Beim torreichen Duell zwischen Bayern und Real schlichen sich mehrere Fehler auf beiden Seiten ein. Im nächsten Spiel könnte genau das den Münchnern auf die Füße fallen. Hätte der FC Bayern nicht in den letzten Minuten gegen Real Madrid noch zwei Tore erzielt und den spanischen Rivalen erzürnt vom Rasen geschickt, würden heute wohl alle über die zwei Fehler von Manuel Neuer sprechen. Der Münchner Schlussmann verschuldete zwei Gegentreffer durch Arda Güler. So aber bleibt zunächst der Eindruck einer von totaler Offensive geprägten Partie zurück, die Bayern noch mit 4:3 gewinnen konnte. Doch Bayern kann bei aller Offensivstärke mit dieser Leistung im Viertelfinale der Champions League nicht gänzlich zufrieden sein. Cheftrainer Vincent Kompany genießt den Luxus, dass er in der heißen Phase der Saison fast aus dem Vollen schöpfen kann. Gegen Real fehlten lediglich Lennart Karl und Tom Bischof aufgrund von Muskelverletzungen. Alle anderen Leistungsträger waren an Bord. Folglich änderte Kompany auch nichts an seiner Aufstellung im Vergleich zum Hinspiel, während Reals Trainer Álvaro Arbeloa vereinzelt personell umstellte. Fehler auf beiden Seiten Die Spieldynamik war ähnlich wie eine Woche zuvor im Bernabéu-Stadion in Madrid. Erst recht nach dem frühen Führungstor durch Reals Arda Güler und selbst nach dem Ausgleich von Aleksandar Pavlović, bei dem Manuel Neuers Pendant Andriy Lunin schlecht aussah. Bayern kontrollierte den Ball, drückte den Gegner mit langen Passstafetten nach hinten und überspielte das Pressing der Madrilenen. Bayern-Spektakel gegen Real: Darüber wird man noch in Jahren reden "Der will auffallen": Lennart Karl verblüfft mit extravagantem Outfit Real formierte sich auf dem Papier in einem 4-4-2. In der Offensive bewegten sich etwa Jude Bellingham aus der Mitte und Güler von links etwas nach vorn. Gerade der Türke besetzte häufiger die Räume hinter dem Sturm-Duo Vinícius Júnior und Kylian Mbappé . Defensiv zeigte sich dann ein klares 4-4-2 mit einem recht eng gestaffelten Vierer-Mittelfeld. Bayern konnte zwar gut den Ball um Reals Formation zirkulieren lassen, aber gerade in der zweiten Spielhälfte, beim zwischenzeitlichen Stand von 2:3, kam Bayern nur noch selten in offene Schusspositionen. Im ersten Durchgang profitierte der deutsche Rekordmeister noch von Fehlern der madrilenischen Verteidigung – besonders bei Harry Kanes Treffer zum 2:2, als Trent Alexander-Arnold nicht nach innen schob, um den Raum zu schließen. Ein Aussetzer des englischen Rechtsverteidigers, der ihm in dieser Saison schon mehrfach unterlaufen ist. Im zweiten Durchgang war es bis in die Schlussphase hinein eher zäh, was die Torschüsse der Bayern betraf. Deshalb versuchte es Michael Olise mehrfach mit der Arjen-Robben-Bewegung, der Münchner zog also von der rechten Seite nach innen und schloss mit dem linken Fuß ab. Da er allerdings mehrere Verteidiger vor sich hatte, waren seine Schüsse zu hoch angesetzt. In der Nachspielzeit konnte Olise dann zeigen, dass er den perfekten Effet-Schuss mit links beherrscht, als er den Treffer zum 4:3 erzielte. In dieser Situation hatte er allerdings nur noch einen Verteidiger vor sich. Auch Bayern war über weite Teile der Partie instabil. Abgesehen von Neuers Fehlern war besonders die Konterabsicherung bedenklich. Real lauerte auf schnelle Umschaltmomente und zog dafür Mbappé teilweise bewusst etwas nach hinten, damit er den ersten weiten Pass spielen konnte. Vinícius Junior wanderte auf die linke Seite, um dort Tempo aufzunehmen. Es war bereits vor diesem Duell klar, dass nicht nur die beiden Innenverteidiger der Bayern hinten absichern sollten, sondern am besten ein weiterer Spieler in die Tiefe rückt, um die ersten Wege für Real im Konterangriff zu blocken. Stattdessen kam Madrids Offensive mehrfach ins Rollen. Einmal im Vollsprint mit Mbappé, Vinícius und Güler, mit dem Gesicht zum Tor, kann man fast nur noch beten, dass Real das Ganze nicht clever genug ausspielt. Paris hat ein stärkeres Mittelfeld als Madrid Noch darf gejubelt werden, doch im Halbfinale wird eine solche Defensivleistung wohl kaum genügen. Paris Saint-Germain, Bayerns Halbfinalgegner und der amtierende Champions-League-Sieger, hat ebenfalls eine starke Angriffsreihe mit Ousmane Dembélé , Désiré Doué und Khvicha Kvaratskhelia. Ähnlich wie Real bringen die Profis Tempo und Dynamik am Ball mit. Zugleich besitzt PSG eine Mittelfeldzentrale, die um einiges stärker ist als die von Madrid. Trainer Arbeloa baut ohnehin regelmäßig um und sucht noch immer nach einem klaren Spielgestalter. Paris hat hingegen Vitinha und João Neves, die gefährliche Pässe bei Umschaltangriffen mit feinster Präzision spielen können. Der französische Klub ist zwar keine Kontermannschaft, aber profitiert deutlich vom sogenannten "künstlichen Umschalten". Das heißt, sie kreieren Schnellangriffe, indem sie den Gegner herauslocken, das hohe Pressing brechen und dann fast wie beim Kontern rasant über das Spielfeld gelangen. Bayern kann zwar gutes Pressing spielen, aber neigt eben auch dazu, weit aufzurücken und dem Gegner Räume anzubieten. Kurzfazit: Gegen Madrid ging es noch gut, gegen PSG braucht es mehr Defensive.