VAE soll Netanjahu vor Hamas-Angriffen vom 7. Oktober gewarnt haben
Neue Vorwürfe gegen Benjamin Netanjahu. Laut israelischen Medien soll der Premier 2023 auf mögliche Hamas-Angriffe hingewiesen worden sein. Kurz vor den Parlamentswahlen in Israel Ende Oktober hat die israelische Zeitung "Haaretz" schwere Anschuldigungen gegen den amtierenden Regierungschef Benjamin Netanjahu erhoben. Demnach habe der Präsident der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) Mohammed bin Sajid eineinhalb Wochen vor dem verheerenden Terrorüberfall vom 7. Oktober 2023 Netanjahu telefonisch kontaktiert und gewarnt, dass die Hamas "eine großangelegte Operation gegen Israel plane". Diese könne die ganze Region "destabilisieren", so die Zeitung weiter. Netanjahu wies den Bericht der Zeitung zurück und erklärte: "Das ist eine absolute Lüge." Analyse: Israels Armee beendet weitere Angriffswelle Stille Diplomatie: Netanjahu reist heimlich in die VAE Die Hamas hatte Israel am 7. Oktober 2023 vom Gazastreifen aus überfallen. Bei der Terrorattacke wurden rund 1.200 Israelis ermordet und mehr als 250 weitere in den Gazastreifen verschleppt. Viele von ihnen starben in der Geiselhaft. Der Überfall gilt als Auslöser des zweijährigen Gaza-Kriegs. US-Präsident Donald Trump hatte zuletzt eine Waffenruhe vermittelt, doch setzt Israel vereinzelt Angriffe fort. Die Terrorattacke der Hamas gilt als traumatisches Ereignis weit über Israel hinaus. Auch CIA war eingeweiht Israel und die Vereinigten Arabischen Emirate sind seit 2020 über das sogenannte Abraham-Abkommen verbunden. Es regelt unter anderem die Aufnahme von diplomatischen Beziehungen. Doch haben die Angriffe der Luftwaffe der USA und Israels auf den Iran seit Februar neue Spannungen ausgelöst. Die nun von "Haaretz" veröffentlichten Vorwürfe treffen vor allem Netanjahu. Die angesehene Zeitung stützt sich dabei auf drei Quellen aus dem Umfeld des VAE-Herrschers. "Bin Sajiid sagte Netanjahu, Israel sollte auf alles gefasst sein", zitierte "Haaretz" eine Quelle. Doch zu dessen Überraschung habe der Likud-Politiker den Hinweis "sehr ruhig" aufgenommen. Nach Angaben der Informanten habe bin Sajid nach dem 45 Minuten langen Telefonat mit Netanjahu auch den damaligen CIA-Chef William J. Burns über seine Erkenntnisse informiert. Doch auch dessen Intervention bei Netanjahu sei folgenlos geblieben. Die Angaben von "Haaretz" lassen sich nicht unabhängig überprüfen. Netanjahu ist seit 2022 zum dritten Mal Premierminister Israels. Er muss sich am 27. Oktober Neuwahlen stellen. Im Nahostkonflikt gilt der Likud-Politiker als Hardliner. So hatte Israels Armee Ende Februar auch an der Seite Trumps am Krieg gegen den Iran teilgenommen. Erst Anfang September hatte Netanjahu das Ziel eines Regimewechsels in Teheran bekräftigt und einen Sturz der iranischen Führung als "die wichtigste Aufgabe, die noch vor uns liegt" bezeichnet. Er sei fest überzeugt, dass dies möglich sei, sagte Netanjahu nach Angaben seines Büros. Diese Aufgabe sei "nah", sagte er demnach. "Sie ist nicht unmöglich. Sie liegt in unserer Reichweite."