Fußball-WM 2026: Japaner putzen Stadion – und kriegen Ärger mit ihren Frauen
Viel Aufmerksamkeit haben japanische Fans bekommen, die nach einem WM-Spiel im Stadion Müll einsammelten. Doch zu Hause sind sie offenbar keine Helden des Haushalts.
Für ihre Aufräumaktion im WM-Stadion bekommen Japans Fans ausgerechnet in der Heimat Gegenwind. Nachdem Anhänger im Anschluss an das Spiel gegen die Niederlande (2:2) ihren Müll in Plastiktüten eingesammelt hatten, entzündete sich in Japan eine Debatte über die Aufteilung der Hausarbeit. Das berichtet der britische Sender BBC.
Auslöser waren Fotos, auf denen Fans mit Müllsäcken die Tribünen durchkämmten. Einige Nutzerinnen und Nutzer sozialer Medien sahen darin laut BBC eine Doppelmoral: Männer, die in der Öffentlichkeit aufräumen, zu Hause die Last aber ihren Ehefrauen überlassen. Viral ging ein Bild, das einen Mann beim Müllsammeln im Stadion zeigt - und denselben Mann zu Hause auf dem Sofa am Handy, während seine Frau abwäscht.
Japans Männer bei Hausarbeit auf hinterem Platz
Nach Daten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) aus dem Jahr 2021 verbringen japanische Frauen täglich ein Vielfaches der Zeit mit unbezahlter Arbeit im Haushalt wie die Männer. Unter den hoch entwickelten Ländern zählen japanische Männer damit zu denen mit dem geringsten Anteil an dieser Arbeit.
Nicht alle teilen die Kritik. „Was ist daran peinlich?“, zitierte die BBC einen X-Nutzer. „Das ist viel besser als Berichte, in denen es heißt: "Japaner lassen im Ausland ihren Müll liegen."“
Aufräumaktion hat Geschichte
Schon bei Japans WM-Premiere 1998 in Frankreich und bei allen Turnier-Teilnahmen danach war es zu solchen Szenen gekommen. Diese Verhaltensweise würden Japaner schon in der Schulzeit lernen, hatte der Politik- und Geschichtsprofessor Koichi Nakano nach dem Spiel gegen die Niederlande der Nachrichtenagentur AP gesagt.
