Henriette Held will als Co-Chefin der Grünen Jugend weitermachen – und erwartet von ihrer Partei mehr Kompromisslosigkeit. Sie drängt auf eine klare Kante bei Klima und sozialer Gerechtigkeit. Die Co-Chefin der Grünen Jugend fordert von ihrer Partei nach den Landtagswahlen mehr "Mut" und weniger "Kompromisse". "Wir dürfen nicht mehr zurückhaltend und zögerlich sein", sagte Held zu t-online mit Blick auf die Wahlerfolge der AfD bei jungen Wählerinnen und Wählern. Junge Menschen würde die AfD nicht wählen, "weil sie alle rechtsextrem sind, sondern weil es keine andere Kraft gibt, die ihren Frust und ihre Sorgen in dieser Härte adressiert". Held betonte: "Wenn wir das ernst nehmen, müssen alle anderen Parteien, auch die Grünen, viel stärker für eine grundlegende Veränderung einstehen und den Status quo infrage stellen." Held fügte hinzu, dass vor allem Vermögensungleichheit verursache, dass Menschen sich von extremen Narrativen eher abgeholt fühlten. Genau deshalb kämpfe die Grüne Jugend für ein Grunderbe, für eine Vermögenssteuer und für eine Reform der Erbschaftssteuer . "Diese extremen Unterschiede im Reichtum, der eben nicht erarbeitet ist: Damit muss endlich Schluss sein", forderte sie. Die 24-Jährige erwartet eine konsequentere Politik von ihrer Partei. Die Grünen hätten sich zuletzt insgesamt als Kompromisspartei präsentiert, die alle zusammenbringen wollten, sagte sie weiter. Das sei "schön und gut". Aber: "An vielen Stellen reicht das nicht mehr." Gerade beim Klima haben sei "keine Zeit für Kompromisse". Held will weiter Co-Chefin der Grünen Jugend bleiben Held ist neben Luis Bobga seit knapp einem Jahr an der Spitze der Jugendorganisation der Grünen. Am Mittwoch kündigte sie an, dass sie beim Bundeskongress im Oktober wie ihr Co-Chef Bobga noch einmal kandieren wolle. "Ich glaube, Luis und ich haben es geschafft, den Verband weiter zusammenzuführen", begründet sie ihre Entscheidung. Es habe "Herausforderungen" gegeben. "Jetzt stehen wir aber schon länger wieder geeint da und sind eine laute und linke Stimme im Diskurs." Der Grünen Jugend gehören rund 19.000 Mitglieder an, sie gilt als Kaderschmiede für das Führungspersonal von morgen. Spätere Parteichefs wie Ricarda Lang oder Felix Banaszak führten einst die Grüne Jugend an. Die Grüne Jugend hat bewegte Jahre hinter sich. Im September 2024 trat der gesamte Vorstand von allen Ämtern zurück und verließ anschließend die Partei aufgrund tiefgreifender inhaltlicher Differenzen. Es war die Zeit, in der die Grünen im Bund an der Ampelkoalition beteiligt waren. Danach übernahmen Jette Nietzard und Jakob Blasel als neue Doppelspitze. Doch zur Ruhe kam die Organisation dadurch nicht. Nietzard dominierte das neue Führungsduo und provozierte mit einem Anti-Polizei-Pulli und kontroversen Posts im Netz. Nietzard und Blasel, die sich auch untereinander nicht besonders gut verstanden, traten im vergangenen Herbst nicht zur Wiederwahl an. Held und Bobga wurden zur neuen Doppelspitze gewählt. Held: Ostperspektive bei den Grünen darf nicht wieder verloren gehen Held ist im Berliner Bezirk Pankow aufgewachsen. Für ein Studium der Rechtswissenschaft zog sie nach Greifswald in Mecklenburg-Vorpommern. Das Thema Osten liegt ihr besonders am Herzen. Sollte sie als Sprecherin, so heißen die Vorsitzenden bei der Grünen Jugend, wiedergewählt werden, will sie ihre Ostperspektive in der Partei und Jugendorganisation weiter einbringen. "Dieses Jahr lag der Fokus bereits deutlich auf dem Osten. Aber wir müssen konsequent dafür sorgen, dass diese Perspektive nicht wieder verloren geht. Das erwarte ich auch von der Parteispitze." Das Führungsduo, Franziska Brantner und Felix Banaszak, hatte im vergangenen Jahr mit Blick auf die Wahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern viel Energie in die Stärkung der Grünen im Osten gesteckt. Die Partei ist dort traditionell schwach, hat dort nach der Wiedervereinigung nie so recht Fuß gefasst. Dass die Grünen nun in beiden Bundesländern wieder in die Landtage eingezogen sind, ist für die Parteiführung ein großer Erfolg. Grüne nach den Wahlen: Daraus leitet der Parteichef eine Botschaft ab Held forderte Brantner und Banaszak dazu auf, zu zeigen, dass sie es auch weiterhin ernst meinten. Nur weil im Osten erst mal keine Landtagswahlen mehr seien, dürfe die Parteispitze die Region jetzt nicht wieder vergessen. Held stellt Forderungen an MV-Spitzenkandidatin Müller Auch mit Blick auf die neue Landesregierung in Mecklenburg-Vorpommern stellt Held Forderungen an die grüne Spitzenkandidatin Claudia Müller. Bevor sie Bundessprecherin wurde, war Held Vorsitzende des dortigen Landesverbands der Grünen Jugend. Im Wahlkampf war sie stark im Nordosten engagiert. Nach der Wahl am vergangenen Sonntag läuft in Schwerin alles auf eine rot-rot-grüne Koalition hinaus. Für die bisher regierende Koalition aus SPD und Linken reicht es nicht mehr. Einzige Oppositionspartei im Landtag ist die AfD. Held kritisiert den Wahlkampf von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig , die sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit der AfD lieferte. Dieser habe die SPD-Politikerin zwar stark gemacht, so Held. Gleichzeitig habe er aber die AfD nicht verkleinert. Die demokratischen Parteien würden sich lediglich gegenseitig die Wählerinnen und Wähler zuschieben. "Das ist eine Dynamik, die wir ja aktuell bei allen Wahlen beobachten können: Alle versuchen, ihren eigenen Arsch zu retten, aber niemand rettet die Demokratie." Held appelliert nun an die grüne Spitzenkandidatin Claudia Müller, Forderungen aus dem Wahlprogramm auch in der Regierung umzusetzen. Die Grüne Jugend habe viele Positionen in das Programm mit reinverhandelt. "Jetzt gehören sie auch in den Koalitionsvertrag", sagte Held. "Das erwarte ich von Claudia Müller." Als Beispiele nannte sie einen ÖPNV für alle unter 27 Jahre, Klimaneutralität bis 2035 und einen Azubi-Startbonus von 1.500 Euro vom Land, ohne Rückzahlung, wenn man in Mecklenburg-Vorpommern bleibt. "Das sind Maßnahmen, die das Leben junger Menschen aktiv verbessern und die müssen jetzt durchgesetzt werden", so Held.