Baukrise: Wohnungsbau in Hamburg bricht um mehr als ein Viertel ein
In Hamburg wurden 2025 nur 5.976 neue Wohnungen fertiggestellt – das sind 28 Prozent weniger als im Vorjahr. Was hinter dem starken Rückgang steckt.
Die Zahl der im vergangenen Jahr in Hamburg fertiggestellten Wohnungen ist im Vergleich zum Vorjahr um mehr als ein Viertel eingebrochen. Insgesamt seien im vergangenen Jahr nur 5.976 neue Wohnungen gebaut worden - 2.343 Wohnungen oder 28 Prozent weniger als im Jahr 2024, teilte das Statistikamt Nord mit. Bundesweit sank die Zahl der neu gebauten Wohnungen um 18 Prozent auf rund 206.600.
Senatorin Pein: Ursache Bau- und Immobilienkrise
"Die aktuellen Fertigstellungszahlen sind kein Ausdruck fehlender Nachfrage, sondern die erwarteten Spätauswirkungen einer massiven Bau- und Immobilienkrise mit explodierenden Kosten, hohen Zinsen und schwierigen Finanzierungsbedingungen", sagte Stadtentwicklungssenatorin Karen Pein (SPD). Der historische Einbruch bei den Baugenehmigungen im Jahr 2023 auf rund 5.400 Wohnungen infolge der geopolitischen und wirtschaftlichen Krisen wirke sich jetzt zeitversetzt auf die Fertigstellungen aus. "Vorhaben, die damals eingestellt oder aufgeschoben wurden, fehlen heute."
Der Direktor des Verbands norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW), Andreas Breitner, sagte: "Wir stecken in der Baukrise. Bis zum Hals." Damit die Krise die Baukonjunktur nicht völlig abwürge, "brauchen wir schnellere Baugenehmigungsverfahren, mehr geeignete Grundstücke, tatsächlich verfügbare Baumaterialien, weniger Standards, effiziente öffentliche Förderung, mehr Grundstücksverkäufe und weniger Verpachtung".
Mieterverein alarmiert
Auch der Mieterverein zu Hamburg zeigte sich alarmiert. "Dieser massive Rückgang ist ein Schlag ins Kontor", sagte der Vorsitzende Rolf Bosse. "Die aktuellen Neubauzahlen reichen bei weitem nicht aus, um den großen Bedarf an Wohnraum in Hamburg zu decken, von bezahlbarem Wohnraum ganz zu schweigen." Besonders bei Sozialwohnungen bestehe weiterhin ein erheblicher Mangel.
So seien im vergangenen Jahr nur 1.953 Sozialwohnungen fertiggestellt worden - 308 Wohnungen oder knapp 14 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Insgesamt gebe es damit in 76.533 Sozialwohnungen. Anspruch auf eine Sozialwohnung hätten aber mehr als 640.000 Hamburger Haushalte. Zudem warteten noch immer mehr als 13.000 vordringlich Wohnungssuchende auf ein Zuhause. Bosse forderte ein Umdenken beim Wohnungsbau. "Mithilfe der Regeln des Marktes lässt sich der Bedarf jedenfalls nicht decken." Eigentliches Ziel des rot-grünen Senats sind 3.000 neue Sozialwohnungen pro Jahr.
Linke: Lang abbezahlte Wohnungen günstiger vermieten
Die Linken-Wohnungsexpertin Heike Sudmann forderte den Senat auf, mehr günstigen Wohnraum zu schaffen. "Die dauerhafte Sozialbindung von geförderten Neubauwohnungen ist ein wichtiger Weg." Ein weiterer Weg müsse in eine sozialverantwortliche Nutzung des Bestandes führen. "Lang abbezahlte Wohnungen, gerade in großen Wohnungsbeständen, könnten auch günstiger vermietet werden."
Die wohnungsbaupolitische Sprecherin der CDU-Fraktion, Anke Frieling, betonte: "Aufgrund des knappen Angebots steigen die Mieten unaufhörlich - wer neu nach Hamburg zieht oder umziehen muss, hat keine Chance auf eine bezahlbare Wohnung." Der Senat müsse endlich vom Reden ins Handeln kommen und sich etwa vom Erbpachtmodell verabschieden. "Der Erwerb von Grundstücken aus städtischer Hand muss wieder möglich sein, damit Banken endlich wieder zur Finanzierung privaten und genossenschaftlichen Bauens bereit sind."
Wohnungsgröße wächst im Schnitt auf 73,1 Quadratmeter
Den Statistikern zufolge entstanden im vergangenen Jahr 440.100 Quadratmeter neue Wohnfläche - 129 260 Quadratmeter oder 22,7 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Die durchschnittliche Größe der neuen Wohnungen betrug 73,1 Quadratmeter - 5,8 Quadratmeter mehr als im Jahr zuvor. Der Anteil kleiner Ein- und Zweizimmerwohnungen sank im Neubau von 50,4 auf 47,2 Prozent.
5.672 der 5.976 neuen Wohnungen entstanden den Statistikern zufolge in neuen Häusern, 349 seien in bestehende Gebäude integriert worden. Bei den neuen Häusern seien fast 80 Prozent der Wohnungen in Mehrfamilienhäusern mit drei und mehr Einheiten entstanden. Der Rest verteilte sich auf Ein- und Zweifamilienhäuser, auf Wohnheime und Nichtwohngebäude wie Büro- und Betriebsgebäude.
Weniger neue Eigentumswohnungen
Die Zahl der neuen Eigentumswohnungen sank den Angaben zufolge von 1.610 im Jahr 2024 auf 1.554 im vergangenen Jahr. Das Statistikamt wies aber darauf hin, dass die Daten auf den Baugenehmigungen fußten, es also durchaus sein könne, dass am Ende ein Teil oder sogar alle Eigentumswohnungen doch in die Vermietung gingen.
Ende vergangenen Jahres wurde den Statistikern zufolge an 5.395 neuen Wohnungen gebaut. 10.435 weitere Wohnungen wären möglich gewesen, seien aber nicht angegangen worden. Insgesamt betrug der sogenannte Bauüberhang 20.561 Wohnungen in 3.879 Gebäuden. Für 519 Wohnungen seien bereits bestehende Baugenehmigungen erloschen.
Mehr Baugenehmigungen - aber weit von Zielmarke entfernt
Die Zahl der neuen Baugenehmigungen stieg im vergangenen Jahr deutlich. Insgesamt seien Genehmigungen für 6.676 Wohnungen erfasst worden - 44,6 Prozent mehr als 2024. Das sind aber immer noch deutlich weniger als vom rot-grünen Senat geplant. Eigentliches Ziel sind jedes Jahr Baugenehmigungen für 10.000 neue Wohnungen.
