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Komiker Mario Adrion: So macht er vor Republikanern Witze über Trump

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Mario Adrion stammt aus Deutschland, hat aber in den USA Karriere als Stand-up-Comedian gemacht. Wie blickt der Fußballfan auf die Vereinigten Staaten, die WM und Donald Trump? Dass Mario Adrion schon länger in den USA lebt, hört man sofort: Der 32-Jährige ging mit 18 Jahren von Deutschland in die Vereinigten Staaten und arbeitete dort zunächst als Model. Mittlerweile hat er auch die amerikanische Staatsbürgerschaft und spricht Deutsch mit einem leichten englischen Akzent. Vergessen hat er seine Heimat allerdings nicht: Beim Gespräch, das online stattfindet, hat er seine Fingernägel schwarz, rot und gold lackiert. Heute ist Adrion nicht mehr als Model, sondern als Stand-up-Comedian und Social-Media-Phänomen bekannt. Er tourt mit seinen Programmen, in denen er häufig seine deutschen Wurzeln thematisiert, nicht nur durch die USA, sondern auch durch ganz Europa oder Israel . Im Gespräch mit t-online spricht Adrion darüber, wie er als Fußballfan die Weltmeisterschaft wahrnimmt, wie es ist, vor Republikanern Witze über Donald Trump zu machen und wo er die Grenzen für seinen Humor zieht. Trump feiert nächsten Sieg: Das Pendel schlägt hart zurück WM in den USA: "Da vergeht einem die Reiselust" t-online: Jeder, der aktuell in den USA lebt, wird von Leuten aus Deutschland gefragt, wie sehr man die WM im Alltag spürt. Wie sehr spüren Sie das Turnier in Ihrem Wohnort Los Angeles ? Mario Adrion: Man spürt es weniger als in Deutschland oder in Europa generell. Ich war 2018 in Kroatien , als die Mannschaft ins WM-Finale gekommen war. Dort hat das Leben in dem ganzen Land wegen des Fußballs pausiert. In Los Angeles ist das Turnier aber zweitrangig. Das Interesse an Fußball ist schon da, aber eher unter den Migranten. Ich habe sehr viele Freunde, die aus Mittel- und Südamerika oder Europa kommen. Für die ist die WM natürlich ein großes Thema, für Amerikaner eher weniger. Müssen Sie Ihren amerikanischen Bekannten auch noch die Regeln erklären oder klarmachen, wie bedeutend das Turnier für den Rest der Welt ist? Auf jeden Fall. Ich fühle mich dann so wie meine amerikanischen Freunde, wenn sie mit mir American Football schauen. Ich schaue auch gerne den Super Bowl , weil es ein cooles Event ist, aber eben nicht aus sportlichem Interesse. So geht es auch vielen Amerikanern mit Fußball. Ich muss ihnen dann erklären, was Abseits bedeutet oder warum ein Tor zurückgenommen wurde. Sie treten häufig in Fußballtrikots auf. Was bedeutet Ihnen der Sport? Ich habe früher selbst gespielt und freue mich immer, wenn die ganze Welt bei einer WM zusammenkommt. Interessanterweise verfolge ich Fußball wieder mehr, seit ich Deutschland verlassen habe. Als ich auf Tour in Deutschland war, bin ich mit meinen amerikanischen Freunden im Olympiastadion bei meinem Lieblingsverein Hertha BSC gewesen. Da habe ich mich wieder in diesen Sport und die Atmosphäre verliebt. Die Stimmung bei amerikanischen Sportveranstaltungen ist völlig anders als in Europa. In den USA ist alles viel mehr kommerzialisiert. Beim Fußball in Deutschland hat man viel mehr eine Verbindung zu den Fans und der Stadt. Diese Atmosphäre vermisse ich hier. In den USA werden ganze Sportmannschaften von einer in die andere Stadt verlegt. Der Hamburger SV kann aber nicht nach München umziehen. Während einer Weltmeisterschaft gibt es in Deutschland 82 Millionen