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Anna Maria Mühe: Schauspielerin kritisiert TV-Sender

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Schauspielerin Anna Maria Mühe übt im t-online-Interview Kritik an der Programmplanung der TV-Sender. Sie verrät, was sie wütend stimmt, und macht Verbesserungsvorschläge. Anna Maria Mühe steckt viel Leidenschaft in ihre Arbeit. Das merkt man der 40-Jährigen sowohl auf der Leinwand als auch im Gespräch an. Von klein auf kam sie mit dem Schauspiel in Verbindung. Ihr Großvater war Bühnenbildner, Mutter und Vater gefeierte Film- und Serienstars. Kein Wunder, dass auch die in Ost-Berlin geborene Anna Maria Mühe zur Künstlerin wurde. Dabei hatte sie als kleines Mädchen ganz andere Pläne. Im Interview mit t-online spricht sie offen über die Showbranche, ihre Ehe, das Altern und über einen notwendigen Personalwechsel in der Programmplanung der Öffentlich-Rechtlichen. t-online: Frau Mühe, Sie sind durch Ihre Familie – Ihre Eltern waren Schauspieler – beeinflusst worden in Ihrer Berufswahl. Wäre jemals ein anderer Job für Sie infrage gekommen? Anna Maria Mühe: Was sich durch meine Familie ergeben hat, ist der Berufswunsch, aber den Beruf selbst auszuführen, hatte tatsächlich nichts mit meiner Familie zu tun. Ich bin sehr froh darum, dass ich nie das Vitamin B ausnutzen konnte, wollte oder musste. Es gab aber tatsächlich einen Berufswunsch, den ich als kleines Mädchen hatte. Und zwar? Das mag lustig klingen, aber ich hatte schon mit acht Jahren den Wunsch, Kellnerin zu werden. Das lag aber nur daran, dass wir damals in Wien gewohnt haben. Die Kellnerinnen haben dort einen ganz anderen Stand als zum Beispiel hier in Berlin . Die Kellnerinnen hatten immer super schöne schwarze Kleidchen an, mit weißen Schürzen. Das fand ich als kleines Mädchen schick. Sie waren angesehen und sehr freundlich. Ärgern Sie sich, wenn jemand Vitamin B nutzt, um sich einen Vorteil zu verschaffen? Ich finde es überhaupt nicht schlimm, wenn man Vitamin B nutzt, an Stellen, wo es einen weiterbringt. Denn es ist ja sowieso so: Am Ende muss man sich trotzdem selbst beweisen. Du bist diejenige, die vor oder hinter der Kamera, egal in welcher Position, standhalten muss. Da zählt dann deine Arbeit und nicht die deiner Verwandtschaft. Trotzdem finde ich es gut, dass ich es nicht genutzt habe. In der Showbranche wird es oft kritisch beäugt, wenn der Nachwuchs in die Fußstapfen der Eltern tritt, während es in handwerklichen Betrieben eher ein Gütesiegel ist, wenn die Kinder die Tradition aufrechterhalten. Wie erklären Sie sich das? Wahrscheinlich wird die Kunst des Schauspielens nicht als Handwerk gesehen, obwohl sie genau das ist. Sie sind im vergangenen Jahr 40 geworden. War das ein großes Thema für Sie, dieser Übergang von 39 auf 40? Ja, der 40. Geburtstag war für mich ein großes Thema. Aber für mich ist Geburtstag immer ein Thema, und zwar ein positives. Ich liebe es, Geburtstag zu haben und zu feiern. 40 war schon besonders in dem Sinne, dass ich mich ganz genau erinnern konnte, wie es war als Teenager, wenn ich gedacht habe: Die 40-Jährigen sind richtig alt. Es ist schon absurd, wie schnell man sich da selbst drin wiederfindet. Sie fühlen sich also nicht alt? Ich fühle mich überhaupt nicht alt, sondern ganz neugierig und jung geblieben. Meine Tochter hat mich ein wenig damit aufgezogen, weil sie es so empfindet wie ich damals, dass 40 wahnsinnig alt ist. Denken Sie, dass es Frauen im Showgeschäft schwieriger haben, je älter sie werden? Das hat nichts damit zu tun, ob ich das denke. Das ist leider Fakt. Es gibt sehr viel weniger Frauenfiguren ab 40 Jahren, die auch toll sind. Rollen, die interessant sind und die nicht nur damit zu tun haben, eine Mutter zu sein oder eine gerade frisch geschiedene Frau, die von ihrem Mann für eine Jüngere verlassen wurde. Es gibt noch sehr viel mehr, was wir zu erzählen haben, und zwar in jeder Altersklasse. Besserung ist also nicht in Sicht? Ich finde, dass es da eine Besserung gibt und Grund zur Hoffnung. Ich habe das Gefühl, dass wir viele tolle neue Regisseurinnen und Regisseure bekommen, die das sehen und auch Bock haben, sich damit auseinanderzusetzen, allerdings