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Weleda-Chefin Tina Müller: "Das ist ein grundlegendes Missverständnis"

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Von Douglas zu Weleda: Tina Müller hat dem kriselnden Traditionsunternehmen neues Leben eingehaucht. Ein Gespräch über wertegeleitetes Wirtschaften, Teilzeit als Erfolgsmodell und ein grundlegendes Missverständnis. Als Tina Müller vor zweieinhalb Jahren von Douglas zu Weleda wechselte , galt das vielen als ungewöhnlicher Schritt: von Parfümerie-Konzern und Hochglanz-Marketing hin zu einem Schweizer Unternehmen, das sich der Naturkosmetik und anthroposophischen Medizin verschrieben hat. Doch der Wechsel kam nicht zufällig. Weleda schrieb damals Verluste und brauchte dringend eine Kurskorrektur. Müller sollte liefern: Wachstum, Profitabilität, neue Produkte – und gleichzeitig die Werte bewahren, die die Marke seit Jahrzehnten prägen. Maurice Höfgen zur Rente : "Das Problem sind die Babyboomer" Hohe Strompreise : Eon-Manager Endress kündigt Entlastungen an Im Interview mit t-online spricht Müller darüber, wie sie diesen Spagat geschafft hat, wie viel Wissenschaft wirklich in anthroposophischen Arzneimitteln steckt und warum es für sie nicht darauf ankommt, wie viele Stunden ihre Beschäftigten arbeiten. t-online: Frau Müller, haben Donald Trumps Zölle Ihr Geschäft beeinflusst? Tina Müller: Ja, auch wenn es sicher viele Unternehmen gibt, die davon deutlich stärker betroffen waren. Der Anteil unseres US-Geschäfts am Gesamtumsatz ist mit 6 Prozent noch klein. Aber klar, auch Weleda wurde durch die zwischenzeitlich hohen Zölle getroffen, die von den USA auf Exporte aus der Schweiz erhoben wurden . Das hat Spuren in unserer Profitabilität hinterlassen. Wir sind froh, dass die US-Einfuhrzölle für die Schweiz auf 15 Prozent gesenkt wurden . Aber auf dieses Hin und Her in der Handelspolitik hätten wir gerne verzichtet. Vor dem Handelskonflikt hatten Sie angekündigt, einen eigenen Standort in den USA aufbauen zu wollen. Wie steht es mit diesen Plänen? Wir haben dies bereits lange vor dem Zollkonflikt geprüft und uns gegen eine eigene Produktionsstätte in den USA entschieden. Stattdessen arbeiten wir vor Ort mit einem Lohnhersteller zusammen. Dieser stellt Produkte für den US-Markt nach unseren Rezepturen her. Aber der überwiegende Teil unserer Produkte für den US-Markt wird aus Europa versandt, vor allem aus Deutschland. Warum verfolgen Sie keine Pläne mehr für einen US-Produktionsstandort? Unsere Wertschöpfung ist in Europa angesiedelt, dort liegen unsere Kompetenzen und unsere Qualität. Wirtschaftlich ist es für uns sinnvoller, unsere Produkte hier herzustellen und in die USA zu exportieren und nur in klar definierten Fällen einzelne Produkte vor Ort abfüllen zu lassen. Die Rezepturen und die Kontrolle über die Qualität bleiben bei Weleda. Weleda hatte 2024 mit einem Umsatz von rund 450 Millionen Euro ein Rekordjahr. Konnten Sie das 2025 steigern? Das Jahr ist gerade abgeschlossen, wir werden unsere Zahlen im Frühjahr veröffentlichen. So viel kann ich aber schon sagen: Wir haben unseren Wachstumskurs auch 2025 fortgesetzt. In unserer Kernregion Deutschland, Österreich und der Schweiz sind wir in der Naturkosmetik zweistellig gewachsen und damit deutlich stärker als der Markt. Sie haben Weleda nach Ihrem Eintritt in den Konzern neu aufgestellt. Was hat sich dadurch verändert? Weleda hat im Jahr 2022 Verluste geschrieben. Das war ein echter Weckruf. Mit meinem Antritt haben wir uns ein Ziel gesetzt: Wir wollen wieder nachhaltig und profitabel wachsen. Das haben