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"Kein Wort": Gustav Mahler und die Gefahr des Schweigens

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Maren Eggert und Jona Levin Nicolai brillieren als Mutter und Sohn, deren Beziehung unter fehlender Kommunikation leidet. Nachdem sich der Schüler vermeintlich das Leben nehmen wollte, versucht die schwer beschäftigte Dirigentin, zu ihrem Kind durchzudringen. Gibt es einen Weg aus der Wortlosigkeit?

"Manchmal ist es besser, wenn man Sachen nicht ausspricht" – "Für wen ist das besser?" – Es sind geradezu kathartische Worte, die reichlich spät fallen in "Kein Wort" (2024), einem so berührenden wie beklemmenden Mutter-Sohn-Drama der deutsch-slowenischen Regisseurin und Drehbuchautorin Hanna Slak. Die ARD wiederholt den Film Sonntagnacht, in der Mediathek ist es für einen Monat ebenfalls abrufbar. Das kammerspielartige Werk veranschaulicht schmerzhaft, wohin fehlende Kommunikation führen kann. In den Hauptrollen brillieren Maren Eggert und der junge Jona Levin Nicolai.

Wie geht es dir heute, wie war es in der Schule, was möchtest du essen? Dass darauf selten Antworten kommen, kennen die meisten Eltern von Teenagern. Nina (Eggert), erfolgreiche Dirigentin und vom Vater ihres Sohnes Lars (Nicolai) getrennt, scheint allerdings auch nicht wirklich interessiert an den Antworten. Sie steckt mitten in den Proben zu Mahlers Fünfter Symphonie. Ist sie gerade nicht im Konzerthaus, dann ist sie dennoch gedanklich dort. Ständig klingelt ihr Telefon, und sie geht immer ran.

Die Musik sei für Nina "eine Welt, der sie ungeteilt ihre Aufmerksamkeit zur Verfügung stellen muss und auch möchte", sagt Maren Eggert. "Dadurch kann das Verhältnis zur Umgebung manchmal ziemlich schwierig werden." Doch dann geschieht etwas, das sie dazu zwingt, ihrem Sohn Aufmerksamkeit zu geben.

Lars ist in der Schule aus dem Fenster gestürzt – ein Unfall, behauptet er. Nina glaubt ihm nicht. Und sie erkennt, dass sie zu ihm durchdringen muss, um eine Katastrophe zu verhindern. Einiges deutet darauf hin, dass Lars' emotionaler Zustand mit dem kürzlichen Mord an einer Mitschülerin zusammenhängt.

Und immer wieder Mahler

Für einen Tapetenwechsel fahren Mutter und Sohn auf die bretonische Insel Belle-Île-en-Mer, wo sie sonst Sommerurlaub machen. Doch jetzt herrscht Winter, die "schöne Insel im Meer" ist rau, grau und ungemütlich. Der perfekte Rahmen für das stille Drama zwischen Mutter und Sohn. Der Versuch, das Schweigen zu brechen, wird für Nina zur Herausforderung. Lars bleibt verschlossen – verständlich, nimmt er seiner Mutter die plötzliche Sorge offenbar übel.

Neben Nina, Lars und der Insel spielt Mahlers Fünfte Symphonie, die schon in "Tod in Venedig" große Wirkung entfaltete, die vierte Hauptrolle in diesem meisterhaft inszenierten Film. Die einsame Überfahrt der beiden auf der Fähre, ohne hörbaren Dialog, nur dank Mimik und Gestik verständlich, vor Mahlers dramatischer Musik, ist ein genialer Kunstgriff und erinnert an alte Stummfilme in Schwarzweiß. Andere Szenen des Films wecken Assoziationen zu Terrence Malicks preisgekröntem Meisterwerk "The Tree of Life", das ebenfalls Naturbilder und orchestrale Musik zu einer imposanten Filmsymphonie verschmelzen ließ.

Filmadaption von Mahlers Fünfter

Die Handlung von "Kein Wort" versteht sich als filmische Adaption von Mahlers Fünfter. Er habe den Tod seiner Geschwister und seines Kindes in seinem Werk immer wieder thematisiert, erklärte Regisseurin und Autorin Hanna Slak zur Veröffentlichung des Films 2024. "Meine Idee war es, seiner musikalischen Erzählung durch die emotionale Dunkelheit, die Verzweiflung, hin zur Liebe und zum Licht zu folgen. Die Fünfte Symphonie beginnt mit einem steifen und pompösen Trauermarsch. Die Steifheit löst sich auf, die Musik durchläuft Wut, Neurose, Verzweiflung, Hingabe... bis hin zur Bejahung des Lebens im Rondo Finale, dem vielleicht freudigsten und befreiendsten Stück in Mahlers Musik."

Doch auch ohne das Wissen um diesen Hintergrund entfaltet Hanna Slaks kunstvolle Komposition aus Bild, Musik und der behutsamen Annäherung von Mutter und Sohn eine viele Sinne ansprechende Wirkung, die noch lange nachhallt. Ganz wie Mahlers musikalisches Großwerk.

"Kein Wort" – So. 20.09. – ARD: 00.10 Uhr




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