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Jürgen Klopp nach den ersten DFB-Spielen: Willkommen in der Realität

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Jürgen Klopp hat in seinen ersten Länderspielen viele Informationen über seine Spieler gesammelt. Und auch die eine oder andere Erkenntnis über seinen Job gewonnen. Aus Thessaloniki berichtet Benjamin Zurmühl Jürgen Klopp hat gelernt, was es heißt, Bundestrainer zu sein. Sowohl im positiven als auch negativen Sinne. Positiv war die Zusammenarbeit mit der Mannschaft. Schon bei der Nominierung ging die Freude los. Insgesamt 44 Spieler wählte er aus. "Die Zusammenstellung des Kaders hat Spaß gemacht", erklärte der Bundestrainer vor den Länderspielen. Aber auch das Training und die Spiele erfreuten Klopp. Der 59-Jährige war am Sonntagabend nach dem 0:0 in Griechenland "überrascht", wie viel die Mannschaft nach dieser kurzen Zeit schon von seinem Plan umgesetzt hatte. Die 90 Minuten zuvor seien ein "unglaubliches Fußballspiel" gewesen. Noch mehr Freude hatte ihm der Heimsieg gegen Serbien wenige Tage zuvor bereitet. Weit über 60.000 Menschen feierten Klopp und seine Mannschaft nach dem 2:0-Erfolg in München. Für ihn war es ein "perfekter Abend". Die Ehrenrunde im Stadion genoss er in vollen Zügen . "Die Fahnen, die La-Ola-Welle, es war wundervoll. Schon vor dem Spiel reinzukommen und Schwarz-Rot-Gold zu sehen, da ist mir das Herz aufgegangen", schwärmte er im Anschluss. Klopp lernt Schattenseiten der Nationalmannschaft kennen Neben all dem Positiven lernte Klopp aber auch die Schattenseiten des Jobs kennen. Von großen Vereinen wie Borussia Dortmund oder dem FC Liverpool war er es gewohnt, ständig bewertet zu werden. Doch bei der Nationalmannschaft ist der Fokus noch schärfer. Den Grund dafür trug Klopp dieser Tage als Schriftzug auf dem Kopf: Er ist "Einer von 83 Millionen" Bundestrainern. Die Frage, ob die Nationalmannschaft mit oder ohne Joshua Kimmich im Mittelfeld besser dran ist, sie erreichte Klopp nach eben jenem Serbien-Spiel, das ihn so glücklich gemacht hatte. Gegen Serbien gewann Deutschland ohne Kimmich, gegen die Niederlande und Griechenland zuvor hatte Deutschland mit ihm keinen Sieg eingefahren. Schon entbrannte unter Fans und Medien eine Debatte, die Klopp versuchte, im Keim zu ersticken. Bundestrainer kann nicht jede DFB-Debatte kontrollieren Er betonte Kimmichs Qualitäten, lobte ihn und seine Teamkollegen. "Das Mittelfeld hat ein richtig gutes Spiel gemacht. Jetzt stellt euch vor, wir hätten in Deutschland genau drei Mittelfeldspieler. Wie kacke wäre das denn?", fragte er zwei Tage nach dem Spiel, um kurz danach ohne eine weitere Nachfrage anzufügen: "Ich gebe auf, offiziell. Zu dem Thema, ich gebe jetzt auf. (...) Macht, was ihr wollt. Ich bin total happy und freue mich, dass Jo Kimmich deutscher Nationalspieler ist." Klopp kann und wird nicht jede Debatte um sein Team kontrollieren können, dafür ist der Fußball zu emotional und die Nationalelf zu interessant für das Land. Diskussionen von Fans, Medien und Experten um Aufstellungen gehören dazu. Bei der vergangenen WM war er selbst einer der Experten, sprach als Experte bei MagentaTV gemeinsam mit Thomas Müller und Johannes B. Kerner über das Für und Wider von Deniz Undav in der deutschen Startelf. Eine Debatte, die den damaligen Bundestrainer Julian Nagelsmann wiederum ermüdete. Bei Hansi Flick war es unter anderem die Frage nach dem richtigen Stürmer und der richtigen Position für Joshua Kimmich. Joachim Löw bekam rund um die WM 2018 viel Gegenwind für seine Nicht-Nominierung von Leroy Sané . Die Frage ist also nicht, ob diskutiert wird, sondern worüber und wie der Bundestrainer darauf reagiert. Joachim Löws Stärke war es, sich gar nicht groß auf diese Debatten einzulassen. Er blieb ruhig und ging seinen Weg. Julian Nagelsmann wiederum reagierte emotionaler und wirkte dadurch auf manchen Beobachter stur und uneinsichtig. Jürgen Klopp: "Bei uns gibt es all-inclusive" Jürgen Klopp ist zwar auch ein emotionaler Typ, hat aber auch eine gelassene und lockere Seite. Die könnte ihm in solchen Fragen helfen – ebenso wie seine Kommunikation. Die zählt zu seinen großen Stärken. Zu sehen war das auch im Fall Jonas Urbig . Der Torhüter des FC Bayern bekam als einziger der insgesamt fünf nominierten Schlussmänner zwei Spiele. "Es ist so, dass alle Jungs, die wir dabeihaben, regelmäßig spielen", erklärte Klopp, "bei Jonas ist das anders. Deshalb haben wir geplant, dass er noch ein Spiel bekommt". Urbig ist beim FC Bayern die Nummer zwei hinter Manuel Neuer . Lächelnd fügte der Bundestrainer an: "Normalerweise kriegen Nationalspieler Spielpraxis in ihren Vereinen. Bei uns ist das anders. Bei uns gibt es all-inclusive." Klopp scherzt mit Dolmetscherin : "Habe keine Ahnung, was Sie gesagt haben" Thomas Müller : "Jürgen, ich hoffe, ich bin auf deiner Liste" Bei dieser Aussage könnte sich so mancher Fußballfan an den März dieses Jahres zurückerinnern. Damals musste sich Julian Nagelsmann zwischen einem formstarken Deniz Undav und einem Nick Woltemade , der bei Newcastle United wenig zum Einsatz gekommen war, entscheiden. Seine Antwort: "Jetzt habe ich eben die Wahl: einem Topstürmer, der gut drauf ist, noch weiter Selbstvertrauen zu geben, oder einen Topstürmer, der gerade nicht ganz so gut drauf ist, fallen zu lassen." Er entschied sich für Woltemade, Undav wurde lediglich Joker. "Deniz hat eh einen Run – ob er heute spielt oder nicht, wird an seinem Selbstvertrauen für diese Woche nichts ändern." Der Unterschied zwischen Klopp und Nagelsmann beim DFB Genauso wie Klopp bei Urbig sah auch Nagelsmann in Länderspielen die Chance, einem Spieler Rhythmus zu geben. Während Nagelsmann die Debatte kommunikativ nicht beruhigt bekam, kam sie bei Klopp gar nicht erst auf. Zum einen, weil den DFB-Testspielen wenige Monate vor der WM ein weitaus höherer Wert beigemessen wurde als den aktuellen Nations-League-Spielen, aber auch, weil Jürgen Klopp im Vorhinein und im Rahmen der Spiele gelassener und klarer kommuniziert hatte. Genau das muss der Bundestrainer beibehalten, will er in Zukunft im Rahmen seiner Möglichkeiten ruhig arbeiten. Denn Debatten wird es immer geben, die Frage ist nur, wie Klopp mit ihnen umgeht. Und genauso wie er in diesen zwei Wochen viel über seine Spieler gelernt und "Informationen gesammelt" hat, gilt das womöglich auch für ihn selbst.



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