Operation „Luftkissen“: Wer sind die Millionäre, die den Wal retten wollen?
Lange schien die Lage um den Wal in der Ostsee aussichtslos. Nun gibt es doch noch einen Rettungsversuch. Zwei Unternehmer wollen das Tier befreien. Aber wer genau? Und warum?
Wird es ein Happy End, oder bleibt es nur ein Funke Hoffnung, der erstickt? Eigentlich sollte der gestrandete Wal in der Ostsee friedlich und in Ruhe sterben. Fast alle Experten erklärten, es gebe keine Möglichkeit mehr, das Tier zu retten. Doch der öffentliche Druck von Aktivisten hat die Politik umdenken lassen. Eine neue Befreiungsaktion startet – diesmal aus privater Hand. Zwei Millionäre wollen die Operation „Luftkissen“ organisieren: Walter Gunz und Karin Walter-Mommert haben den ambitionierten Plan auf die Beine gestellt und wollen für alle Eventualitäten haften. Wer sind die beiden?
Wer sind Walter Gunz und Karin Walter-Mommert?
Von staatlicher Seite wurde der Wal bereits vor mehreren Tagen aufgegeben. Nach etlichen Versuchen, ihn freizubaggern und mit akustischen Signalen in tiefere Gewässer zu locken, erklärte zuletzt Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus, es gebe keine Hoffnung mehr, das Tier zu befreien. Am Sonntag sagte er sichtlich angefasst: „Wir haben nichts unversucht gelassen, um dem Tier zu helfen, und haben Untersuchungen um und am Wal durchgeführt.“ Demnach würde er einen Rettungsversuch wohl nicht überleben.
Das sehen Gunz und Walter-Mommert offensichtlich anders und haben ein neues Konzept entwickelt: Mit Luftkissen soll der Wal angehoben werden, damit er sich in dem flachen Wasser vor der Insel Poel freischwimmen kann. Danach soll er – wenn nötig – mit einem Spezial-Katamaran bis in die Ostsee oder sogar den Atlantik geschleppt werden.
So weit, so theoretisch. Ob der Versuch tatsächlich funktionieren kann, ist unklar. Gunz und Walter-Mommert sind alles andere als Walexperten.
Walter Gunz hat sich insbesondere als Mitgründer der Elektronikmarkt-Kette Mediamarkt einen Namen gemacht. Er wurde 1946 in München geboren, wuchs in Süddeutschland auf, studierte Philosophie. Laut dem Branchenmagazin „Faktor A“ machte Gunz in jungen Jahren bei Karstadt Karriere, bis er 1979 das Unternehmen Mediamarkt gemeinsam mit drei weiteren Unternehmern gründete. Er soll es auch gewesen sein, der den Slogan „Ich bin doch nicht blöd“ erfunden hat.
1999 und 2000 verkaufte Gunz seine Anteile am Unternehmen und arbeitete in den folgenden Jahren als Berater und in mehreren Unternehmen. Unter anderem war er Vorstandsvorsitzender der Bild.T-Online AG und Geschäftsführer der Axel Springer E-Commerce GmbH. Seit 2009 leitet er sein eigenes Beratungsunternehmen.
Gunz belegte immer wieder vordere Plätze im Ranking der reichsten Deutschen des „Manager Magazins“. Sein Vermögen wird auf 500 bis 600 Millionen Euro geschätzt.
Gunz' Mitstreiterin ist Karin Walter-Mommert. Ihre Karriere begann im Trabrennsport. Laut „Business Insider“ gewann sie 1999 die Europameisterschaft der Amateurfahrerinnen, 1998 und 1999 wurde sie deutsche Amateurmeisterin. Heute sei sie als Unternehmerin tätig und besitze eines der größten Rennpferde-Portfolios Europas.
Zudem betreibt sie gemeinsam mit ihrem Ehemann Ulrich Mommert die Trabrennbahn Berlin-Mariendorf. Er ist Teil einer Unternehmer-Dynastie aus Österreich. Laut „Business Insider“ wurde er durch den Verkauf des Scheinwerfer-Herstellers ZKW an den Elektronikriesen LG reich. Das Branchenmagazin „Forbes“ schätzt das Vermögen des Ehepaars auf 1,7 Milliarden Dollar.
Gunz und Walter-Mommert wollen Gesamtkosten für die Rettungsaktion des Wals tragen
Zu seinen Beweggründen, sich für die Rettung des Wals einzusetzen, erklärte Gunz gegenüber der Nachrichtenagentur DPA, er selbst sei von Bekannten gefragt worden, ob man für den Wal nicht etwas tun könne. „Dann bin ich plötzlich als der Retter der Nation erschienen, obwohl ich vom Typ her eigentlich überhaupt kein Held bin.“
Den Kampf für die Rettung sieht er pragmatisch: „Mehr als einmal sterben kann er ja nicht“, sagte Gunz der DPA. Ohne die Aktion werde der Wal in jedem Fall sterben. „Wenn man was versucht, dann hat man zumindest die Chance, dass man ihn rettet.“
Angesprochen auf die Kosten gibt er sich entspannt. „Die Leute denken immer zu viel an Geld. Man darf sich da nicht verkrampfen. Geld ist eine Energie, und man muss sorgfältig damit umgehen.“ Er erwarte, dass die Rettung „schon nicht hundert Millionen kosten“ werde.
