Strafverfahren: Assauer-Tochter soll wegen Betrugs vor Gericht
Es geht um die Vollmacht eines Demenzkranken und Hunderttausende Euro: Nach der Anklage gegen die Tochter und weitere Vertraute des ehemaligen Schalke-Managers Rudi Assauer prüft ein Gericht den Fall.
Weil ihr vorgeworfen wird, sich zu Unrecht am Vermögen ihres Vaters bereichert zu haben, steht die Tochter des verstorbenen Fußballmanagers Rudi Assauer, Bettina Michel, demnächst vor Gericht. Der Vorwurf laute unter anderem gewerbsmäßiger Bandenbetrug, teilte ein Sprecher des Landgerichts Essen auf Nachfrage mit. Das Gericht prüfe nun die Zulassung der Anklage. Zuvor hatte die Staatsanwaltschaft bestätigt, im Mai Anklage gegen zwei Frauen und einen Mann erhoben zu haben. Mehrere Medien hatten berichtet.
Assauer war 2019 nach schwerer Demenz verstorben. Zu den Beschuldigten gehörten neben dessen Tochter auch eine ehemalige Mitarbeiterin und ein Bekannter Assauers, erklärte der Gerichtssprecher. Ein Ermittlungsverfahren gegen einen vierten Beschuldigten ist nach dessen Tod laut Staatsanwaltschaft eingestellt worden. Für alle Beschuldigten gilt die Unschuldsvermutung.
Immobilien ohne Erlaubnis verkauft
Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen nach Gerichtsangaben vor, noch zu Lebzeiten des Fußballmanagers zwei seiner Immobilien verkauft zu haben, ohne dazu berechtigt gewesen zu sein. Dazu sollen sie eine nicht gültige Generalvollmacht Assauers aus dem Jahr 2012 vorgelegt haben. Dabei soll ihnen bewusst gewesen sein, dass er aufgrund seiner Erkrankung zu diesem Zeitpunkt bereits nicht mehr geschäftsfähig gewesen sei.
Die Erlöse aus den Immobilienverkäufen sollen sie sich in jeweils unterschiedlicher Höhe einverleibt haben, so der Gerichtssprecher. Insgesamt gehe es in dem Strafverfahren um 767.080 Euro.
Anwalt: Michel „ist sehr getroffen von den Vorwürfen“
Der Tochter legt die Staatsanwaltschaft zudem falsche Angaben an Eides statt zur Last: Gegenüber einem Amtsgericht soll sie nach dem Tod ihres Vaters falsche Angaben darüber gemacht haben, welche Vermögenswerte bei ihrem Vater noch vorhanden waren.
Zu den Vorwürfen im Detail will die Tochter Bettina Michel laut ihrem Anwalt Burkhard Benecken zum jetzigen Zeitpunkt keine Stellung nehmen. Für einen möglichen Gerichtsprozess kündigte der Rechtsanwalt allerdings an, dass man sich umfassend äußern wolle. „Meine Mandantin ist sehr getroffen von den Vorwürfen. Es schmerzt sie sehr, dass sie ihren Vater ausgenommen haben soll. Vor allem, dass in einem möglichen Gerichtsprozess viele private Details an die Öffentlichkeit gelangen dürften, setzt ihr sehr zu“, schilderte Benecken.
Anwalt beklagt Promi-Malus
„Wenn in anderen häuslichen Bereichen Gelder verschoben werden, interessiert das in der Regel niemanden“, sagte der Anwalt weiter. Im Fall des prominenten Fußballmanagers Assauer habe es außergewöhnlich umfangreiche Ermittlungen gegeben. Er sehe da „eine Art Promi-Malus“, sagte Benecken. So umfasse die Anklage teilweise Vorwürfe, die bis ins Jahr 2015 zurückgehen.
Als Manager des Traditionsclubs Schalke 04 (1981 bis 1986 und 1993 bis 2006) wurde Assauer auch der Öffentlichkeit über den Sport hinaus bekannt. Als charismatischer Macher mit Zigarre als Markenzeichen prägte er jahrelang die Bundesliga. Er starb am 6. Februar 2019 im Alter von 74 Jahren nach langjähriger Alzheimer-Erkrankung in seiner Heimatstadt Herten. Auch um sein Erbe stritten die Hinterbliebenen vor Gerichten.
