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Июль
2026

Graham Platner: Ein Ex-Hoffnungsträger stürzt die Demokraten in die Krise

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Graham Platner sollte für die Demokraten eine der wichtigsten Wahlen bei den Midterms gewinnen. Doch nun wird er für die Partei zum Problemfall. David Schafbuch berichtet aus New York Am Montag hatte dann auch Bernie Sanders genug. Er habe soeben ein Gespräch mit Graham Platner geführt, schrieb der Senator von Vermont auf der Plattform X. Angesichts "schwerwiegender Vorwürfe" habe er Platner geraten, aus dem Wahlkampf um einen Senatorenposten des US-Bundesstaats Maine auszusteigen. Mit dieser Forderung war Sanders zu diesem Zeitpunkt nicht mehr allein: Auch andere prominente Namen der Partei, wie etwa Chuck Schumer, Ro Khanna oder Elizabeth Warren, hatten sich zuvor gegen die Kandidatur des 41-Jährigen gewandt. Wie Sanders hatten auch Khanna und Warren noch bis vor wenigen Wochen für Platner Wahlkampf gemacht. Graham Platner: Ex-Freundin erhebt Vergewaltigungsvorwürfe Trump im Weißen Haus: Alle Informationen im Newsblog Vorangegangen waren Vorwürfe einer 41-jährigen Frau, über die mehrere US-Medien berichtet hatten: Platner soll sich 2021 betrunken Zugang zu ihrem Haus verschafft und sie vergewaltigt haben. Der Demokrat bestreitet bislang die Darstellung und weist sie als falsch zurück. Gegen Platner waren in den vergangenen Monaten mehrfach Vorwürfe laut geworden. Viele betrafen seinen Umgang mit Frauen. Trotzdem hält er bislang an seiner Kandidatur für den Senat fest. Die jüngsten Vorwürfe gegen Platner beschädigen aber nicht nur ihn, sondern die gesamte demokratische Partei. Denn der 41-Jährige galt nicht nur als ein neuer Hoffnungsträger der Partei, sondern auch als Schlüsselfigur, um bei den Zwischenwahlen im November (den "Midterms") die republikanische Mehrheit im Senat zu kippen. Schlüsselrolle bei den Midterms Dieses ohnehin schon schwierige Vorhaben ist durch jüngste Anschuldigungen gegen Platner noch schwieriger geworden. Die Partei wird jetzt entweder mit einem schwer angeschlagenen Kandidaten in eine der wichtigsten Wahlen der Midterms gehen oder muss in kürzester Zeit eine neue, vorzeigbare Alternative finden. Bei den Midterms ist die Senatswahl in Maine von großer Bedeutung: Zurzeit besitzen die Republikaner von Präsident Donald Trump in der Kongresskammer eine Mehrheit von 53 zu 47. Um die Mehrheit zurückzuholen, müssten die Demokraten also alle ihre Sitze halten und vier weitere zurückerobern. Anders gesagt: Für die Partei muss es perfekt laufen. In Maine galten die Chancen, dass Platner den Posten von der Republikanerin Susan Collins übernehmen könnte, als besonders gut. Generell gilt der Staat im Nordosten der USA als eher den Demokraten zugeneigt: Das letzte Mal, dass dort etwa ein republikanischer Präsidentschaftskandidat gewonnen hat, war 1988. Bei der Präsidentschaftswahl 2024 gewann die Kandidatin der Demokraten, Kamala Harris , in Maine mit sieben Prozentpunkten vor Donald Trump. Bis zuletzt sahen viele politische Beobachter in Platner einen geeigneten Kandidaten, um die Wahl zu gewinnen. Dabei hat er kaum politische Erfahrung. Der 41-Jährige war bis zum vergangenen Jahr nur in der Kommunalpolitik seines Wohnorts Sullivan tätig gewesen. Vor Beginn seiner politischen Laufbahn diente Platner als Soldat im Irak und in Afghanistan . Infolge seiner Einsätze litt er an einer posttraumatischen Belastungsstörung. Ein nach seinem Militärdienst begonnenes Studium in der Hauptstadt Washington brach er ab. Platner ging zurück nach Maine, um dort Austern zu züchten. Es ist keine ungewöhnliche Tätigkeit in einem Bundesstaat, der für die Fischerei bekannt ist. Im vergangenen Jahr wurden dann mehrere Politstrategen durch ein Werbevideo seiner Austernzucht auf ihn aufmerksam: Sie sahen in Platner einen unverbrauchten Kandidaten, der authentisch eine linke Politik vertreten kann und Identifikationspotenzial für die Arbeiterklasse in Maine mitbringt. Entdeckt von Politprofis Zu Platners Entdeckern gehört Moris Katz, ein 27-jähriger Medienberater, der gezielt nach Anti-Establishment-Kandidaten für die Demokratische Partei sucht. Katz beriet in der Vergangenheit etwa John Fetterman, der 2023 die Senatswahl in Pennsylvania gewann. 