Bundestrainer. Wie lautet die bisherige Bilanz von Bundestrainer Adrion? Ich bin wie gesagt Hertha-Fan. Deshalb bin ich mit recht wenigen Erfolgen zufrieden (lacht). Aber ich bin auch bei der Nationalmannschaft sehr optimistisch. Die Stimmung in Deutschland empfinde ich dagegen immer eher als pessimistisch. Das ist hier in den USA anders. Die Menschen gehen generell optimistischer durchs Leben? Ich mag das an den USA. Die Menschen sind in der Regel positiv, auch wenn das manchmal etwas realitätsfremd ist. Frag einen Amerikaner, wer die Fußball-WM gewinnen wird: Die meisten werden, ohne zu zögern, auf die USA tippen. Und Sie glauben an einen deutschen WM-Erfolg? Deutschland ist für mich ein wenig der Underdog. Es kann ein Vorteil sein, wenn niemand so richtig an dich glaubt. Sollte die Mannschaft im Achtelfinale auf Frankreich treffen und gewinnen, ist für mich alles möglich. Sie thematisieren in Ihrem Programm häufig, dass Deutsche eher wenig Sinn für Humor haben. Sehen Sie trotzdem einen deutschen Spieler, Trainer oder Experten, der besonders großes komödiantisches Talent hat? Thomas Müller hat definitiv Humor. Er zählt zu meinen absoluten Lieblingspersonen im Fußball. Denn er sagt, was er denkt, übrigens, auch wenn er Interviews auf Englisch gibt. Mein Eindruck ist, dass viele Deutsche in solchen Situationen ihre Gefühle eher unterdrücken. Thomas Müller tut das nicht. Man muss nur daran denken, dass er bei seinem Abschiedsspiel für den FC Bayern einen schlechten Witz erzählt hat. Vor dem Turnier gab es wie auch bei der vergangenen WM in Katar in Deutschland große Diskussionen wegen der politischen Situation hier in den USA, die Rede war gar davon, das Turnier zu boykottieren. Wie nehmen Sie das wahr? Ich glaube, dass diese Diskussion eine sehr deutsche ist. Ich verstehe auch die Gründe dafür, aber sobald eine WM losgeht, sollte der Sport im Vordergrund stehen. Ich halte es auch für wichtig, dass man während eines Turniers andere Themen ein wenig ausblenden kann. Auch die WM in Katar war abseits der politischen Diskussionen rein sportlich eines der interessantesten Turniere überhaupt. In Ihren Auftritten blenden Sie dagegen selten schwere Themen aus. Sie thematisieren nicht nur den Zweiten Weltkrieg oder den Holocaust, sondern auch die politische Situation in den USA. Wie schwer ist es, das als Comedian zu verarbeiten, ohne dass die Stimmung im Saal kippt? Das Land ist politisch in nahezu jeder Frage gespalten. Ich wähle in meinen Programmen nie eine Seite aus. Ich bin nicht dazu da, den Leuten zu sagen, was richtig oder falsch ist. Ich hatte schon viele Shows in den Südstaaten oder in Florida , wo Donald Trump lebt, wenn er nicht im Weißen Haus sitzt. Wie sind Sie dort angekommen? Ich habe gemerkt: Auch Republikaner lachen über Trump. Man kann überall Witze über ihn machen. Aber genauso veralbere ich eben auch das liberale Amerika. Wenn man über jeden Witze macht, kann sich niemand beschweren. Das kann Menschen zusammenbringen, egal wie dunkel sich manchmal die Welt anfühlt. Abgesehen von Trumps politischem Programm lässt sich auch nicht verneinen, dass er komödiantisches Talent hat. Trump ist einer der witzigsten Menschen der Welt. Ich glaube, er hätte ein großartiger Komiker werden können. Wenn ich auf der Bühne über Trump spreche, reicht es meistens aus, einfach nachzuerzählen, was er gesagt hat, damit die Leute lachen. Weniger witzig ist allerdings, dass er so viel politische Macht hat. Sie treten nicht nur in den USA, sondern auch in Europa oder Israel