Die EU subventioniert offenbar Anbauflächen, die einer arabischen Herrscherfamilie gehören. Die Al Nahyans verdienen damit Millionen. Die Herrscher-Familie der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) profitiert offenbar von EU-Subventionen in Millionenhöhe. Die Scheichs der Al-Nahyan-Familie haben in Europa landwirtschaftliche Betriebe, deren Produkte wie Getreide in die arabische Region exportiert werden, berichten der britische "Guardian" und der Investigativplattform "DeSmog". Demnach hätten Firmen der Scheichs mehr als 71 Millionen Euro Fördermittel für Anbauflächen in Rumänien , Italien und Spanien erhalten. Die Al-Nahyan-Familie gilt als die zweitreichste Familie der Welt, ihr Vermögen wird auf 320 Milliarden Dollar geschätzt. Scheich Mohamed bin Zayed Al Nayhan gilt als "machiavellistischer Strippenzieher", der es versteht, seinen strategischen Einfluss nicht nur im Nahen Osten auszubauen, sondern auch in Washington , London und Brüssel . Sein Land regiert der Monarch mit harter Hand, zudem sollen die Finanzinstitutionen der VAE die Vermögen von "kriminellen Netzwerken, kleptokratischen Regimen und Kriegsverbrechern" verwalten, wie das "Time Magazine" schreibt. Auch interveniert die Familie Al Nayhan offenbar militärisch in den Konflikten in Libyen, im Jemen, in Somalia und in Eritrea. Journalisten von "DeSmog" hat in Zusammenarbeit mit der spanischen Zeitung "El Diario" und dem rumänischen Nachrichtenportal G4Media Daten von Tausenden von Begünstigten des Europäischen Klimapaktes aus den Jahren 2019 bis 2024 ausgewertet. Dabei haben die Analysten 110 europäische Förderzahlungen zu einem Netzwerk von Unternehmen und Tochtergesellschaften zurückverfolgt, die von der Familie Al Nahyan aus den Vereinigten Arabischen Emiraten und einem ihrer Staatsfonds, ADQ, kontrolliert werden. Am meisten Geld kam von dem rumänischen Unternehmen Agricost, dem der größte landwirtschaftliche Betrieb in der EU gehört – 57.000 Hektar, fünfmal so groß wie Paris . In der EU bekommen Großbetriebe proportional mehr Zuwendungen als kleine Bauernhöfe. Nach den Recherchen erhielt Agricost im Jahr 2024 Direktzahlungen in Höhe von 10,5 Millionen Euro – mehr als das 1.600-Fache des Betrags, den ein durchschnittlicher EU-Landwirtschaftsbetrieb erhielt. In der EU ist man sich des Problems der übermäßigen Subventionen für Großbetriebe durchaus bewusst. Im Juli 2025 veröffentlichte die Europäische Kommission einen Vorschlag für die nächste Runde der sogenannten GAP-Zahlungen für den Zeitraum 2028 bis 2034, wonach die flächenbezogenen Zahlungen auf 100.000 Euro pro Landwirt und Jahr begrenzt werden könnten. Allerdings fehlen noch die Unterstützung von Europaparlament und dem Europäischen Rat. Die Al Nahyans sind die mächtigste Familie in den Arabischen Emiraten, die aus sieben Einzelstaaten bestehen. Oberhaupt ist Scheich Mohamed bin Zayed Al Nahyan, der auch Präsident der Vereinigten Arabischen Emirate ist. In den vergangenen 15 Jahren habe sich die Dynastie zu einem der größten Investoren in der weltweiten Landwirtschaft entwickelt, mit Firmen in Afrika, Südamerika und Europa, so die Recherchen. Damit kontrollieren die Emirate insgesamt 960.000 Hektar Anbauflächen. Da die Emirate fast 90 Prozent ihrer Nahrungsmittel importieren müssen, haben sich die Scheichs offenbar massiv Anbauflächen in den Herkunftsländern gesichert. Netz an Firmenverflechtungen Agricost, Rumäniens riesiger Landwirtschaftsbetrieb, wurde laut "Guardian" 2018 von den Al Nahyans über Al-Dahra, einem Agrarkonzern aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, für geschätzte 230 Millionen Euro erworben. Al-Dahra wurde laut "Guardian"-Bericht vom Bruder des Präsidenten, Scheich Hamdan bin Zayed Al Nahyan, gegründet, bevor der Staatsfonds von Abu Dhabi, ADQ, im Jahr 2020 50 Prozent des Unternehmens erwarb. Auch wenn der Staat offiziell Inhaber ist, übt die Herrscherfamilie laut Experten die Kontrolle weiter aus. "Es gibt keine klare Grenze zwischen den Staatskassen und den Familienkassen", sagte Marc Valeri, außerordentlicher Professor für politische Ökonomie des Nahen Ostens an der Universität Exeter. "Dies ist ein sehr autoritäres und repressives Regime, sodass der Unterschied zwischen Staatshaushalt und Familienhaushalt völlig verschwimmt." Dass die Vereinigten Arabischen Emirate EU-Subventionen erhalten, sei "ein Skandal, der sich vor aller Augen abspielt", sagte Thomas Waitz, österreichischer Europaabgeordneter der Grünen und Koordinator der Fraktion im Landwirtschaftsausschuss. "99 Prozent der echten europäischen Landwirte erhalten weniger als 100.000 Euro an Subventionen. Dieses Geld war nie für Dynastien der fossilen Brennstoffindustrie gedacht, sondern soll die echten europäischen Landwirte stärken."