2025 beriet er auch Zohran Mamdani, der gegen das Parteiestablishment die Bürgermeisterwahl in New York City gewann. Katz, der sich selbst als Unterstützer "populistischer Politik" bezeichnet, überzeugte Platner mit anderen Politstrategen zu einer Kandidatur. Schnell erhielt Platner die Unterstützung des linken Flügels der Partei. Allerdings wurden ähnlich schnell erste Vorwürfe gegen den politischen Neuling laut: Auf der Internetplattform Reddit hatte Platner in der Vergangenheit zahlreiche rassistische und frauenfeindliche Kommentare von sich gegeben. Zudem wurde öffentlich, dass er auf seiner Brust das Totenkopfemblem der SS tätowiert hatte. Die ersten Berichte konnte Platner entkräften: Die Bedeutung der Tätowierung, die er sich betrunken während seiner Zeit beim Militär habe machen lassen, sei ihm nicht bewusst gewesen. Er habe sich 2007 gemeinsam mit Kameraden für das Bild entschieden, weil er es in einem Tattooladen in Kroatien an einer Wand gesehen habe. Wofür der Totenkopf steht, habe er erst 2025 erfahren. Mittlerweile hat er sich das Bild übertätowieren lassen. Die Kommentare im Netz bezeichnete er als das Resultat seiner traumatischen Erfahrungen beim Militär. Schon zu diesem Zeitpunkt kam die Frage auf, ob Platners Entdecker seine Vergangenheit nicht ausreichend durchleuchtet hatten. Zu Beginn von politischen Kampagnen werden Politiker in der Regel durch das eigene Team gründlich auf Schwächen und Verfehlungen überprüft ("Vetting"). "Wütender junger Mann" Im Falle von Platner räumte sein Team allerdings ein, dass man es mit dem Vetting weniger genau genommen hatte. Tatsächlich wirkte es so, als sei sein Team der Meinung, die Vorwürfe würden auf Platners authentisches Image einzahlen. Dan Moraff, ein weiterer von Platners Entdeckern, sagte dem "Wall Street Journal" im Juni: "Ein Teil unserer These ist, dass die Menschen keine Kandidaten wollen, die wie im Labor gezüchtet wirken." Moris Katz sprach davon, dass die Parteistrategen überlegten, wie man "wütende junge Männer" wieder von den Demokraten überzeugen könne. In Platner habe man jemanden gefunden, der selbst ein "wütender junger Mann" war. Doch die Negativschlagzeilen über ihn rissen nicht ab. Im August 2025 wurde berichtet, dass der verheiratete Politiker Nachrichten sexuellen Inhalts mit anderen Frauen ausgetauscht habe. Im Juni hatten drei Frauen Platner in der "New York Times" Fehlverhalten in vergangenen Beziehungen vorgeworfen. Die Rede war damals von einschüchterndem Verhalten bis hin zu körperlicher Gewalt. Eine der Frauen berichtete dann am Sonntag in US-Medien, Platner habe sie vor einigen Jahren vergewaltigt. Platners Team überdenkt die Situation Der Demokrat hatte schon zuvor eingeräumt, dass er in seinen vorherigen Beziehungen Probleme gehabt habe. Er sei in der Vergangenheit gewiss nicht der beste Partner gewesen, weil er emotional nicht immer offen gegenüber seinen Freundinnen gewesen sei, sagte er jüngst dem "Wall Street Journal". Die Frage, ob er jemals körperliche Gewalt angewandt habe, verneinte er aber bislang vehement. Mit dem nun erhobenen Vergewaltigungsvorwurf schien allerdings das Vertrauen der Partei aufgebraucht zu sein. Platner selbst hatte am Sonntag in einer Videobotschaft angekündigt, dass er mit seinem Stab die aktuelle Situation überdenken werde, "um den besten Weg nach vorn" zu finden. Zurzeit sind auf seiner Webseite keine weiteren Wahlkampfauftritte angekündigt. Laut "New York Times" kündigte der Politiker am Montag in internen Gesprächen zwar keinen Rücktritt an. Allerdings habe er angedeutet, dass er sich bei der Frage, wer seine Kandidatur übernehmen könne, ein Mitspracherecht wünsche. Immer neue Vorwürfe Dass Platner schon zuvor bei demokratischen Wählern nicht unumstritten war, zeigen Zahlen des Siena Research Institutes: Demnach liegt er mit 49 Prozent der Stimmen leicht vor seiner Konkurrentin Collins, die auf 47 Prozent kommt. Gleichzeitig gaben aber 54 Prozent der Befragten an, dass sie sich eine demokratische Mehrheit im Senat in Washington wünschen. Die Zahlen lassen also vermuten: Der Wechselwille der Wähler ist größer als ihr Vertrauen in Platner. Für die Demokraten ist die Personalie Platner auch deshalb heikel, weil die Zeit drängt. Theoretisch kann er seine Kandidatur laut Vorgaben des Bundesstaats noch bis zum 13. Juli zurückziehen, damit er im November nicht auf den Wahlzetteln erscheint. Seine Partei hätte dann bis zum 27. Juli Zeit, einen Nachfolger zu bestimmen. Die Bestimmung eines Nachfolgers liegt in der Verantwortung der Demokratischen Partei: Ein festgeschriebenes Verfahren gibt es nicht. Öffentlich äußerte sich Platner am Montag nicht. Stattdessen wurden weitere private Details über den Kandidaten der Demokraten öffentlich. Eine Ex-Freundin warf ihm in der "Washington Post" vor, er habe mehrfach während des Geschlechtsverkehrs gegen ihren Willen das Kondom abgezogen. In mehreren US-Bundesstaaten (und in Deutschland) ist dieses Verhalten strafbar. Platners Team wies die Vorwürfe in einer Erklärung als "kategorisch falsch und politisch motiviert" zurück.



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