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Rentenerhöhung: Millionen Rentner sollen bei der Rente größere Last tragen

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Jahrzehntelang sind die Renten meist kräftig gestiegen. Nun will die Regierung die Rentenformel ändern und Erhöhungen stärker begrenzen. Jedes Jahr zum 1. Juli haben Deutschlands Rentnerinnen und Rentner Grund zur Freude. Denn in aller Regel steigen dann die gesetzlichen Renten – egal, ob es sich dabei um eine Altersrente, eine Witwenrente oder eine Erwerbsminderungsrente handelt. Auch 2026 winkt wieder ein sattes Plus von 4,24 Prozent. Schon in wenigen Jahren könnte das allerdings anders aussehen. Denn die Bundesregierung hat angekündigt, die Empfehlungen der Rentenkommission vollständig umzusetzen – und damit auch den Vorschlag, den sogenannten Nachhaltigkeitsfaktor in der Rentenanpassungsformel wieder greifen zu lassen. Am 2. Juli haben sich auch noch die Koalitionsfraktionen dazu bekannt, die Rentenvorschläge anzunehmen. t-online erklärt, was das jetzt bedeutet und was das für die Höhe Ihrer Rente bedeutet. Was soll sich bei der Rentenerhöhung ändern? Grundsätzlich sollen die Renten auch künftig an die Lohnentwicklung gekoppelt bleiben. Die Idee, die Rentenerhöhung von der Inflation abhängig zu machen, wurde damit verworfen. Steigen die Löhne, steigen also auch die Renten. Daran will die Kommission ausdrücklich festhalten. Gleichzeitig soll aber wieder stärker berücksichtigt werden, dass Deutschland altert und immer weniger Beitragszahler immer mehr Rentner finanzieren müssen. Dafür soll der Nachhaltigkeitsfaktor wieder wirken und sogar verschärft werden. 33 Empfehlungen: Die Beschlüsse der Rentenkommission im Wortlaut Hunderttausende betroffen: "Rente mit 63" steht vor dem Aus Was ist der Nachhaltigkeitsfaktor? Der Nachhaltigkeitsfaktor wurde bereits unter Rot-Grün eingeführt und ist Teil der Rentenanpassungsformel. Er führt dazu, dass die Renten etwas langsamer steigen, wenn sich das Verhältnis von Beitragszahlern zu Rentnern verschlechtert. Und das passiert derzeit, da aktuell und in den nächsten Jahren die geburtenstarken Jahrgänge, die sogenannten Babyboomer, nach und nach in den Ruhestand gehen. Vereinfacht gesagt können die Renten stärker steigen, wenn viele Beschäftigte wenige Rentner finanzieren, sie müssen aber langsamer steigen, wenn wenige Beschäftigte viele Rentner finanzieren. Damit werden die Kosten des demografischen Wandels nicht allein über steigende Rentenbeiträge auf die Arbeitnehmer abgewälzt. Diese Wirkung des Nachhaltigkeitsfaktors ist jedoch bis 2031 ausgesetzt, da die schwarz-rote Koalition das Rentenniveau bis zu diesem Zeitpunkt bei 48 Prozent stabilisiert hat . Das Rentenniveau beschreibt, wie hoch die Rente eines Durchschnittsrentners im Verhältnis zum Durchschnittseinkommen ist . Fällt das Rentenniveau aufgrund des demografischen Wandels unter die Marke von 48 Prozent, müssen die Renten per Gesetz so weit erhöht werden, bis die 48 Prozent wieder erreicht sind. Das passiert aktuell. Die Renten steigen also stärker, als sie es eigentlich laut der Rentenanpassungsformel dürften. Die Kommission empfiehlt nun, nach 2031 zu jährlichen Rentenanpassungen zurückzukehren, bei denen der Nachhaltigkeitsfaktor wieder greift – und zwar stärker als in der bisherigen Formel vorgesehen. Dadurch steigen die Renten auch künftig, aber etwas langsamer als die Löhne. So funktioniert die Verschärfung Die Verschärfung des Nachhaltigkeitsfaktors läuft über einen Stellhebel namens Alpha. Dabei handelt es sich um einen politisch willkürlich festgelegten Wert, der den Nachhaltigkeitsfaktor dämpft. Konkret regelt Alpha, zu wie viel Prozent die Veränderung des Verhältnisses zwischen Rentnern und Beitragszahlern bei der jährlichen Rentenerhöhung berücksichtigt wird. Aktuell hat Alpha den Wert 0,25 (also 25 Prozent). Laut der Kommission soll der Faktor "moderat auf 