Europa League: SC Freiburg kann gegen Aston Villa mehr als Titel holen
Freiburg kann Geschichte schreiben. Erstmals stehen die Breisgauer in einem europäischen Finale, erstmals kann eine internationale Trophäe gewonnen werden. Es geht aber um noch viel mehr. Aus Istanbul berichtet Nikolai Stübner Wer für solch eine Partie noch "eine Extramotivation braucht, mit dem stimmt etwas nicht", kündigte Freiburgs Maximilian Eggestein am Tag vor dem Europa-League-Finale in Istanbul an. Wenn am Mittwoch (ab 21 Uhr im Liveticker bei t-online) die Partie gegen Premier-League-Klub Aston Villa angepfiffen wird, erwartet der Mittelfeldspieler von sich und seinen Mitspielern also vollen Einsatz. Denn der 29-Jährige stellt noch etwas fest, was mehr eine Plattitüde als eine tiefgreifende Erkenntnis ist: "Man kriegt in seiner Karriere nicht so häufig die Möglichkeit" – außer man ist Profi beim FC Bayern oder einem anderen absoluten Topklub, aber auf dieser Ebene ist der SC Freiburg nicht angekommen. Und das wollen sie vielleicht auch gar nicht. Vor Finale der Europa League: Freiburg-Profi bekommt Titel-Auftrag von Tochter "Gunners" feiern Sofa-Titel: City patzt erneut – Arsenal ist englischer Meister Denn eigentlich ist es die Bescheidenheit, die den Sport-Club auch fanlagerübergreifend so sympathisch macht. Die sympathischen Verlierer wollen Eggestein, SC-Kapitän Christian Günter und Trainer Julian Schuster trotzdem nicht sein. Denn das Endspiel ist mehr als nur ein Spiel um einen Titel. Es ist auch ein Spiel um mindestens 28 Millionen Euro. Und die kann jeder Verein gut gebrauchen. Durch einen Sieg würden die Freiburger nicht nur die Titelprämie über sechs Millionen Euro einstreichen, sondern sich auch gleich für zwei weitere Wettbewerbe qualifizieren: den Uefa Supercup und die Champions League . Der Supercup wird jährlich zwischen den Gewinnern der Champions und der Europa League ausgetragen. Beide Klubs erhalten je vier Millionen Euro Antrittsgeld, dazukommt eine weitere Million Euro für den Sieger. Doch damit nicht genug: Allein durch die Champions League würden 18,62 Millionen Euro als Startprämie in die Freiburger Vereinskasse fließen. Schon mit diesen beiden Säulen würde der SC also 28 Millionen Euro verdienen, auch wenn das Supercup-Finale verloren ginge. In der Ligaphase der "Königsklasse" hätte die Mannschaft von Trainer Julian Schuster allerdings die Chance, noch mehr Prämien einzustreichen. Pro Sieg winken weitere 2,1 Millionen Euro, jedes Unentschieden bringt 700.000 Euro. Finalsieg könnte über 30 Millionen Euro einbringen Schnell würde die Summe der gesamten Zusatzeinnahmen also auf über 30 Millionen Euro steigen. Und das alles mit lediglich einem Sieg gegen Aston Villa. Aber auch die Engländer werden im Istanbuler Beşiktaş-Park alles für den Titel geben und haben Respekt vor den Freiburgern. Villa-Coach Unai Emery, der die Europa League schon viermal gewinnen konnte und dazu ein weiteres Mal im Finale stand, warnte vor der Partie: "Sie (die Freiburger, Anm. d. Red.) sind hier, weil sie es verdient haben. Wenn wir eine schlechte Leistung zeigen, werden wir nicht gewinnen. Wir sind selbstbewusst, aber wir haben auch sehr viel Respekt." Im Vergleich zu Freiburg ist der Birminghamer Verein ungleich stärker angewiesen auf die zusätzlichen Gelder, die Finalsieg einbringen würde. Denn beide Vereine unterscheiden sich enorm in ihrem Kaderwert, und der will bezahlt werden. Freiburgs Spieler kommen laut der Fußball-Datenbank "Transfermarkt" auf einen Gesamtwert von 191 Millionen Euro. Der Kader der "Villans" ist mit 547,5 Millionen Euro hingegen fast dreimal so teuer. In Freiburg ist Johan Manzambi mit einem Marktwert von 35 Millionen Euro die heißeste Aktie. Immer wieder wird spekuliert, dass der Schweizer im Sommer wechseln könnte. Aufgrund des langfristigen Vertrags bis 2030 würde der SC wohl eine große Summe einnehmen. Dennoch wirkt Manzambis Marktwert im Vergleich zum wertvollsten Villa-Spieler fast mickrig: Morgen Rodgers bringt es laut "Transfermarkt" auf 80 Millionen Euro und damit auf mehr als doppelt so viel wie Manzambi. Außerdem stehen im Villa-Kader insgesamt fünf Spieler, die genauso viel oder mehr wert sind als Manzambi. Das Duell um den Titel der Europa League ist demnach nicht nur eine Partie um fast 30 Millionen Euro, sondern auch ein Kampf zwischen David und Goliath – zumindest wenn es nach dem Kaderwert geht.