Nordkorea hat erneut eine ballistische Rakete Richtung Ostmeer abgefeuert – der zweite Start innerhalb weniger Tage. Südkorea reagierte mit einer Krisensitzung. Nordkorea hat am Sonntag eine ballistische Kurzstreckenrakete von Wonsan in der Provinz Kangwon aus Richtung Ostmeer abgefeuert. Das teilte der Generalstab der südkoreanischen Streitkräfte mit. Die Rakete startete gegen 15 Uhr Ortszeit und flog rund 450 Kilometer weit. Japans Verteidigungsministerium bestätigte den Abschuss. Es ist bereits der 14. Raketenabschuss Nordkoreas in diesem Jahr. Der jüngste Start ähnelt dem vom 12. September, als Nordkorea Kurzstreckenraketen von Wonsan aus etwa 250 Kilometer weit Richtung Ostmeer schoss und später von einer "Angriffsübung" mit Raketen und Artillerie sprach. Jener Abschuss erfolgte einen Tag nach dem Ende eines fünftägigen gemeinsamen Militärmanövers von Südkorea , den USA und Japan. Nordkorea ist eine hermetisch abgeschottete Diktatur, wird seit drei Generationen von der Familie Kim geführt und beruft sich offiziell auf eine sozialistische Staatsideologie. China ist die wichtigste Stütze Pjöngjangs. Die Bevölkerung hungert seit Jahrzehnten, während ein erheblicher Teil der Staatsausgaben in die Aufrüstung fließt. Die regelmäßigen Raketentests gelten als Versuch, Nordkoreas militärische Fähigkeiten weiterzuentwickeln und Stärke zu demonstrieren. Krisensitzung im Präsidialamt Das südkoreanische Präsidialamt Cheong Wa Dae berief nach dem Abschuss eine Krisensitzung ein und bekräftigte die Einsatzbereitschaft. Die Regierung forderte Nordkorea auf, die Provokationen einzustellen, und verwies auf einen Verstoß gegen Resolutionen des UN-Sicherheitsrats. Das Militär erhöhte zudem seine Sicherheitswarnstufe und tauschte sich mit den USA und Japan aus. In Südkorea herrscht Uneinigkeit über den Umgang mit dem waffenstarrenden Nachbarn. So kritisierte die konservative Oppositionspartei "People Power Party" den Kurs der Regierung von Präsident Lee Jae Myung. Die als Annäherung getarnte "unterwürfige" Haltung gegenüber Nordkorea könne dessen Provokationen nicht abschrecken, sagte der Abgeordnete Choi Bo-yun, wie der "Korea Herald" berichtete. Nordkorea beharrt auf Atomwaffenstatus Erst in dieser Woche hatte sich Pjöngjang über eine Resolution der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) zu seinem Atomprogramm beschwert und seinen Status als Atomwaffenstaat bekräftigt. Nordkorea hat diesen Status 2023 in der Verfassung verankert und unterliegt wegen seines Atomwaffen- und Raketenprogramms seit Jahren internationalen Sanktionen. US-Präsident Donald Trump hatte im August erklärt, Nordkorea verfüge über 57 "sehr mächtige" Atomwaffen. Die südkoreanische Regierung schätzt den Bestand deutlich höher ein: auf rund 80 bis 120 Sprengköpfe.