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Nabu-Präsident Krüger über Ex-VW-Chef: "Halte das für gefährliches Gerede"

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Ex-VW-Boss Matthias Müller teilt hart gegen NGOs aus und stellt ihre Finanzierung infrage. Nabu-Präsident Krüger erklärt das für "Unsinn" und spricht über die gestörte Beziehung der Deutschen zu Wildtieren. Der Fall des gestrandeten Buckelwals Timmy bewegt Deutschland. Doch Jörg-Andreas Krüger, Präsident des Naturschutzbundes (Nabu), warnt, dass der Naturschutz nicht auf Einzelfälle reduziert werden darf. Entscheidend sei der Schutz ganzer Lebensräume und Arten. Im Gespräch mit t-online kritisiert Krüger auch die pauschale Kritik an NGOs, wie sie zuletzt Ex-VW-Chef Matthias Müller äußerte . Er sieht darin gefährliches Misstrauen gegenüber der Zivilgesellschaft und betont, dass Organisationen wie der Nabu einen wichtigen Beitrag leisten – besonders in Bereichen, in denen der Staat aufgrund von Personalabbau nicht mehr alleine handeln kann. Nabu-Chef über Buckelwal : "Timmy hat sich in eine Falle begeben" Newsblog : Alle aktuellen Nachrichten zum Wal in der Ostsee t-online: Herr Krüger, haben die Deutschen über den gestrandeten Buckelwal Timmy auf einmal ihre Liebe zum Natur- und Tierschutz entdeckt? Jörg-Andreas Krüger: Die große Anteilnahme zeigt zunächst etwas Positives: Viele Menschen fühlen sich von Wildtieren berührt und wollen helfen. Gleichzeitig sehen wir aber auch, dass wir Tiere sehr unterschiedlich bewerten. Beim Wolf wird etwa aktuell wieder über stärkere Bejagung diskutiert, beim Fischotter gibt es ähnliche Forderungen. Das zeigt: Wir neigen dazu, Arten in "sympathisch" und "problematisch" einzuteilen. Für den Naturschutz ist aber entscheidend, dass wir alle Arten und ihre Rolle im Ökosystem betrachten. Also haben die Menschen zu wenig Mitgefühl mit anderen Wildtieren? Es ist weniger ein Mangel an Mitgefühl, sondern eher eine Frage der Perspektive. Viele Menschen haben heute kaum noch direkte Erfahrungen mit Wildtieren. Dadurch entsteht diese emotionale Fokussierung auf einzelne, besonders sichtbare Fälle, die sogar Namen erhalten. Dann reden wir lange über "Bruno den Bär" oder "Timmy den Wal". Diese Aufmerksamkeit ist verständlich – sie kann sogar ein guter Einstieg sein. Wichtig ist aber, dass wir sie nutzen, um auch über den Schutz von Lebensräumen und ganzen Populationen zu sprechen. Warum ist das problematisch? Einzelfälle wie dieser bewegen uns – und das ist menschlich. Für den Naturschutz müssen wir jedoch das große Ganze im Blick behalten. Der Buckelwal in der Ostsee ist ein Tier, das sich weit außerhalb seines natürlichen Lebensraums bewegt. Daraus lassen sich keine allgemeinen Strategien ableiten. Entscheidend ist, wie es der gesamten Population und ihrem Lebensraum geht. Bei Säugetieren sterben in der Natur oft die Hälfte aller Jungtiere vor der Geschlechtsreife. Das gehört zur Natur dazu. Menschengemachte Gefahren – etwa durch Verschmutzung oder Fischerei – müssen wir gezielt reduzieren. Sehen Sie durch die Aufmerksamkeit für Timmy mehr Spenden für den Nabu? Unser Spendenaufkommen ist derzeit stabil. Grundsätzlich freuen wir uns über jede Unterstützung für den Naturschutz. Wichtig ist uns aber, dass Engagement langfristig wirkt – also nicht nur einzelnen Tieren zugutekommt, sondern ganzen Lebensräumen und Arten. Eine mögliche Rettung des Wals scheitert nicht am Geld. Mehrere Millionäre und Unternehmer engagieren sich für das Tier. Weckt das Begehrlichkeiten beim Nabu? Ich finde es gut, wenn Menschen Verantwortung übernehmen und sich sichtbar engagieren. Daraus kann etwas Nachhaltiges entstehen – etwa, wenn wir gemeinsam daran arbeiten, die Lebensräume besser zu schützen. Kann daraus etwas Positives entstehen? Auf jeden Fall. Die Aufmerksamkeit rund um den Wal kann helfen, den Blick auf größere Zusammenhänge zu lenken. Eine Idee wäre, mit den Geldgebern weiter darüber zu sprechen, wie wir den Lebensraum Ostsee schützen können – etwa beim Kampf gegen Geisternetze. Wenn es gelingt, das aktuelle Interesse in langfristiges Engagement für solche Themen zu überführen, wäre das ein wichtiger Gewinn für den Naturschutz. Der Naturschutzbund setzt sich auch für Renaturierung ein. Seit dem russischen Angriffskrieg spielt das auch an der Nato-Ostgrenze eine Rolle. Wie passt das zusammen? Der Grundgedanke ist alt: Schwer passierbare Landschaften können auch eine militärische Funktion erfüllen. Moore sind ein gutes Beispiel. Wenn sie nass sind, sind sie für Fahrzeuge und Truppen kaum überwindbar. So haben die weiten Moorlandschaften rund um Kiew den Vormarsch der russischen Invasionstruppen