wir auch geschafft: 2023 gelang die Trendwende und 2024 haben wir einen Rekordumsatz erzielt und das Ergebnis deutlich verbessert. Wir haben Weleda aus dem Dornröschenschlaf geweckt. Wie ist das gelungen? Mit vielen neuen Produkten. Darauf entfielen in Deutschland 2025 rund ein Drittel unseres Kosmetikumsatzes. Denn gerade der Kosmetikmarkt wird stark durch Innovationen getrieben. Konsumentinnen und Konsumenten setzen darauf, dass neue Produkte ihnen noch schönere Haut, besseren Glanz oder voluminösere Haare bescheren können. Die Hoffnung treibt den Markt. Was passiert dann mit den alten Produkten? Das regelt meistens der Handel. Produkte, die weniger nachgefragt sind, werden aussortiert. Am besten ist es natürlich, wenn ältere Produkte auch neben Neueinführungen bestehen können. Im vergangenen Jahr haben wir die Booster Drops speziell für junge Zielgruppen auf den Markt gebracht. Es war die erfolgreichste Neueinführung im Segment Gesichtspflege. Dafür hat uns der Handel mehr Regalplätze eingeräumt. Das heißt, wir mussten nichts aus unserem Sortiment herausnehmen, sondern konnten uns verbreitern. Auf der Webseite heißt es, Wirtschaftlichkeit sei nicht das Ziel an sich, sondern nur ein Mittel, um die "Entfaltung von Gesundheit und Schönheit im Einklang mit Mensch und Natur" zu erreichen. Ist das nur Marketing oder wofür stellen Sie tatsächlich Profite zurück? Wir wollen wachsen und streben Gewinne an, aber nicht um jeden Preis. Wir stellen Wirtschaftlichkeit zurück, wenn sie auf Kosten der Natur oder des Menschen gehen würde. Was heißt das konkret? Wir bauen unsere Heilpflanzen biodynamisch an. Das ist die höchste Bio-Stufe und entsprechend aufwendig. Dadurch sind unsere Produkte in der Herstellung deutlich teurer als herkömmliche Kosmetikprodukte. Aus über 25 Jahren in der Kosmetikindustrie weiß ich, wie Rezepturen heruntergeschraubt werden können. Am Ende besteht ein Duschgel praktisch nur noch aus Wasser. So etwas würde Weleda nie machen. Dafür akzeptieren unsere Eigentümer eine geringere Marge. Weleda hat eine besondere Eigentümerstruktur. Die Anthroposophische Gesellschaft sowie die Klinik Arlesheim halten die Mehrheit der Stimmrechte. Wie wird Weleda dadurch beeinflusst? Sowohl die Klinik Arlesheim als auch die Anthroposophische Gesellschaft entsenden Vertreter in den Verwaltungsrat. Gleichzeitig sitzen dort aber auch unabhängige Experten. Der Verwaltungsrat stellt sicher, dass die anthroposophischen Werte des Unternehmens gewahrt bleiben. Unternehmerische Entscheidungen treffen wir als Management. Neben Kosmetik verkaufen sie auch anthroposophische Arzneimittel. Deren Wirksamkeit ist umstritten. Mir ist dieser Vorwurf bewusst. Er speist sich stark aus der Debatte um Homöopathie – gerade aus der gesundheitspolitischen Diskussion der vergangenen Jahre. Dabei wird oft alles, was nicht klassische Schulmedizin ist, als nicht wissenschaftlich evident abgetan. Das stört mich. Denn die Wirksamkeit von anthroposophischen Arzneimitteln ist gut dokumentiert und auch in wissenschaftlichen Studien belegt. Aber wir gehen jetzt noch einen Schritt weiter. Was meinen Sie? Wir investieren stärker als bisher in klinische und präklinische Forschungsprojekte. Wir führen beispielsweise gerade eine randomisierte, doppelblind- und placebokontrollierte Studie zur Wirksamkeit unseres Herzmedikaments Cardiodoron durch. Eine weitere Studie dieser Art starten wir für unser Magen-Darm-Präparat Amara. Es ist wissenschaftlicher Konsens, dass Homöopathie nicht über den Placeboeffekt hinaus wirksam ist. Sie wollen versuchen, das Gegenteil zu beweisen? Hier