Deutsche Nationalbibliothek: Nationalbibliothek feiert Jubiläum - Kommt Erweiterungsbau?
Die Deutsche Nationalbibliothek feiert das 110-jährige Bestehen ihres Gründungsbaus in Leipzig. Dabei rückt auch die geplante Erweiterung wieder in den Fokus.
Die Deutsche Nationalbibliothek in Leipzig ist zuversichtlich, dass im Herbst eine Entscheidung für ihren geplanten Erweiterungsbau fällt. Dann wird der Bundestag voraussichtlich den Haushalt 2027 beschließen. Kulturstaatsminister Wolfram Weimer hat das Vorhaben in den Regierungsentwurf für den Bundeshaushalt eingebracht, wie eine Sprecherin mitteilte. Noch im Frühjahr hatte Weimer einen vorläufigen Stopp für das Projekt verkündet - und erheblichen Widerspruch damit ausgelöst.
„Wir blicken gespannt auf den Abschluss der parlamentarischen Beratungen zum Bundeshaushalt, die derzeit noch andauern“, teilten Generaldirektor Frank Scholze und der Direktor des Leipziger Standorts der Nationalbibliothek, Johannes Neuer, mit. Im Regierungsentwurf seien die Mittel für den Beginn des Baus vermerkt, inklusive Finanzzusagen für die Folgejahre. „Wir werten das als positive Zeichen für eine Finanzierung des Erweiterungsbaus, die hoffnungsvoll in der benötigten Höhe verabschiedet wird.“
Vorläufiger Stopp im März verkündet
Im März hatte die Bibliothek überraschend mitgeteilt, dass Weimer sich gegen die Realisierung des lange geplanten, fünften Erweiterungsbaus entschieden habe. Dieser soll langfristig Platz schaffen, um Bücher und andere Medien sammeln und aufbewahren zu können. Die Magazinkapazitäten in Leipzig sind nahezu erschöpft.
Weimer hatte den vorläufigen Stopp mit der unsicheren Haushaltslage des Bundes begründet. Er strebe zudem an, die Pflichtexemplare für die Nationalbibliothek zukünftig möglichst digital zu sammeln. Das sei ein Beitrag zum Bürokratieabbau. Die Ankündigung kam kurz vor der Leipziger Buchmesse - bei der Eröffnung der großen Bücherschau wurde der Kulturstaatsminister, auch wegen anderer Querelen, ausgepfiffen.
Die Deutsche Nationalbibliothek archiviert seit 1913 sämtliche Publikationen in deutscher Sprache. Sie hat Standorte in Leipzig und Frankfurt - dort wird jeweils ein Belegexemplar gesammelt. Täglich gehen nach ihren Angaben rund 13.100 neue Werke ein, davon 3.300 in analoger und 9.800 in digitaler Form.
Denkmalgeschützter Gründungsbau feiert Jubiläum
In Leipzig wird in dieser Woche das 110-jährige Bestehen des historischen Bibliotheksgebäudes gefeiert. Der Gründungsbau der damaligen „Deutschen Bücherei“ war am 2. September 1916 eingeweiht worden. Am Jubiläumstag können Besucherinnen und Besucher an Führungen teilnehmen und hinter die Kulissen des denkmalgeschützten Gebäudes schauen.
Der fünfte Erweiterungsbau in Leipzig soll den Planungen zufolge rund 17.000 Quadratmeter Nutzfläche haben und Platz für 148 Regalkilometer bieten. Rund 35,5 Millionen weitere Medienwerke könnten dort gesammelt werden - das entspricht den erwarteten Zugängen für die nächsten 30 Jahre.
156 Millionen Euro Gesamtkosten für Erweiterungsbau
Kulturstaatsminister Weimer teilte auf Anfrage mit, dass mit dem Vorhaben 2027 begonnen werden könnte - sofern der Bundestag den Haushalt wie geplant beschließt. Die Gesamtkosten des Baus würden bei 156 Millionen Euro liegen.
„Die im Regierungsentwurf 2027 vorgesehenen Mittel sind ein wichtiges Signal. Sie zeigen, dass der Bund zu seiner Verantwortung steht, die wertvollen Bestände der Deutschen Nationalbibliothek auch für kommende Generationen zu sichern“, erklärte Weimer. Die Nationalbibliothek werde damit fit für die Zukunft gemacht.
Gleichwohl strebt der Beauftragte für Kultur und Medien weiterhin eine Novellierung des Gesetzes über die Deutsche Nationalbibliothek an. Die Reform solle es der Einrichtungen ermöglichen, flexibler auf weitere digitale Entwicklungen zu reagieren. Dabei werde auch darüber beraten, wie die sogenannten Pflichtablieferungen von Werken an die Nationalbibliothek in Zukunft aussehen soll.
