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Altersvorsorge: Riester-Rente gilt als gescheitert – was sich nun ändert

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Die Milliardenvernichtung namens Riester-Rente ist in Deutschland mittlerweile in der breiten Öffentlichkeit angekommen. Dass das neu geschaffene Altersvorsorgedepot vielen ein Dorn im Auge ist, muss erst noch erzählt werden. Das Branchenmagazin "finanz-szene.de" wertet jedes Jahr aus, wie hoch die Anzahl der Vorstände bei Sparkassen und Volksbanken ist, die jedes Jahr eine Vergütung, sprich: eine Auszahlung von mehr als einer Million Euro erhalten. Die Anzahl ist zu hoch, um alle Namen hier aufzuzählen, und im Konkreten ist es auch gar nicht nötig. "finanz-szene.de" hat recherchiert, dass allein 2023 bei jährlichen Auswertungen der 100 größten Kommunalinstitute 86 Beschäftigte mit einer siebenstelligen Gesamtvergütung nach Hause gingen, davon allein drei bei der Stadtsparkasse Düsseldorf . Hohe Gehälter und Riester-Vertrieb Wenn ich im Bekanntenkreis erzähle, dass das Spitzengehalt eines Vorstands bei einer Sparkasse oder Volksbank nicht nur bei 200.000 oder 300.000 Euro im Jahr liegt, sondern gut und gerne siebenstellig sein kann, ernte ich fragende und ungläubige Blicke. Dabei gilt jedoch auch: Solche Vergütungen betreffen in der Regel vor allem große Institute mit entsprechender Struktur und mit einem gut laufenden Geschäftsmodell. Die hohen Gehälter lassen sich nicht hinreichend, aber doch unter anderem mit dem Verkaufserfolg der Riester-Rente erklären. Gleichzeitig muss man hinzufügen, dass sich Vorstandsgehälter auch an klassischen Kennzahlen wie Bilanzsumme, Verantwortung und Größe des Instituts orientieren und nicht ausschließlich an einzelnen Produkten festgemacht werden können. Doch was Sparkassen offenbar entgegenkommt, ist ein gewisses Maß an Intransparenz. Komplexe Produkte lassen sich gerade für weniger erfahrene Anleger oft leichter als renditeoptimierte Lösungen darstellen und entsprechend gut vermarkten. Verträge bis zum bitteren Ende Dazu gehören offene Immobilienfonds, bei denen zum einen das exakte Vergleichsprodukt natürlich fehlt und zum anderen Kosten und Intransparenz häufig einhergehen. Dass diese Papiere, wenn es mal kritisch wird, gerne auch mal in der reinen Auszahlung schwierig werden, steht auf einem anderen Blatt. Geldanlage unter Druck: 13 Milliarden Euro flossen ab – was Anleger jetzt tun können "finanz-szene.de" hat Hans-Joachim Reinke von Union Investment daher jüngst "den Mann, der die Zeit anhielt", genannt. Das ist noch vergleichsweise nett formuliert, denn die Sparkassen im Speziellen und auch Anbieter wie die Union hielten nicht nur zehn bis 15 Jahre die Zeit an, sondern verdienten zehn bis 15 Jahre unglaublich gutes Geld. Bei den Sparkassen ist es mitunter noch wilder. Die Sparkasse Sachsen wirbt ebenso wie jene in Hannover und viele andere noch immer mit längst widerlegten Vorteilen der Riester-Rente. Man will eben Verträge abschließen – bis zum bitteren Ende. Intransparente Produkte und ihre Folgen Ein Baustein war die Riester-Rente, die nach allen Auswertungen im besten Fall den Einzahlenden nominal ihr Kapital zurückgibt und im schlechtesten Fall inflationsbereinigt eine vielfache Geldvernichtung verursacht. Die Riester-Rente war nichts anderes als ein Produkt, das die Fondsbranche glücklich machte und Vertriebler ebenso. Als effizientes und sinnvolles Produkt der Altersvorsorge vor allem für Menschen, die diese explizit gebraucht hätten, nämlich Einkommensschwache, war Riester entweder nicht gedacht oder bewusst und wissend schlecht aufgesetzt. Riester war eine Geldverteilmaschine von Staat und Bürgern zur Fondsbranche und zum Vertrieb. Dass jenen, die an Riester bestens verdient haben, nun das neue Altersvorsorgedepot ein Dorn im Auge ist, kann man daher an zwei Händen abzählen. Union-Chef Reinke bemängelte im Interview bei e-fundresearch, dass "der Plan vollkommen unverständlich ist, dass der Staat ausgerechnet in der Säule der privaten Altersvorsorge ein Standardprodukt anbietet". Standardprodukte und noch dazu online würden den Berater aus dem Spiel nehmen und genau da hat Union bestens verdient. Dieser Verdienst ist das gute Recht von Union Investment. Dass mit der Materie vertraute Experten dies kritisieren, ist ebenso korrekt. Kosten, ETFs und Wettbewerb Schauen wir abschließend auf die Kosten für das neue Altersvorsorgedepot. Sie sollen bei immerhin noch maximal einem Prozent liegen dürfen. Ein zuvor geplanter höherer Kostendeckel stieß bei den Experten von "Finanztip" auf heftige Kritik – und das zu Recht. Betrachtet man die Kosten für einen ETF-Sparplan bei einem der sogenannten Neobroker, dann ist die Rechnung nicht kompliziert. Ein Sparplan auf ein gängiges ETF-Produkt verursacht beim Smartbroker beispielsweise keine Handelskosten. Die jährlichen Gebühren für den MSCI World, den S&P 500 , den Dax oder andere große Indizes liegen in der Regel zwischen 0,15 und 0,3 Prozent. Die letztgenannte Summe ist allerdings schon als teuer zu bezeichnen. Dies hat auch einen simplen Grund, denn den MSCI World, den Dax oder den S&P 500 kann man sich als einen riesengroßen Haufen von Aktien vorstellen. In diesen riesengroßen Haufen investieren Anleger ihr Geld. Die Effekte für den Anbieter sind jedoch umso besser und das Produkt kann umso günstiger sein, je mehr Leute in das gleiche Produkt investieren. Dies ist übrigens in der aktiven Fondsbranche theoretisch nicht anders. Wer einen Fonds mit 100 Millionen managt, wird sich schwertun, große und üppige Erträge zu erwirtschaften und ein großes Team zu beschäftigen. Wer in einem aktiven Fonds zehn oder 15 Milliarden Euro drin hat, kann ihn gegebenenfalls günstiger in den Verwaltungskosten anbieten und ein besseres Team damit bezahlen. Insofern ist das Altersvorsorgedepot in erster Linie eine hervorragende Nachricht hinsichtlich der Transparenz. Das Schlechteste, was am Markt vorhanden war – die Riester-Rente – wird nämlich abgeschafft. Ein kleiner Trost noch zuletzt für diejenigen, die in ihren Riester-Verträgen hängen: Fehler macht jeder. Der zweite Fehler wäre jedoch, sein Riester-Produkt jetzt überhastet zu kündigen. Stellen Sie es beitragsfrei, lassen Sie es erst einmal stehen und überlegen Sie in aller Ruhe, was Sie damit machen wollen.



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