liegt ein grundlegendes Missverständnis vor. Anthroposophische Medizin ist nicht gleich Homöopathie. Die Anthroposophische Medizin verfolgt einen regulativ-medizinischen Ansatz, der auf der Schulmedizin aufbaut. Die Präparate, zu denen wir aktuell Studien durchführen, sind anthroposophische Arzneimittel. Wie gesagt: Sie werden mit anerkannten wissenschaftlichen Methoden untersucht, darunter doppelblind-, placebekontrollierte Studien. Warum machen Sie diese Untersuchungen erst jetzt? Wir haben auch in der Vergangenheit Studien zu anthroposophischen Arzneimitteln durchgeführt, allerdings nicht in diesem Umfang. Klinische Studien sind aufwendig und kostenintensiv. Die Präparate, um die es hier geht, haben in präklinischen Untersuchungen überzeugende Ergebnisse gezeigt. Darauf bauen wir jetzt auf. Erste Ergebnisse erwarten wir voraussichtlich 2027. Sie werben mit Begriffen wie "Natural Science" und "Swiss Natural Science". Ist das Wissenschaft – oder Marketing? Wir verwenden diese Begriffe nur im Kontext unserer Naturkosmetik. Für Arzneimittel wären solche Begriffe rechtlich gar nicht zulässig. In der Kosmetik bedeutet das, wir erforschen und entwickeln die Wirksamkeit natürlicher Rohstoffe mit wissenschaftlichen Methoden weiter. Unsere Produkte werden in unseren Schweizer Laboratorien kreiert. "Swiss Natural Science" verweist demnach auf unseren Entwicklungsstandort und steht für Qualität. Sie haben davor bei konventionellen Großunternehmen gearbeitet. Konnten Sie mit Anthroposophie und Waldorfschule schon vor Weleda etwas anfangen? Nein. Ich kannte Rudolf Steiner vorher gar nicht. Ich musste mich erst damit beschäftigen. Der Grundgedanke, dass Körper, Seele und Geist eine Einheit bilden, ist aber nachvollziehbar und entspricht mir sehr. Es geht eben nicht nur um den Körper, sondern auch um seelische und mentale Kraft. Was war Ihr größter Kulturschock nach dem Wechsel von Douglas zu Weleda? Bevor ich anfing, schrieb jemand: Da kommt jetzt ein Porsche-Motor in eine Ente. Wir mussten uns anfangs schon aufeinander einstellen, aber sind dann erfolgreich zusammengewachsen. Ich habe mich für die Werte geöffnet – und das Unternehmen hat sich auf die Transformation eingelassen. Das ganze Team zieht bei unserem Weg voll mit, und wir gehen ein hohes Tempo. In Deutschland wird aktuell darüber diskutiert, ob und wie Menschen mehr arbeiten können . Sie haben Standorte in der Schweiz sowie in der Bundesrepublik. Ist Ihr Schweizer Team fleißiger? Mein Team auf beiden Seiten der Grenze hat in den letzten zwei Jahren die Ärmel hochgekrempelt. Alle haben Vollgas gegeben. Das ist sicher auch Ausdruck unserer Transformation. Dabei sind wir bis in die Spitze ein relativ weibliches Unternehmen mit vielen Teilzeitkräften. Halten Sie die von der Union angestoßene Debatte über eine Verlängerung der Arbeitszeit für sinnvoll? Eines ist klar: Deutschland steht vor enormen wirtschaftlichen Herausforderungen. Aber es greift viel zu kurz, Leistung über längere Arbeitszeiten steigern zu wollen. Es zählt nicht, wie viele Stunden jemand arbeitet, sondern was am Ende dabei herauskommt. Weltweit arbeitet ein Drittel der Weleda-Beschäftigten in Teilzeit – viele davon sind Frauen und Mütter. Gerade solche flexiblen Modelle haben uns stark gemacht. Arbeit muss zu den Lebensentwürfen der Menschen passen, damit die Leistung stimmt. Es ist die Aufgabe der Politik, dafür gute Rahmenbedingungen zu schaffen. Dann haben es Unternehmen leichter und bei den Mitarbeitenden wachsen Motivation und Identifikation.



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