FC Southampton: Nach Spionage-Vorfall auch intern Ärger
Wegen einer Spionageaffäre wurde Southampton aus dem Playoff-Finale zur Premier League ausgeschlossen. Nun gibt es wohl auch noch internen Ärger. Tonda Eckert hat den englischen Zweitligisten FC Southampton innerhalb weniger Monate beeindruckend entwickelt. Im November übernahm der deutsche Trainer den Klub abstiegsgefährdet auf Platz 21, am morgigen Samstag stünde Southampton eigentlich im Playoff-Finale um den Premier-League-Aufstieg. Die Betonung liegt auf eigentlich, denn die Situation um den Coach und den Verein hat sich erneut rapide gewandelt – dieses Mal allerdings ins Negative. Deutscher Trainer betroffen: Englischer Klub für Aufstiegsspiele suspendiert Eckert holte während seiner Amtszeit die meisten Punkte aller Vereine der Championship, wie die zweite englische Liga genannt wird. Seit seinem Amtsantritt ergatterte er 68 Punkte, bei Meister Coventry City waren es 67. Doch darüber spricht dieser Tage keiner mehr, Grund dafür ist eine Spionageaffäre. Praktikant wird zur Spionage beauftragt Zum Hintergrund: Vor dem Playoff-Halbfinalsieg gegen den FC Middlesbrough (2:1 n. V.) spionierte Southampton seinen Gegner aus. Der Klub beauftragte den Praktikanten William Salt damit, zum Trainingsgelände von Middlesbrough zu fahren und die nicht öffentliche Trainingseinheit zu filmen. Die britische Boulevardzeitung "Daily Mail" enthüllte Bilder, wie Salt hinter einem Baum stehend die Übungen des Konkurrenten beobachtete. Eine unabhängige Kommission der englischen Fußball-Liga (EFL) schloss den Klub daraufhin aus den Championship-Playoffs aus. Laut der EFL räumte Southampton "mehrere Verstöße gegen die Regularien im Zusammenhang mit dem unerlaubten Filmen des Trainings anderer Vereine" ein. Denn das Filmen des Middlesbrough-Trainings war nicht die einzige Ordnungswidrigkeit, die sich der Klub mit dem deutschen Trainer zuschulden hat kommen lassen. Wie der Verein einräumte, beobachtete er unerlaubterweise auch die Gegner Oxford United im Dezember und Ipswich Town im April. Southampton verstieß damit gegen eine Regel der EFL, nach der Trainingsbeobachtungen des Gegners ab 72 Stunden vor dem jeweiligen Spiel nicht mehr erlaubt sind. Trainer Eckert soll gestanden haben, dass er die Beobachtungen genehmigte. Er wies allerdings darauf hin, die EFL-Regel nicht gekannt zu haben. Das läge daran, dass er den Trainerposten nicht vor der Saison übernommen habe, sondern mitten in der Spielzeit. Regularien werden gewöhnlicherweise aber vor der Saison besprochen. Neben dem Entzug des Playoff-Finals wurden noch weitere Strafen gegen Southampton verhängt. In der neuen Zweitliga-Saison geht der Klub von der Ostküste Englands mit vier Minuspunkten an den Start. Außerdem wurde der Verein ermahnt, weil "jüngere Mitarbeiter unter Druck gesetzt wurden". Damit ist der Praktikant gemeint, der die Spionage ausführte. 230 Millionen Euro stehen am Samstag auf dem Spiel Southampton ging in die Berufung gegen das Urteil – weil dieses aus Klubsicht unverhältnismäßig sei. Schließlich geht es im Aufstiegsspiel am Samstag um circa 230 Millionen Euro. Die Höhe ergibt sich aus den hohen TV-Geldern sowie aus der "Fallschirm"-Regelung, dank der Premier-League-Absteiger eine Solidaritätszahlung erhalten. Southampton sei daher ein Spiel genommen worden, in dem es um extrem viel Geld ginge und welches für Spieler, Mitarbeiter und Fans eine enorme Bedeutung habe. Die Berufung wurde vom Schiedsgericht am Mittwoch jedoch abgelehnt, weshalb die Strafen bestehen bleiben. Der Klub argumentierte unter anderem mit Videomaterial, dass sich die taktische Herangehensweise an das Halbfinal-Spiel bei Middlesbrough nicht geändert habe. Auch das Verhalten bei Standardsituationen hätte sich durch die Spionage nicht verändert. Die unabhängige Disziplinarkomission erklärte aber: "Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass seitens des Beschuldigten (Southampton, Anm. d. Red.) ein ausgeklügelter und klarer Plan vorlag, um sich durch die gezielte Anwesenheit auf den Trainingsgeländen der Gegner einen Wettbewerbsvorteil in wirklich wichtigen Wettbewerben zu verschaffen, um taktische und Aufstellungsinformationen zu erhalten." Nun steht also fest: Middlesbrough darf trotz der sportlichen Halbfinal-Niederlage am Endspiel teilnehmen und misst sich am Samstag (16.30 Uhr) mit Hull City. Der Gewinner aus dem Spiel wird in die Premier League aufsteigen und viele Millionen kassieren. Wie es beim FC Southampton weitergeht, ist indes noch unklar. Laut britischen Medien hat der 33-jährige Eckert, der unter anderem schon als Jugendtrainer bei RB Leipzig und dem FC Bayern arbeitete, bei dem ehemaligen Premier-League-Klub aufgrund der Geschehnisse trotz des sportlichen Erfolgs keine Zukunft mehr. Reichlich Unruhe im Kader Der ungewollt verpasste Aufstieg ist indes nicht das einzige Problem Southamptons. Übereinstimmenden Medienberichten zufolge prüfen Spieler des Klubs rechtliche Schritte gegen den eigenen Verein. Der Grund: Teile des Kaders hatten nach dem Abstieg aus der Premier League im letzten Jahr Gehaltskürzungen von bis zu 40 Prozent akzeptiert. Allerdings nur unter dem Gesichtspunkt, dass diese Kürzung im Falle eines Aufstiegs wieder aufgehoben werde. Zudem geht es wohl um eine Aufstiegsprämie von rund 175.000 Euro, die sich die Spieler nun nicht verdienen können, obwohl sie bisher sportlich alles dafür taten, diese Summe zu erhalten.