Wahl im September? Die endgültige Antwort darauf wird erst Sonntagabend feststehen, wenn klar ist, wie die Berliner abgestimmt haben. Doch schon jetzt zeigt sich, dass die Linke ihrem Ziel zumindest nähergekommen ist. Es ist ein Dienstagmittag in Berlin . Hippe Kreuzberger tummeln sich vor dem normalerweise um diese Zeit geschlossenen Lokal "Spumante". Die Linke hat hier für eine Woche eine "Kiezkantine" eingerichtet, an der Theke kann man sich ein Mittagessen für 3 Euro abholen – ein Konzept, das die Spitzenkandidatin Elif Eralp nach ihrem Wahlsieg in ganz Berlin einführen will. Die Kantinen sollen Begegnungsorte sein und auch denjenigen ein warmes Mittagessen ermöglichen, die sich zwischen warmer Mahlzeit und warmer Wohnung entscheiden müssen, sagte Eralp der "taz". Die Idee kommt gut an: Die Tische im Lokal und davor sind voll besetzt, auch wenn die meisten hier sich wohl auch ein teureres Mittagessen leisten könnten. An diesem Dienstag stehen "falsche Manti" auf dem Menü, eine schnelle und einfache Variante der türkischen Teigtaschen. Doch schon eine Stunde nach Öffnung ist das Essen ausverkauft. Man habe schon mehr zubereitet als die Tage vorher, sagt die Frau an der Theke. Doch der Ansturm war zu groß. Günstige Lebensmittel spielen auch in New York eine Rolle: Dort plant Mamdani zwar keine Kantinen. Allerdings will der Bürgermeister in jedem der fünf Stadtbezirke einen städtisch geführten Supermarkt mit vergünstigten Lebensmitteln eröffnen. Innerhalb der vergangenen zehn Jahre seien die Preise in der Stadt um 66 Prozent gestiegen, erklärt Mamdani. "Eine staatliche Option ermöglicht es uns, dort einzugreifen, wo der Markt versagt hat." Zwei Stunden später am Stadtrand, in der größten Plattenbausiedlung Deutschlands in Berlin-Marzahn: Auf dem Victor-Klemperer-Platz stehen Bierbänke, auf einer Bühne spielt eine Chanson-Gruppe, daneben werden kostenlos Bratwürste verteilt, auch eine Hüpfburg gibt es. Nicht nur Eralp hat sich hier angekündigt, sondern auch die linken Parteigranden Gregor Gysi , Petra Pau und Dietmar Bartsch . Gemeinsam sitzen sie später auf der Bühne, loben Eralp, erklären, warum sie die beste Regierende Bürgermeisterin für Berlin sei. Auf den Bänken davor sitzt ein gänzlich anderes Publikum als in der Kreuzberger Kiezkantine. Vor allem Rentner und Familien sind gekommen. Die Stimmung ist gut, während des Gesprächs auf der Bühne wird gelacht und applaudiert. Die Partei könnte bei der Wahl am Sonntag mehr als 20 Prozent der Stimmen erhalten und damit ihr Ergebnis der Nachwahl 2023 von 12,2 Prozent fast verdoppeln. Es sind Veranstaltungen wie diese, auf denen offenkundig wird, woran das liegt: Die Strategie, Menschen zusammenzubringen und ihnen Hoffnung auf eine andere Politik zu machen, geht auf. Nicht nur kommen dieses Mal deutlich mehr Menschen zu ihren Veranstaltungen, die Linke hat auch deutlich mehr Helfer mobilisiert, die diese Veranstaltungen zu kleinen Festen machen. Die Erzählung der Linken dort geht so: Wir alle sind der grausamen Politik der Bundesregierung ausgesetzt und leiden unter ihr. Doch es gibt einen Lichtblick, wir haben hier die Chance, alles besser zu machen. Das Leben wird wieder bezahlbar, ihr bekommt wieder Wohnungen, wir geben euch eine Stimme. Der neueste Wahlspot der Linken inszeniert diese Botschaft nahezu perfekt: "Das ist eine Liebesgeschichte", hört man Eralp sagen. Es geht um Berlin. Wie es früher gewesen sei – für alle offen, bezahlbar – und darum, was es heute sei: eine Stadt, die sich – dank der CDU – viele nicht mehr leisten könnten. "Am 20. September holen wir uns Berlin zurück", ruft Eralp in die Kamera. Es ist nicht nur die Botschaft, die stark an die Kampagne des New Yorker Bürgermeisters Mamdani erinnert. Es ist auch alles drumherum: Im Unterschied zu den meisten deutschen Wahlwerbespots ähnelt die Ästhetik einem Rap-Video, auch die Musik passt dazu. Der Stil ist urban, modern, volksnah, wie auch schon Mamdanis Wahlkampf in New York City. Stefan Liebich kennt den Politikbetrieb in beiden Städten. Im Berliner Abgeordnetenhaus war er Fraktionschef der PDS, später saß er für die Linkspartei im Bundestag. Seit 2023 leitet er das Büro der Rosa-Luxemburg-Stiftung in New York. "Die Linke in Deutschland und den USA haben sich gegenseitig inspiriert", sagt er. In New York habe man den letzten Bundestagswahlkampf der Linkspartei sehr genau verfolgt. Die Partei hatte damals das Thema Wohnen und Mieten in den Fokus gerückt. 