haben wir noch viel zu tun. Im vergangenen Jahr sind Sie nicht nur 40 geworden, sondern haben auch geheiratet. Können Sie schon ein Resümee ziehen: Wie war das erste Ehejahr mit Ihrem Schauspielkollegen Lucas Gregorowicz? Ich genieße es sehr, verheiratet zu sein, und hätte nicht gedacht, dass mich das so glücklich macht. Die zweite Staffel Ihrer Erfolgsserie "Die Totenfrau" lief kürzlich erstmals im Fernsehen. Die Quote war weniger gut. Woran lag das? Letztes Jahr hatten wir den Staffelstart auf Netflix und jetzt ein Jahr später sozusagen in der ARD . Das könnte mit den Einschaltquoten zusammenhängen. Man darf auch nicht unterschätzen, dass wir ausgerechnet an diesem Tag zum ersten Mal in ganz Deutschland richtig schönes Wetter hatten und wir den ersten warmen Abend genießen durften. Da ist einfach niemand vorm Fernseher. Ich kann das total nachvollziehen. Jetzt müssen wir auf die Mediathek hoffen. Ist die Quote bei Ihnen ein großes Thema? Verfolgen Sie die Zahlen und ärgern sich? Ich würde mich nicht so sehr darüber ärgern, wenn es nicht so einen Effekt hätte. Wie meinen Sie das? Das Problem ist, dass eine schlechte Quote bei einer Serie bedeutet: Es geht nicht weiter. Diese Abhängigkeit ist unfassbar anstrengend. Das ist genauso wie mit den Zuschauern im Kino. Kleinen Filmen wird kaum noch Geld gegeben, weil man nicht darauf vertrauen kann, dass Minimum 100.000 Zuschauer den Film anschauen. Das ist einfach schrecklich. Wie könnte man dieses Problem lösen? Was die Quote angeht, würde ich manchmal wirklich wahnsinnig gerne bei internen Sitzungen der Sender dabei sei. Wie verteilen die, wann was läuft? Manchmal finde ich die Programmplanung sehr ärgerlich. Ich frage mich wirklich: Warum traut ihr dem Publikum nicht mehr zu? Es ist doch von Anfang an klar, dass eine schlechte Quote dabei herauskommt, wenn man gute Stoffe spät platziert. Das macht Sie wütend, oder? Ja, weil tolle Projekte einfach versendet werden und kein Mensch darüber spricht. Wir haben eine riesige Auswahl, aus der wir täglich entscheiden können, da ist es natürlich schwer aufzufallen. Aber dann liegt es an den Sendern, den kleinen Pralinen mehr Raum zu geben, sie besser oder überhaupt zu bewerben. Warum ist manches plötzlich zu politisch und wird deswegen auf 22.45 Uhr geschoben? Fordern Sie eine personelle Reform? Zumindest sollte man mehr junge Menschen mit ins Boot nehmen, die noch mal einen anderen Blick dafür haben. Ich glaube, dass wir sehr viele junge kluge Köpfe in diesem Land haben, die eine starke Meinung und politische Haltung haben. Apropos junge Leute: Sie entscheiden in einer Jury darüber, wer den New Faces Award bekommt. Was muss ein New Face, also ein neues Gesicht, denn mitbringen? Es muss Klick machen. Die Schauspieler müssen vielversprechend im Sinne der Vielseitigkeit sein. Also unromantisch kurz gesagt, sie müssen vielseitig einsetzbar sein. Welche Schwierigkeiten birgt Ihr Job in der New-Faces-Jury? Wir müssen die Künstler immer anhand eines konkreten Projekts bewerten. Das ist manchmal sehr schwierig, weil nicht jeder Film oder jede Serie das Beste aus dir herausholt. Aber wir sind eine gut besetzte Jury, die den richtigen Blick darauf hat. Wie muss man sich so eine Jury vorstellen? Wir kommen alle aus sehr unterschiedlichen Bereichen: von Kino-Vertreibern über Casterinnen bis hin zu Schauspielerinnen, Regisseurinnen und Chefredakteurinnen. Wir haben also alle sehr unterschiedliche Blickwinkel auf die Filme/Serien. Aber ich kann sehr überzeugend sein. Nein, im Ernst, das ist jedes Mal eine spannende Arbeit, ich liebe das sehr. Sie selbst waren auch schon für den Bunte New Faces Award nominiert. Erinnern Sie sich noch an Ihre Gefühle von damals? Das ist jetzt schon über 20 Jahre her. Ich war aufgeregt, nervös und auch überfordert mit der Aufmerksamkeit. Inwiefern? Damals hatte man noch keinen Presseagenten dabei, der sich um einen kümmert. Mittlerweile ist es auch üblich, viele Freunde mitzubringen. Ich habe ohnehin das Gefühl, dass die Schauspielerinnen untereinander ganz anders vernetzt sind, als wir das damals waren. Das ist eine schöne Entwicklung.



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