Mercedes und Volkswagen zählen noch zu den bekanntesten Automarken der Welt. Unter Börsen-Fans tut ihr Abstieg gerade richtig weh. Wer bessere Dividenden bietet. Die einstigen Dividendenmotoren der Republik laufen nicht mehr rund. Hohe Investitionen, schwächere Absatzmärkte, besonders in China , und zunehmender Wettbewerb drücken auf die Gewinne. Das zeigt sich direkt in den Ausschüttungen: Mercedes-Benz senkt sie von 4,30 auf 3,50 Euro, Volkswagen zahlt 5,26 Euro je Vorzugsaktie . Nur BMW hebt leicht auf 4,40 Euro an. Entsprechend sinkt der Anteil der Branche an den gesamten Dividenden – von rund einem Drittel vor zwei Jahren auf aktuell etwa 13 Prozent. Die absolute Höhe sagt aber nicht viel aus. Erst die Relation zum Aktienkurs liefert den entscheidenden Mehrwert. Dabei ist die Dividendenrendite keine statische Kennzahl, sondern lediglich eine Momentaufnahme. Sie verändert sich mit jeder Kursbewegung. Gerade nach der jüngsten Korrektur haben sich die Relationen noch einmal verbessert. Anfang Februar notierte die Mercedes-Aktie bei rund 60 Euro, was einer Rendite von 5,8 Prozent entsprach. Auf dem aktuellen Niveau von etwa 54 Euro steigt diese auf rund 6,4 Prozent. Das Beispiel zeigt: Auch bei Dividenden zählt der Einstiegszeitpunkt. Rücksetzer wie die laufende Korrektur können die Rendite spürbar verbessern. Versicherer und Banken übernehmen das Steuer Insgesamt betrachtet ist der Finanzsektor der am schnellsten wachsende Dividendenzahler. "Banken und Versicherer zahlen inzwischen zusammen gut 14 Milliarden Euro an ihre Aktionäre – mehr als jede andere Branche im Index. An der Spitze steht erneut die Allianz . Der Versicherungskonzern hebt seine Dividende von 15,40 Euro auf 17,10 Euro je Aktie an und überweist damit mehr als sechs Milliarden Euro an seine Aktionäre", so Lars Reichel vom Börsenplatz gettex. Auch die Rendite kann sich mit 4,5 Prozent sehen lassen. Munich Re mit 24 Euro Dividende sowie Hannover Rück , die ihre Ausschüttungsquote deutlich erhöht, zeigen, wie stabil das Geschäft der Rückversicherer derzeit läuft. Zwei Sonderfälle stechen dieses Jahr hervor. Die Commerzbank hat ihre Passivität abgelegt: Innerhalb von zwei Jahren hat die Bank ihre Dividende von 0,35 Euro auf 1,10 Euro mehr als verdreifacht. Zusammen mit dem neuen Aktienrückkaufprogramm für bis zu 540 Millionen Euro stellt dies die finanzielle Brandmauer gegen die italienische UniCredit dar. "Die Bank schüttet damit praktisch 100 Prozent des Gewinns an die Aktionäre aus", so Franz-Georg Wenner von IndexRadar. Das Management wettet darauf, dass die Aktionäre bei einer Rendite von über drei Prozent plus massiven Rückkäufen die Unsicherheit einer UniCredit-Integration scheuen werden. Rheinmetall immer noch beliebteste Aktie Ebenfalls bemerkenswert ist auf den ersten Blick die Dividendenentwicklung bei Rheinmetall . "Der Rüstungskonzern steigert aufgrund der anziehenden Verteidigungsausgaben in Europa seine Dividende um rund 42 Prozent auf 11,50 Euro je Aktie. Bezogen auf den Aktienkurs von rund 1.600 Euro reicht die Rendite von 0,7 Prozent aber nur für das untere Drittel bei den Dax-Werten", so die Auswertung des Lynx-Brokers. Trotzdem ist Rheinmetall auch 2026 die beliebteste Aktie bei Anlegern. Tobias Spreiter, Head von flatex, sah schon 2025 einen "starken Zufluss in Verteidigungswerte." Spreiter führt weiter aus, dass viele Privatanleger Rüstungsaktien zwar schon länger beobachtet, aber bewusst auf den richtigen Einstiegszeitpunkt gewartet hätten. "Eine klare Signalwirkung ging dann vom Beschluss des deutschen Infrastrukturpakets aus, was auch daran erkennbar war, dass sich die Nachfrage vor allem auf deutsche Titel konzentrierte." Die stillen Schwergewichte im Index Auffällig bleibt allerdings die Konzentration der Ausschüttungen. Die zehn größten Dividendenzahler im Dax stehen für etwa die Hälfte aller Zahlungen und erwirtschaften zugleich einen ähnlich großen Anteil der Gewinne. Für Anleger bedeutet das: Wer auf Dividenden setzt, landet fast automatisch bei einer überschaubaren Gruppe von Unternehmen. Nicht jeder Privatanleger möchte jedoch selbst auswählen, welche Titel dauerhaft stabile Ausschüttungen liefern. Eine interessante Alternative kann daher ein Blick auf spezialisierte Dividendenstrategien sein. Ein Beispiel ist der Dividenden-Stars-Index ( Wertpapierkennnummer : DA0ABY). In diesen Index schaffen es nur Unternehmen, die über Jahre hinweg besonders zuverlässig Dividenden zahlen. Voraussetzung sind unter anderem mindestens zehn Jahre ununterbrochene Ausschüttungen, eine stabile oder steigende Dividende in den vergangenen fünf Jahren sowie eine Ausschüttungsquote, die den Nettogewinn nicht übersteigt. So soll verhindert werden, dass Dividenden aus der Substanz finanziert werden. Aus diesem Kandidatenkreis werden schließlich 20 besonders solide Dividendenzahler nach vorgegebenen Regeln ausgewählt. Das Missverständnis rund um die Dividende Ein Punkt wird dennoch regelmäßig unterschätzt: Dividenden sind kein Geschenk. Am Ex-Dividenden-Tag reduziert sich der Kurs rechnerisch um den Ausschüttungsbetrag, gleichzeitig greift der Fiskus zu. Von fünf Euro brutto bleiben rund 3,68 Euro netto. In der Praxis werden solche Abschläge allerdings häufig relativ schnell wieder aufgeholt. Der eigentliche Vorteil liegt ohnehin woanders: Dividenden ermöglichen ein regelmäßiges Einkommen, ohne dass Anleger ihre Aktien verkaufen müssen. Oder anders formuliert: Kursgewinne lösen Jubel im Depot aus, Dividenden dagegen einen stetigen Geldfluss. Und auch wenn dieser weniger spektakulär wirkt: Auf lange Sicht ist er oft der verlässlichere Teil der Börsenrendite.