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Август
2026

Volkswagen in der Krise: Was die Börse über den Sanierungsfall VW verrät

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Neun Betriebsversammlungen am Stück machen das Ausmaß der Krise bei VW sichtbar. Beschäftigte und Aktionäre sind frustriert. Aus unterschiedlichsten Gründen. Die Politik mauert. Wie soll da ein Weg aus der Misere führen? VW streicht weitere Stellen. Das wurde vergangene Woche klar. Aber das allein ist noch keine Strategie. Was sich auch an der Skepsis der Kapitalmärkte zeigt. Doch wie soll es weitergehen zwischen Markt, Wettbewerb, Politik und Neuausrichtung? Deutsche Automobilaktien stehen seit Längerem unter Druck. Investoren wollen Antworten auf die Frage, wie die Branche sich in Zukunft auf dem Weltmarkt behaupten will. Volkswagen gibt anscheinend eine besonders unzureichende Antwort: Die Aktie verliert in diesem Jahr 30 Prozent. Auf Sicht von fünf Jahren sogar mehr als 60 Prozent. Zum Vergleich: BMW und Mercedes sind in diesem Jahr ähnlich stark gebeutelt, sie verlieren auf der Langstrecke jedoch "nur" ein Viertel ihres Wertes. Damit hat die Börse eine relativ strenge Antwort gegeben, was von der bisherigen Restrukturierung zu halten ist und wie Investoren die Zukunftsfähigkeit des Wolfsburger Konzerns beurteilen. Keine Lösung in Aufsichtsratssitzung Spätestens seit dem Frühjahr versucht der Vorstand um CEO Oliver Blume , das Ruder herumzureißen. Zu den bereits angekündigten 50.000 Stellenstreichungen sollten weitere kommen, Werksschließungen wurden diskutiert. Doch eine Aufsichtsratssitzung im Juli brachte keine Entscheidung, sondern nur eine weitere Verzögerung, weil die Vertreter von Politik und Betriebsrat und IG Metall gegen die Sanierung stimmten. Zumindest aus Sicht der Belegschaft auf den ersten Blick verständlich. Sie fordert zu Recht mehr Informationen. Wie viele Stellen werden noch gestrichen? Werden tatsächlich Werke zugemacht? Werksschließungen wären für VW – zumindest in Deutschland – ein Novum. Perspektiven-Suche geht weiter Werksschließungen seien die "letzte und teuerste Lösung", hat VW-CEO Oliver Blume kürzlich gesagt. Das wird man in Emden , Hannover und Zwickau sowie bei Audi in Neckarsulm sehr genau registriert haben; es löst die Sorgen der Belegschaft dort aber immer noch nicht. In den nächsten sechs bis zwölf Monaten sollen belastbare Perspektiven her. Aber woher? Vergangene Woche fanden nun neun Betriebsversammlungen statt, die aber nur in Teilen etwas Licht ins Dunkel brachten: Weitere 50.000 Stellen stehen zur Disposition. Die Hälfte in Deutschland. Und das in einer Zeit, in der der Konzern die Mitarbeiter hinter sich bringen muss , um sie zu motivieren. Denn der Wettbewerb ist so rau wie nie zuvor und bei VW müssen die Kosten um mindestens 20 Prozent runter. Zugleich muss man weiter investieren. Denn China verkauft immer mehr Autos. Unrealistische Margenziele? Trotz allem gibt der Vorstand neue Margenziele aus: Die aktuell 3,8 Prozent sollen sich ungefähr verdreifachen. Denn diese Zahl heißt: An einem Auto mit einem Preis von 30.000 Euro verdient VW 1.140 Euro. Erschreckend wenig. Eine Verdreifachung der Gewinnmarge war bei VW aber selbst in guten Zeiten nicht drin. Fragt man Automobil-Experten, so halten sie sieben Prozent für realistischer – und auch das längst nicht über Nacht. Dafür wären einschneidende Entscheidungen notwendig, doch die scheitern bislang – siehe die letzte Sitzung – am Aufsichtsrat. Neben