Sachsen-Anhalt: AfD siegt – Regierungsbildung dürfte schwierig werden
Das vorläufige amtliche Ergebnis zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt ist erschienen. Die AfD gewinnt eindeutig, hat jedoch eine Mehrheit verfehlt. Die AfD mit ihrem Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund hat die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt mit großem Vorsprung gewonnen, die absolute Mehrheit aber verpasst. Wie die Landeswahlleitung in der Nacht zum Montag in Halle an der Saale mitteilte, erreichte die vom Landesverfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestufte Partei 43,8 Prozent der Stimmen. Eine Regierungsbildung dürfte jedoch angesichts der Sitzverteilung schwierig werden. Die CDU mit Ministerpräsident Sven Schulze kommt mit herben Verlusten deutlich hinter der AfD auf Platz zwei (17,2 Prozent). Newsblog zur Wahl in Sachsen-Anhalt: Alle aktuellen Meldungen Koalitionsrechner für Sachsen-Anhalt: Wer könnte in Magdeburg regieren? Die SPD liegt mit 9,3 Prozent knapp vor den Grünen mit 8,9 Prozent und den Linken mit 8,6 Prozent. Das BSW hat die Fünfprozenthürde knapp genommen und kommt auf 5,3 Prozent. Die FDP scheidet hingegen mit 2,6 Prozent aus dem Landtag aus – die Liberalen waren zuletzt bundesweit nur noch in sechs der 16 Landesparlamente vertreten. Im Vergleich zur Landtagswahl vom 6. Juni 2021 konnte die AfD ihr Zweitstimmenergebnis um 23,0 Prozentpunkte mehr als verdoppeln. Die CDU brach hingegen deutlich um 19,9 Punkte ein. Die SPD konnte um 0,9 Punkte leicht zulegen, während die Grünen sich um 3,0 Punkte verbesserten und die Linke 2,4 Punkte verlor. Das BSW war vor fünf Jahren noch nicht angetreten. Die FDP rutschte deutlich um 3,8 Punkte ab. Von den insgesamt 83 Sitzen im Landtag von Sachsen-Anhalt gehen 39 an die AfD und 15 an die CDU. Die SPD, die Grünen und die Linke erhalten demnach jeweils acht Mandate. An das BSW gehen fünf Sitze. Die absolute Mehrheit von 42 Mandaten verpasste die AfD damit. Die anderen Parteien erreichten zusammen 44 Sitze. Fast alle der 41 Direktmandate gingen an die AfD, lediglich einen Wahlkreis in Magdeburg und zwei weitere in Halle gewann die Linke. Schwierige Regierungsbildung Die Regierungsbildung dürfte äußerst schwierig werden. Die AfD könnte zwar mit allen anderen in den Landtag eingezogenen Parteien eine Zweierkoalition mit klarer Mehrheit bilden, allerdings lehnen sämtliche Parteien dies ab. Lediglich das BSW zeigt sich offen für eine Zusammenarbeit mit der AfD in Sachfragen, favorisiert allerdings einen "überparteilichen Ministerpräsidenten", also weder Siegmund noch Schulze. Aus diesem Grund dürfte auch eine von der CDU geführte und von der Linken sowie dem BSW tolerierte Minderheitsregierung mit SPD und Grünen ausscheiden. AfD-Spitzenkandidat Siegmund will nur mit einer Mehrheit regieren, was auch eine AfD-Minderheitsregierung ausschließen würde . AfD-Bundeschefin Alice Weidel bezeichnete indes "ein Regierungsszenario mit dem BSW" als "sehr interessant" und eine Minderheitsregierung als "relevante Option". Die Wahlbeteiligung erreichte mit 77,8 Prozent ein Allzeithoch. Der bisherige Rekord waren 71,7 Prozent im Jahr 1998 gewesen.