Tennis: Zverev verliert in Wien: "Hältst du es für normal?"
Eiin Außenseiter stoppt Alexander Zverev auf dem Weg zum Titel in Wien. Ausgerechnet in seinem ersten Spiel als neue Nummer eins der Welt. Alexander Zverev hat im ersten Spiel nach dem erstmaligen Erreichen von Weltranglistenplatz eins den Kürzeren gezogen. Der Hamburger verlor das Halbfinale beim ATP-Turnier in Wien überraschend gegen Alex de Minaur aus Australien. In einem über weite Strecken engen Match musste sich der 30-Jährige mit 4:6, 6:1, 6:7 (4:7) geschlagen geben. Damit verpasste Zverev auch das mögliche Traumfinale gegen Carlos Alcaraz am Sonntag. Der Spanier hatte sich zuvor in zwei Sätzen gegen Dmitrii Medwedew mit 6:4, 7:6 (7:2) durchgesetzt. Der Deutsche ließ an diesesm Tag hingegen die Präzision in seinem Spiel vermissen, er agierte teilweise zu ungenau, leistete sich insgesamt 31 unerzwungene Fehler und wirkte müde. Außenseiter DeMinaur ergriff hingegen die Chance auf das Endspiel und spielte aggressiv, immer wieder zwang der Mann aus Sydney Zverev in die Defensive und raubte dem Deutschen schließlich im Tiebreak, in dem er schnell mit 3:0 in Führung lag, den Nerv. Bezeichnend: Mit einem einfachen Fehler – einer ins Aus geschlagenen Vorhand – besiegelte Zverev nach 2:33 Stunden die Niederlage. "Ich bin total stolz, wie ich die Situation heute gehandhabt habe", sagte de Minaur, "ich bin immer ruhig geblieben, auch wenn ich Doppelfehler gemacht habe." Zverev blieb indes nicht ruhig, beschwerte sich mehrmals über die nachlassende Qualität der Bälle. "Hältst du es für normal, in einem Turnier mit solchen Bällen zu spielen?", sagte er zu Schiedsrichter Arnaud Gabas und hielt ihm dabei eine Filzkugel vor die Nase. Erhoffte Revanche fällt für Zverev aus Einmal warf Zverev eine der Filzkugeln in die Box von Turnierdirektor Herwig Straka. Der Weltranglistenerste hätte sich wohl schnellere Bälle gewünscht. Er haderte mit den Spielgeräten – ausschlaggebend für das verpasste Finale in Wien waren sie aber wohl nicht. Dafür fehlte Zverev an diesem Abend der nötige Biss. Zverev hatte vor allem zu Beginn des Matches ungewohnte Probleme mit seinem Aufschlag, was de Minaur im ersten Satz acht Breakchancen einbrachte. Der Australier nutzte eine davon zum 3:2 und sicherte sich nach 50 Minuten den Satzvorsprung. Dies wirkte auf den Deutschen wie ein Wecker: Im zweiten Satz spielte Zverev auf einmal ohne Schwäche, gewann fünf Spiele in Serie. Er profitierte dabei aber auch vom fehlerhaften Service de Minaurs. Schiedsrichter nimmt Strafe nach Zverev-Protest zurück Kurios: Beim Stand von 5:6 im Entscheidungssatz lieferte sich Zverev erneut ein Wortgefecht mit dem Stuhlschiedsrichter – nachdem dieser ihn zuvor wegen Zeitspiels verwarnt hatte. Nach Meinung von Arnaud Gabas hatte Zverev den Ball vor dem Service zu lange auf den Boden tippen lassen. Bemerkenswerterweise beschloss Gabas dann aber, die Strafe nach Zverevs Protest zurückzunehmen. Der ganze Aufruhr brachte de Minaur nicht aus der Fassung. Der immens fitte Weltranglistenzehnte war voll da und machte seinen fünften Sieg gegen Zverev perfekt. Hinterher zog er ein bemerkenswertes Fazit: "Alles in allem habe ich im entscheidenden Tiebreak sehr aggressiv gespielt. Ich habe das Spiel nach meinen Vorstellungen gestaltet. Ich wollte bis zum Schluss alles geben und das richtige Tennis spielen, und genau das hat heute den Ausschlag gegeben." Zverev vermochte in den entscheidenden Momenten hingegen nicht, das Spiel zu gestalten. Damit fällt für Zverev die erhoffte Revanche gegen Alcaraz aus. Vor gut zehn Monaten hatte er in einem dramatischen Halbfinale bei den Australian Open gegen den Spanier verloren. In einem Fünf-Satz-Krimi hatte sich Alcaraz im Januar in Melbourne gegen Zverev durchgesetzt und dessen Traum vom ersten Grand-Slam-Titel zerstört. Das 13. direkte Duell (Bilanz: 7:6 für Alcaraz) war das bislang letzte der beiden Topspieler, da sich der 23-Jährige wenige Wochen später verletzte und lange ausfiel.