Kanarische Insel: Hantavirus auf Kreuzfahrtschiff: „MV Hondius“ erreicht Teneriffa
Das Kreuzfahrtschiff „MV Hondius“, auf dem das gefährliche Hantavirus ausgebrochen ist, ist am frühen Sonntagmorgen vor der Küste der spanischen Insel Teneriffa eingetroffen.
Das von einem Ausbruch des Hantavirus betroffene Kreuzfahrtschiff „MV Hondius“ ist in den Hafen von Granadilla de Abona im Süden der spanischen Urlaubsinsel Teneriffa eingefahren. Live-Aufnahmen des staatlichen Fernsehsenders RTVE zeigten die Ankunft des Schiffes am frühen Morgen.
Nach Angaben des niederländischen Schiffseigners Oceanwide Expeditions sollen ab etwa 8.00 Uhr (Ortszeit, 9.00 Uhr MESZ) die Passagiere und ein Teil der Besatzung mit Booten an Land gebracht werden. Nach der Ausschiffung sollten die Betroffenen „unverzüglich zu den ihnen zugewiesenen Flugzeugen gebracht werden“, hieß es weiter. Anschließend werden sie in ihre Heimatländer ausgeflogen. Unter ihnen sind auch mehrere Deutsche.
Aktuell zeigt kein Passagier Symptome des Hantavirus
Auch wenn keiner der Menschen an Bord derzeit Symptome hat, gelten sie aufgrund der langen Inkubationszeit des Hantavirus als „Hochrisikokontakte“. Zugleich betont die WHO, dass das Risiko für die Allgemeinbevölkerung „absolut gering“ sei. WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus schrieb in einem offenen Brief an die Menschen auf Teneriffa mit Blick auf die Corona-Pandemie: „Das ist kein neues Covid.“ Zunächst hatte es geheißen, das Schiff werde aus Sicherheitsgründen vor dem Hafen vor Anker gehen. Die spanische Handelsmarine erteilte in der Nacht dann aber doch die Genehmigung zur Einfahrt in den Hafen.
Medizinisches Personal soll die Menschen an Bord zunächst auf akute Krankheitssymptome untersuchen, wie die spanischen Behörden mitteilten. Liegen keine vor, werden die Passagiere in Gruppen von maximal fünf Personen ausgeschifft. Nach Angaben der spanischen Gesundheitsministerin Mónica García müssen sie FFP2-Schutzmasken tragen und dürfen nur leichtes Handgepäck mitnehmen.
Per Bus geht es dann zum wenige Autominuten entfernten Flughafen. Dort sollen die streng abgeschotteten Menschen mit ihren jeweiligen Landsleuten ohne weitere Abfertigung sofort die für sie bereitgestellten Flugzeuge besteigen und in ihre Heimatländer zurückgebracht werden. Nach Angaben der Weltgesundheitsbehörde WHO sollen alle Flüge am Sonntag und Montag starten, da später eine Schlechtwetterfront aufzieht. Nach der Ankunft dürften alle Ausgeflogenen in Quarantäne müssen, da eine Entwarnung wegen der langen Inkubationszeit erst nach Wochen möglich ist. Die meisten Menschen an Bord stammen aus EU-Ländern, Großbritannien und den USA. Auch mehrere Deutsche sind darunter.
Kreuzfahrtschiff fährt weiter in die Niederlande
Ein Teil der Besatzung soll an Bord bleiben und später mit dem Schiff in die Niederlande fahren. Der Chef der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Tedros Adhanom Ghebreyesus, ist eigens nach Granadilla gereist, um die Evakuierung zu beaufsichtigen.
Laut WHO wurde mittlerweile in sechs von acht Verdachtsfällen eine Infektion mit dem von Mensch zu Mensch übertragbaren Andes-Virusstamm bestätigt. Drei Menschen sind bisher an dem Virus gestorben, darunter eine Deutsche. Ihre Leiche bleibt auf der Weiterfahrt in die Niederlande an Bord der „Hondius“. Auch die Desinfektion des Schiffes wird in den Niederlanden vorgenommen.
Das Schiff war am 1. April in Ushuaia in Argentinien zu einer Atlantik-Kreuzfahrt aufgebrochen. Ein erster Passagier aus den Niederlanden starb nach Angaben von Oceanwide Expeditions am 11. April an Bord. Seine Frau ging am 24. April mit anderen Passagieren auf der Insel St. Helena im Südatlantik von Bord, flog nach Johannesburg und starb dort am 26. April in einem Krankenhaus. Am 2. Mai starb auf dem Schiff eine Passagierin aus Deutschland.
Die WHO vermutet, dass sich der Niederländer mit dem Hantavirus infizierte, bevor er an Bord ging. Nach Angaben des argentinischen Gesundheitsministeriums hatte er mit seiner Frau seit Ende November Argentinien, Chile und Uruguay bereist.
