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Zum Tod von König Harald V. von Norwegen: Er war da, wenn es wehtat

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Er blieb, wenn es stürmte: bei der Frau, die er unbedingt heiraten wollte, bei den Trauernden nach dem Amoklauf von Utøya, auf dem Thron. Harald V. regierte Norwegens Monarchie nicht mit Glanz, aber mit Präsenz. Prinzessin Astrid schilderte die Szene später in einer norwegischen Dokuserie so: Im März 1968 nahm ihr Vater, König Olav, die Zeitung in die Hand und fluchte. Kronprinz Harald werde sich verloben, stand da, und zwar mit Sonja Haraldsen aus Oslo. Astrid erfuhr in diesem Moment, dass ihr Bruder, der Kronprinz, seit neun Jahren eine Freundin hatte. Neun Jahre hatte Harald geschwiegen, gewartet und sich geweigert, eine andere zu nehmen, obwohl manche der Monarchie den Untergang voraussagten, sollte der Thronfolger eine Bürgerliche heiraten. "Ich hatte ein schlechtes Gewissen meinem Vater und Norwegen gegenüber. Ich tat irgendwie etwas Falsches", erinnerte sich König Harald später in derselben Dokumentation. Am 19. März 1968 gab König Olav schließlich nach, am 29. August heirateten Harald und Sonja im Osloer Dom. Er wurde 89 Jahre alt: Norwegens König Harald V. ist tot Wer verstehen will, was dieser Mann für sein Land war, muss bei dieser Geschichte anfangen. Harald war kein Draufgänger und kein Rebell. Sondern einer, der zu seiner Entscheidung stand. Unerschütterlich. In Norwegen ist das mehr als ein Charakterzug: Erst 1905 stimmten die Norweger darüber ab, ob sie überhaupt einen eigenen König wollten, und holten sich einen dänischen Prinzen, Haralds Großvater. Was sich ein Volk geben kann, kann es sich auch wieder nehmen. Harald hielt die Krone 35 Jahre lang, nicht mit Glanz, sondern mit seiner unerschütterlichen Präsenz: Er blieb stehen, wenn es stürmte. Sein Leben begann mit einer Flucht. Am 21. Februar 1937 auf Gut Skaugum geboren, der erste in Norwegen geborene Prinz seit 567 Jahren, war er drei Jahre alt, als die Wehrmacht einmarschierte. Nach Monaten in Schweden folgten fast fünf Jahre Exil in der Nähe von Washington . Als Achtjähriger ging er im Juni 1945 wieder in Oslo an Land, am Kai wartete sein Vater. Als die Regierung 2017 zum 80. Geburtstag ein Festessen in der Osloer Oper gab, fasste Harald sein Leben in einem Satz zusammen: "Vom Kind auf der Flucht zum reifen Monarchen." Der König und das Meer Das Meer lehrte ihn den Rest. Mit zehn setzte ihn der Vater, Olympiasieger im Segeln von 1928, ins Boot. Dreimal segelte auch Harald bei den Olympischen Spielen und wurde 1987 vor Kiel Weltmeister. Eine Nacht im Juni 2010 erzählt mehr über ihn als jeder Pokal: Færder-Regatta, Regen, Kälte, kaum Wind, rund hundert Boote geben auf. Die "Fram XVI" mit dem 73-jährigen König als Taktiker wählte den klügeren Kurs und erreichte um 2.23 Uhr als Erste ihrer Klasse das Ziel. Ein Segler besiegt keinen Sturm. Er hält Kurs, bis er vorbei ist. An Land dauerte es länger, bis man ihn sah. Als junger König stand Harald im Schatten seines verehrten Vaters und bald auch seiner Frau, deren Kunstsinn die Herzen schneller gewann als seine höfliche Zurückhaltung. Das änderte sich in einem Alter, in dem andere den Ruhestand genießen, durch zwei Reden. Am 22. Juli 2011 sah er auf seinem Ferienhof Mågerø die Nachrichten im Fernsehen, so wie die anderen Norweger. Ein Rechtsextremist war dabei, 77 Menschen im Regierungsviertel und auf der Insel Utøya zu töten. Die Medien berichteten schon, während der Amoklauf noch andauerte. Die erste Ansprache dazu nahm der König im Keller auf; zu dem Zeitpunkt war nicht klar, wer und was hinter dem Anschlag steckte, die Gefahr nicht gebannt. Daher sollte niemand wissen, wo er sich aufhielt. "Wir wollten die Truppen sammeln", sagte er später im Gespräch mit "Aftenposten"-Chefredakteur Harald Stanghelle, "und mit Truppen meine ich das norwegische Volk". Am nächsten Tag stand er in Sundvolden zwischen Überlebenden und Angehörigen. Nie habe er sich so machtlos gefühlt, erinnerte er sich danach. Einen Monat später sagte er bei der nationalen Gedenkfeier, als Vater, Großvater und Ehemann könne er die Tiefe des Schmerzes nur erahnen. Dabei brach ihm die Stimme. Ein König für alle Fünf Jahre später erklärte er bei einem Gartenfest zu seinem 25. Thronjubiläum, was Norwegen und die Norweger ausmacht: Norweger seien Mädchen, die Mädchen lieben, Jungen, die Jungen lieben, und Mädchen und Jungen, die einander lieben; sie glaubten an Gott, Allah, das Universum und an nichts. Er selbst sei ein Enkel von Einwanderern, sagte er, seine Großeltern kamen vor 110 Jahren aus Dänemark und England. König zu sein hieß für ihn, König für wirklich alle Norweger zu sein. Und er konnte über sich lachen, sogar über seinen Tod. 2017 meldete die Agentur NTB diesen versehentlich. Beim traditionellen Festessen für die Abgeordneten sagte er zur Eröffnung, das Gerücht sei stark übertrieben, gestorben sei an diesem Abend nur der Elch auf der Speisekarte. Stürmische Zeiten für die Königsfamilie Die letzten Stürme kamen von innen: die noch nicht rechtskräftige Verurteilung seines Stiefenkels Marius Borg Høiby . Die bekannt gewordene Freundschaft seiner Schwiegertochter Mette-Marit zu dem verurteilten US-Sexualstraftäter Jeffrey Epstein und ihre Lungentransplantation. Das kranke Herz seiner Frau. Sein eigenes. Und dennoch: König Harald blieb König. Hielt aus. Königin Beatrix der Niederlande , König Albert II. von Belgien , König Juan Carlos von Spanien , Königin Margrethe II. von Dänemark: Sie alle dankten ab. Harald nicht. Er habe einen Eid auf die Verfassung geschworen, sagte er: "Für mich gilt er lebenslang." Noch im Mai 2026 absolvierte er drei Tage lang Gemeindebesuche in Westnorwegen, mit 89, an Krücken und allein, weil Königin Sonja herzkrank zu Hause bleiben musste. Was bleibt, ist seine Haltung: dableiben, auch wenn es schwer wird, und nicht gehen. Gelernt hat Harald diese Haltung in den neun Jahren, in denen er auf Sonja wartete, weil er keine andere wollte. Ohne seine Frau, sagte er zu seinem 80. Geburtstag, hätte er das alles nicht geschafft. Am Samstag, dem 29. August, hätten sie ihren 58. Hochzeitstag gefeiert. Am Freitag zuvor starb Harald V. mit 89 Jahren im Osloer Rikshospitalet.



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