verlangsamt und zur Verteidigung der Hauptstadt beigetragen. Also eine Art natürliche Verteidigungslinie? Ja, zusätzlich zu klassischen Maßnahmen wie Panzersperren und Zäunen. Moore verlangsamen Bewegungen erheblich – und das kann militärisch entscheidend sein. Gleichzeitig erfüllen sie wichtige Funktionen für Wasserhaushalt und Klimaschutz. Trockene Moore setzen große Mengen CO2 frei, auch deshalb ist ihre Wiedervernässung sinnvoll. Diese Synergien mitzudenken, halte ich für legitim. Ist das nicht aufwendiger als klassische militärische Befestigungen an Grenzen? In vielen Fällen nicht. An Polens Grenze zu Belarus etwa gibt es noch große Moor- und Auenlandschaften. Dort muss man nicht bei null anfangen wie in Norddeutschland, wo Moore oft seit Jahrzehnten entwässert sind. An der Nato-Ostflanke reicht es häufig, bestehende Flächen wieder zu vernässen oder gezielt zu erweitern. Die Nato wird sicher nicht der größte Renaturierer Europas, aber sie denkt derartige Möglichkeiten mit. Welche Rolle spielt der Nabu dabei? Wir bringen unsere Expertise ein, etwa in Zusammenarbeit mit der Denkfabrik der Bundeswehr, GIDS . Jetzt, wo die Bundeswehr im großen Stil Infrastruktur ausbaut, sollen dabei möglichst wenige ökologische Schäden entstehen. Aber es darf eben auch nicht zu lange dauern und endlos teuer werden. Naturschutz und Sicherheit dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden. Im Interview mit t-online hat Ex-VW-Chef Matthias Müller einen Wildwuchs von NGOs kritisiert und deren staatliche Förderung infrage gestellt. Stimmen Sie ihm zu? Ich halte das für gefährliches Gerede. Wir haben eine starke Zivilgesellschaft mit vielen Organisationen, in denen sich Menschen engagieren. Zu behaupten, das wäre eine Art Schattenstaat, ist falsch. Wir sind weder Regierung noch Parlament. Dieses Misstrauen ist ein Zündeln an den Grundwerten von Demokratie und Pluralität. Aber NGOs haben doch Einfluss? Ja, und das ist auch richtig so. Wir bringen Sachverstand ein und vertreten gesellschaftliche Interessen im Naturschutz. Wenn Infrastrukturprojekte geplant werden, schauen unsere Gruppen vor Ort genau hin und bringen ihre Expertise ein. Das trägt dazu bei, dass Entscheidungen ausgewogener und tragfähiger werden. Welche zum Beispiel? In den 70er- und 80er-Jahren waren viele Flüsse in Deutschland gesundheitsschädlich. Heute kann man dort wieder schwimmen – das hat sich auch durch solchen Druck verändert. Der Staat steckt jährlich Hunderte Millionen Euro in NGOs. Wie unabhängig sind diese dann wirklich? Wir erhalten keine institutionelle Förderung für unsere politische Arbeit. Öffentliche Mittel gibt es für klar definierte Projekte mit konkreten Zielen – etwa im Naturschutz. Ein Beispiel ist die Havel-Renaturierung. In solchen Fällen arbeiten wir oft in Partnerschaft mit der öffentlichen Hand: Wir entwickeln und setzen Projekte um, ein Teil wird staatlich finanziert, ein anderer Teil durch Spenden getragen. Wir sind in solchen Fällen eher eine verlängerte Werkbank. Unsere inhaltlichen Positionen bleiben aber davon unberührt. Warum macht der Staat das dann nicht selbst? Weil wir es günstiger machen, unsere Kostenstrukturen sind andere. Der Staat bleibt jedoch in der Verantwortung für den Naturschutz. Allerdings baut er Personal ab – deshalb kann er diese Aufgaben nicht alleine stemmen. Wir bringen fachliche Expertise, praktische Erfahrung und Engagement vor Ort ein. Gerade bei komplexen Projekten entstehen so oft bessere Lösungen, als wenn einzelne Akteure alleine handeln. Die Union hat im vergangenen Jahr 551 kritische Fragen an NGOs gestellt. War das richtig? Fragen an zivilgesellschaftliche Organisationen sind grundsätzlich legitim. Wichtig ist, dass sie nicht dazu benutzt werden, NGOs an sich zu delegitimieren. Transparenz ist für uns zentral – beim Nabu veröffentlichen wir deshalb freiwillig unsere Finanzberichte und legen unsere Arbeit offen. Das stärkt Vertrauen und Nachvollziehbarkeit. Das würde ich auch allen anderen Organisationen empfehlen. Was würden Sie Matthias Müller persönlich sagen? Ich würde ihn gern einladen, einen Tag beim Nabu mitzulaufen und sich ein eigenes Bild zu machen. Gleichzeitig würde ich betonen, wie wichtig unterschiedliche Perspektiven für eine funktionierende Demokratie sind. Zu glauben, man müsse nur mal heftig auf den Tisch hauen und dann sei alles gelöst, ist irreal. Zivilgesellschaftliches Engagement, wirtschaftliche Interessen und staatliches Handeln müssen immer wieder miteinander ins Gespräch kommen – genau daraus entstehen tragfähige Lösungen. Herr Krüger, vielen Dank für das Gespräch.



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