2025 formulierte Mamdani dann in seinem Wahlkampf drei konkrete Ziele: kostenfreie Busse, flächendeckende Kinderbetreuung und einen Mietendeckel für rund eine Million Wohnungen. "Es passt zu beiden Städten, auf das Thema Bezahlbarkeit zu setzen", sagt Liebich, auch wenn es finanziell große Unterschiede gibt. Laut dem Wohnungsportal Zillow beträgt die durchschnittliche Miete in New York umgerechnet etwa 3.100 Euro. "Wenn ich Freunden aus New York erzähle, wie hoch die Mieten in Berlin sind, glauben sie, das sei das Paradies auf Erden." Liebich ist aus der Linken ausgetreten, sein Arbeitgeber aber steht der Partei nahe. Regelmäßig führt er in New York jetzt Politiker aus Deutschland und den USA zusammen: Heidi Reichinnek war bereits da, genauso wie Parteichefin Ines Schwerdtner und der Berliner Landeschef Max Schirmer. Allein im vergangenen halben Jahr hat Liebich rund ein Dutzend Politiker der Linken in New York begrüßt. In Deutschland war er bei einem Treffen von Bürgermeisterkandidatin Eralp mit der linken Demokratin Alexandria Ocasio-Cortez behilflich. Mamdani gehört wie Ocasio-Cortez zu einer Gruppe, die sich innerhalb der Demokratischen Partei gebildet hat, den Demokratischen Sozialisten von Amerika (DSA). Auch programmatisch findet man viele Überschneidungen zur Linken in Berlin: die Ablehnung von Abschiebungen, ein Aufenthaltsrecht für sich illegal Aufhaltende, Kritik an der Nato , der Mietendeckel. Mamdani hat zwar in seinem Wahlkampf keine großflächigen Enteignungen versprochen, wie die Linke in Berlin es tut. Doch findet sich auch für diese radikale Idee viel Sympathie in der DSA. Mamdani und Eralps Partei eint auch die starke Unterstützung der Palästinenser im Nahostkonflikt . Der New Yorker Bürgermeister verurteilte die Terroranschläge der Hamas vom 7. Oktober 2023 als Kriegsverbrechen, unterstützt gleichzeitig aber schon seit Langem die Bewegung BDS, die zum Boykott Israels aufruft. Der Bundestag hatte sie 2019 mit großer Mehrheit als antisemitisch bezeichnet, der Verfassungsschutz stuft sie als extremistischen Verdachtsfall ein. Mamdani nennt Israel zudem einen Apartheidstaat und das Vorgehen des israelischen Militärs im Gazastreifen einen Genozid. Im engsten Umfeld des Bürgermeisters bewegen sich zudem Menschen, die noch radikalere Positionen vertreten. Da ist etwa die Politikerin Darializa Chevalier, die bei den kommenden Zwischenwahlen für das Repräsentantenhaus kandidiert. Einen Tag nach den Anschlägen der Hamas nahm Chevalier auf dem Times Square an einer Demonstration gegen Israel teil. Von Mamdani wird sie im Wahlkampf unterstützt. "Solche Positionen hätte man als Bürgermeister von New York früher nicht einnehmen können", sagt Liebich. Außerhalb Israels leben nirgendwo sonst mehr Juden als in New York. Doch auch innerhalb der Religionsgemeinschaft werde der Nahostkonflikt kontrovers diskutiert – und mit seinen Positionen sei Mamdani im linken Amerika nicht allein, sagt Liebich: "In den USA werden Sie kaum Menschen in der Linken treffen, die nicht das Wort 'Genozid' in Bezug auf das Handeln Israels im Gazastreifen verwenden." Fokus auf die "Schlaglochpolitik" Positionen, wie sie in Berlin etwa der Neuköllner Bezirksverband der Linken einnimmt, wären in der New Yorker linken Szene unstrittig. In der deutschen Hauptstadt hingegen rief es auch innerhalb der Partei heftige Reaktionen hervor, als auf einer Wahlveranstaltung des Bezirksverbands ein Rapper zur Intifada aufrief. Auch, dass die Bezirksverbände in Neukölln und Wedding, zwei von arabischen Migranten geprägten Stadtteilen, gegen "den Genozid" plakatieren, sieht man in anderen Verbänden kritisch. Auf den gut kuratierten Instagram-Accounts der Berliner Linken und von Elif Eralp sieht man davon aber nichts. Dort geht es um die Kernthemen, die in den Worten von Eralp lauten: Mietenkrise bekämpfen, Bus- und Bahnpreise angehen, Müllchaos beenden. Brot- und Butterthemen also. Bei Mamdani hieß das "pothole politics": Schlaglochpolitik. Er griff auf, dass sich viele New Yorker über Schlaglöcher beschwerten und setzte genau dort an: Seit seinem Amtsantritt sind deutlich mehr Straßen ausgebessert worden als in den Jahren zuvor. Demokratische Sozialistin? "Selbstverständlich" Das Äquivalent zu den Schlaglöchern ist in Berlin die Vermüllung, die vor allem in den innerstädtischen Bereichen teilweise extreme Ausmaße annimmt. Eralp will sich darum direkt nach ihrem Amtsantritt kümmern, sollte sie Bürgermeisterin werden. So soll es wieder kostenlose Sperrmülltage geben, die BSR könnte auch extra Touren fahren. Hauptsache, das Müllchaos kommt schnell unter Kontrolle. Ein sichtbarer erster Erfolg würde den Berlinern zeigen, dass die Partei es ernst meint mit den Veränderungen. Ideologische Debatten stören dabei nur. Auf die Frage, ob Eralp sich wie Mamdani auch als "demokratische Sozialistin" bezeichne, antwortete sie im t-online-Interview mit "selbstverständlich" und fügte hinzu: "Auch wenn das jetzt nichts ist, worüber ich mit den Leuten an der Haustür spreche." Da gehe es nur um die Probleme der Bürger und wie diese zu lösen seien.



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