Eigentlich hatte RTL eingesehen, dass die Ära Bohlen vorbei ist. Nun setzt der Sender trotzdem wieder auf das alte Zirkuspferd. Doch das ist längst mutiert. Es ist schwerfällig und plump geworden. Seit Samstag ist bei RTL die Unterhaltungsshow "Deutschland sucht den Superstar" zurück. Sowohl "Das Supertalent" als auch "DSDS" waren Formate mit Dieter Bohlen als sogenanntem Chefjuror. Von beiden Shows und somit auch von Bohlen hatte sich der Sender in den vergangenen Jahren aber eigentlich verabschiedet. Die Quote stimmte nicht mehr. Außerdem wolle man familiärer werden, hieß es. Zwischenzeitlich hatte man sich aber schon Stefan Raab ins Haus geholt und wohl gedacht: Ist das Kind erst einmal in den Brunnen gefallen, helfen Schwimmflügel auch nichts mehr. Im Gegenteil: Bei RTL piekst man noch Löcher in die Schwimmhilfen und entscheidet sich nicht nur noch einmal für "DSDS", nicht nur noch einmal für Dieter Bohlen, sondern auch noch für Rapper Bushido . Wennschon, dennschon. Neue Staffel fällt bei Lesern durch: Kritik an DSDS: "Findet ihr das lustig? Ich nicht!" "RTL zieht ihm eine weiße Weste an": DSDS-Fans kritisieren Sender wegen Juror Bushido Und so macht Bohlen trotz kurzer Pause einfach da weiter, wo er 2024 aufgehört hat. Denunzierung als Unterhaltungsform hat in den vergangenen 20 Jahren für ihn gut funktioniert. Warum also nicht wieder Teenagern bildhaft erklären, wie untalentiert sie eigentlich sind? "Deine Stimme ist wie ein Kühlschrank", "Ich kann einem Blinden ja nicht das Sehen beibringen" oder: "Du singst wie ein Stier, dem man von hinten was in die Gedärme rammt", pfeffert er jungen Kandidaten nun erneut um die Ohren. Dabei klingt Bohlen selbst wie ein Bulle, den man zu lange an den Hörnern gezogen hat. Seine Sprüche sind weder einfallsreich noch lustig, sondern vielmehr schwerfällig und plump. Aber woher kommt eigentlich all diese Wut? Woher rühren diese Gemeinheiten? Ist Bohlen neidisch, weil er selbst, wie oben beschrieben, in Sachen Stimmlage eher grün unterwegs ist? Also grasgrün, versteht sich. Muh! Und wieso wird man nach über 20 Jahren nicht irgendwann mal beleidigungsmüde? Müdigkeit würde man Bohlen allerdings ohnehin nicht ansehen. In den beiden neuen DSDS-Folgen ist das Gesicht des 72-Jährigen nämlich derart weichgezeichnet, dass seine Nase kaum erkennbar ist. Ein starker Filter scheint über dem Kopf des TV-Stars zu liegen. Sein Mund verschwindet fast, wenn er ihn schließt, und zeitweise vermischt sich sein Kopf mit seinem Pullover. Ob da die gleichen Profis am Werk waren wie damals, 2021, als man Michael Wendler wegen seines KZ-Vergleichs aus den DSDS-Folgen geschnitten hatte ? Verschwörungstheorien verbreitet: Wie Michael Wendler zum Corona-Leugner wurde Dabei sind Filter eigentlich eine gute Sache. Sie sorgen für frischen Kaffee am Morgen, sie machen die Luft besser und können sogar Wasser genießbar machen. Bei Bohlen sind sie offenbar einfach nur falsch eingesetzt worden. Statt sich auf das Gesicht des Entertainers zu konzentrieren, hätte man besser daran getan, sich auf seinen Mund zu konzentrieren. Aus dem Muh hätte vielleicht ein Mäh werden können, und wir hätten es nicht weiter mit einem bulligen Bohlen, sondern mit einem lammfrommen Dieter zu tun. Das hätte auch viel besser zum Staffelstart während der Osterfeiertage gepasst.