auf. Wie unterscheidet sich der Humor in den jeweiligen Ländern? Es gibt riesige Unterschiede. Das Publikum in Europa wirkt generell gebildeter. Witze über historische Ereignisse funktionieren dort sehr viel besser als in den USA. In Deutschland und Österreich kann ich kaum Witze über Hitler, den Holocaust oder meine jüdische Frau machen. Die Schuldgefühle wegen der deutschen Vergangenheit sind weiter sehr stark. Mich hat es selbst überrascht, dass Witze zu diesen Themen in Polen deutlich besser angekommen sind. Woran liegt das? Mein Eindruck war: Die Menschen dort brauchen den Humor. Er sorgt dafür, dass sie schwierige Dinge mental bewältigen können. In Israel war das ähnlich: Ich war vor meinem ersten Auftritt in Tel Aviv sehr nervös, weil ich auch nicht respektlos sein wollte. Aber ich habe in Israel gemerkt, dass die Menschen dort über die israelische Regierung, den Nahostkonflikt oder den Iran sehr wohl lachen können. Gibt es irgendeine Grenze, die Sie als Komiker nicht überschreiten würden? Wenn ich ein Thema interessant und relevant finde, möchte ich darüber sprechen. Ich würde etwa nicht so häufig die jüdische Kultur in meinen Programmen verarbeiten, wenn ich nicht mit einer Jüdin verheiratet wäre. Dieses Thema beschäftigt mich, andere dagegen eher weniger. Ich spreche etwa auf der Bühne selten über die Dinge wie die Diskriminierung von Schwarzen in den USA, weil ich dazu wenig sagen kann. Demnächst werde ich ein ganzes Programm über meine Zeit als Model machen. Auch darin wird es sehr düster werden. Sie haben öffentlich schon darüber gesprochen, dass Sie während dieser Zeit von einem Mann vergewaltigt wurden. In gewisser Weise wird dieses Programm noch dunkler als die bisherigen sein, weil es sehr persönlich ist. Es gibt vermutlich kaum ein Thema, über das so wenig gesprochen wird, wie über Vergewaltigungen. Aber es wird sehr spannend sein, ob ich es schaffe, als Comedian dabei die Balance zu finden. Selbst in Deutschland spielen Sie Ihre Programme auf Englisch. Macht es einen Unterschied, auf Englisch oder auf Deutsch witzig zu sein? Für mich ist es einfacher, auf Englisch witzig zu sein. Die Sprache ist für mich fast wie eine andere Rolle. Als ich in Deutschland gelebt habe, habe ich noch studiert: Ich kann auf Deutsch viel über Chemie, Mathematik oder Ingenieurswesen erzählen. Aber meine künstlerische Ader habe ich erst in den USA und auf Englisch entdeckt. Hier habe ich Schauspielkurse genommen und meine ersten Videos für YouTube gedreht. Deshalb assoziiert mein Gehirn witzig sein mit der englischen Sprache. Sie sagten einmal, dass Sie Deutschland als "funktionierende Demokratie mit einem intakten Sozialsystem" sehr schätzen würden. Könnten Sie sich vorstellen, irgendwann nach Deutschland zurückzukehren? Für mich persönlich ist das denkbar. Für meine Frau wäre es dagegen schwierig, weil sie kein Deutsch spricht. Aber solange ich weiter Comedy mache, ist Amerika vermutlich der beste Ort. Die USA sind ein großartiges Land, solange man genug Geld hat. Dann kann man sich hier Bildung, gute Lebensmittel und ärztliche Behandlung kaufen. Uns geht es gerade finanziell gut und wir können uns das leisten. Aber wenn wir irgendwann vielleicht etwas mehr Ruhe wollen, könnte ich mir schon vorstellen, nach Europa zurückzukehren. Allerdings vielleicht eher an einen Ort, der für englischsprachige Menschen besser geeignet ist, vielleicht Amsterdam oder Kopenhagen . Herr Adrion, vielen Dank für das Gespräch!



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