den Arbeitnehmervertretern ist die Politik da ein starker Hebel, namentlich das Land Niedersachsen. Es hat seit über 60 Jahren erhebliche Mitspracherechte im Konzern. Die sichert ihm das sogenannte VW-Gesetz aus dem Jahr 1960. Für richtungsweisende Entscheidungen ist laut Gesetz eine Mehrheit von vier Fünfteln der Mitglieder erforderlich, im Aufsichtsrat wie in der Hauptversammlung. Niedersachsen besitzt nämlich gut 20 Prozent VW-Anteile. Damit kann Niedersachsen stark mitbestimmen und Entscheidungen gegebenenfalls blockieren. Mächtige Politik teilt gegen VW aus Aber wäre es nicht an der Zeit, dieses VW-Gesetz, das bereits abgemildert wurde, gänzlich zu überdenken? Politik sollte Wahlen gewinnen, weil sie gute Rahmenbedingungen schafft für die Menschen und ihre Region. Nicht, weil sie Unternehmen ihrer Region die Bedingungen ihres Wirtschaftens diktiert aus Sorge vor der nächsten Wahl. Stattdessen teilt Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD), der immerhin selbst vor seiner Politikkarriere drei Jahre als Ingenieur gearbeitet hat, gegen das Management aus, nennt Werksschließungen "keine Zukunftslösung". Was ist denn seine Lösung? Und jetzt rollt auch noch Mutter EU mit neuen Plänen an: Sie will eine Allianz gegen den mächtigen Wirtschaftsstandort China und seine billigen, weil staatlich subventionierten, E-Autos schmieden. Mit Großbritannien , Japan und Südkorea will die EU gemeinsame Subventionen in Form von Kaufanreizen anbieten und Chinas Hybrid-Autos wie schon die E-Autos mit Importzöllen belegen. Weil andere Länder wie Kanada und die USA diesen Weg schon gegangen sind, landen Chinas Autos in der EU. Doch die kann nicht so viel aufnehmen, schon gar nicht, ohne der eigenen Produktion zu schaden. Zölle belasten gerade die Autobranche besonders Sind Zölle und Subventionen der richtige Weg? Darüber kann man trefflich streiten. Ich sehe ein "Wie-du-mir-so-ich-dir" kritisch. Zölle sind auch ein Zeichen von Schwäche und Hilflosigkeit. Wir merken als Volkswirtschaft Deutschland gerade, wie belastet wir von den US-Zöllen sind – gerade die Automobilbranche und VW. Subventionen sind keine Strategie für die Zukunft. Genauso wenig wie es lediglich Kosteneinsparungen in Unternehmen sind. Für die Beschäftigten bei VW zählt Perspektive. Und auch eine Belohnung, sollten sie weitere notwendige Einschnitte mittragen. Dazu muss das Management erklären, was Sache ist. Zu welchem Preis, mit welchen Aussichten. Ohne die Belegschaft geht es nicht. Für VW zählt, sich wirtschaftlicher aufzustellen, ohne politischen Gegendruck. Machtkampf beenden! Beschäftigte, Politik und Vorstand treffen sich demnächst wieder bei der Aufsichtsratssitzung. Im Juli war keine Lösung zu erreichen. Einen weiteren Machtkampf zwischen den drei beteiligten Parteien kann sich VW nicht leisten, die Zeit drängt. Eine Lösung sollte möglich sein. Ansonsten bleibt nur die außerordentliche Hauptversammlung. Dort würde die Aktienmehrheit die Sanierung durchdrücken können. Muss es wirklich so weit kommen? Alternativ bleibt für den VW-Vorstand diese Mammutaufgabe: Die Menschen in den Werken hinter sich bringen und mitnehmen im Prozess, sich neu zu erfinden. Die Kosten zu senken. Modelle und Märkte zu überdenken, um strategisch besser aufgestellt zu sein, um mehr Gewinn und mehr Absatz zu erzielen mit Autos, die begehrt sind. Und einen Gegner auf Abstand zu halten, der die meisten dieser Probleme nicht hat.



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