0,33 erhöht werden", um die Lasten der Alterung ausgewogener zwischen Rentnern und Beitragszahlern zu verteilen. Komplett ausgewogen wäre die Verteilung allerdings erst dann, wenn Alpha 0,5 betragen würde. Denn dann würden sich Rentner und Beitragszahler die Kosten im Verhältnis 1:1 teilen. Aktuell beträgt das Verhältnis 1:3 – Rentner tragen einen Teil der Last, Beitragszahler drei Teile. Wird der Vorschlag der Kommission umgesetzt, würde das Verhältnis 1:2 betragen. Grundsätzlich gilt: Je höher Alpha ist, desto stärker werden Rentenerhöhungen gedämpft und desto geringer fällt der Druck auf die Beitragszahler aus. Heißt das, dass Renten gekürzt werden? Nein. Die Wiedereinsetzung des Nachhaltigkeitsfaktors bedeutet keine Rentenkürzung . Sinkt die Zahl der Beitragszahler gegenüber der Zahl der Rentner, führt der Nachhaltigkeitsfaktor lediglich zu einer Kürzung der Rentenanpassung. Das bedeutet: Die Renten steigen weiterhin, allerdings weniger stark als ohne diese Reform. Ein Beispiel: Steigen die Löhne in einem Jahr kräftig, würde das normalerweise auch die Renten deutlich erhöhen. Wirkt der Nachhaltigkeitsfaktor stärker, kommt bei den Rentnerinnen und Rentnern aber nur ein Teil davon an. Aus einer theoretischen Rentenerhöhung von vier Prozent könnten dann beispielsweise nur 3,7 Prozent werden. Bei einer Monatsrente von 2.000 Euro wäre das ein Unterschied von sechs Euro im Monat: Statt auf 2.080 Euro würde die Rente nur auf 2.074 Euro steigen. Wer davon profitieren würde Profitieren werden vor allem Beschäftigte, Arbeitgeber und die jüngere Generation. Wenn Rentenerhöhungen künftig stärker gedämpft werden, kann das den Anstieg der Rentenbeiträge bremsen. Auch der Bundeshaushalt könnte entlastet werden, weil weniger Steuergeld in die Rentenkasse fließen müsste. Für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer hieße das: Ihr Beitrag zur gesetzlichen Rentenversicherung könnte langfristig weniger stark steigen. Rente mit 70: Welcher Jahrgang sie als erster erleben soll Wer die Reform besonders zu spüren bekäme Spüren würden die Reform vor allem heutige und künftige Rentnerinnen und Rentner. Ihre Renten würden zwar nicht sinken. Aber sie könnten langsamer wachsen – und damit bei steigenden Preisen weniger Kaufkraft gewinnen als erhofft. Besonders wichtig wäre das für Menschen, die kaum zusätzliche Altersvorsorge haben und stark von der gesetzlichen Rente abhängig sind. Für sie machen auch kleinere Unterschiede bei den jährlichen Rentenanpassungen über die Jahre viel aus. Allerdings ist die Reform der Rentenerhöhung nur eine Stellschraube innerhalb des Gesamtkonzepts. Kommen, wie von der Bundesregierung angekündigt, auch alle anderen Reformen, könnte das Versorgungsniveau unter dem Strich sogar höher ausfallen. Wie soll das Rentenniveau trotzdem steigen? Die Kommission empfiehlt eine neue gesetzliche Kapitalrente nach schwedischem Vorbild . Dafür sollen Beschäftigte und Arbeitgeber einen zusätzlichen Beitragssatz von insgesamt zwei Prozent einzahlen. Das Geld soll auf individuellen Konten am Kapitalmarkt angelegt werden. Durch diese kapitalgedeckte Komponente soll so viel zusätzliche Rente erwirtschaftet werden, dass die Einbußen bei der Rentenerhöhung der klassischen Rente mehr als wettgemacht werden. "Laut unseren Vorausberechnungen könnte der sogenannte Eckrentner im Mittel nach 20 Jahren Ansparzeitraum in der Kapitalrente auf 150 Euro mehr Rente monatlich kommen, nach 45 Jahren sogar auf über 770 Euro mehr", sagte Kommissionsmitglied Tabea Bucher-Koenen dem "Spiegel". Für Neurentner ab 2032, die noch nicht lange genug von der neuen Kapitalrente profitieren können, empfiehlt die Kommission einen Zuschlag. Dadurch soll verhindert werden, dass ihr gesamtes Rentenniveau niedriger ausfällt als nach geltendem Recht. Die Kosten für diesen Ausgleich sollen aus Steuermitteln finanziert werden.



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