ÖRR: Nach Weimer-Vorschlag – Oliver Pocher für Abschaffung von ARD und ZDF
Comedian Oliver Pocher reagiert auf einen Vorstoß von Medienstaatsminister Wolfram Weimer und fordert radikale Einschnitte beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Die Debatte um die Zukunft des öffentlich-rechtlichen Rundfunks hat einen neuen Teilnehmer. Nachdem Medienstaatsminister Wolfram Weimer kürzlich die Privatisierung des ZDF und die Zusammenlegung von ARD-Anstalten ins Gespräch gebracht hatte, mischt nun auch Oliver Pocher mit. Im Podcast "TOMorrow - Business. Stars. Lifestyle" von Autor Tom Junkersdorf fordert der Comedian, die öffentlich-rechtlichen Sender abzuschaffen. Weimer renne mit seinem Vorschlag laut Pocher grundsätzlich offene Türen ein. "ARD und ZDF und die ganzen dritten Sender kannst du schon längst einstampfen. Brauchst du alles nicht mehr", behauptet Pocher. Angesichts von rund acht Milliarden Euro Rundfunkbeitrag hält Pocher auch eine Fusion von ARD und ZDF für denkbar. Die Sender seien "viel zu viele". Zahlreiche Radioprogramme könnten aus seiner Sicht ebenfalls wegfallen. Viele Menschen zahlten jeden Monat Geld für ein Angebot, das sie kaum noch nutzten, so Pocher, anders als etwa Netflix , das kaum teurer sei. Interne Rede erregt Aufsehen: Weimer will ARD und ZDF grundlegend umbauen Besonders stört den 48-Jährigen die angeblich politische Ausrichtung einiger Sendungen, in der Pocher sogar einen Grund für den politischen Erfolg der AfD sieht. Viele Bürger fühlten sich bevormundet und dürften nur noch Meinungen äußern, die gesellschaftlich akzeptiert seien. "Die Leute sind so satt, dass sie nur das sagen dürfen, was en vogue ist", sagt der Entertainer. Wer ständig belehrt werde, reagiere mit Trotz. "Das führt ja auch zur Situation, dass wir momentan genau diesen Rechtsruck haben." "Er hat es einfach übertrieben" In seinen Augen werde immer wieder mit einem bestimmten Deutungsrahmen gearbeitet. In dem Zusammenhang übt Pocher auch Kritik an ZDF-Satiriker Jan Böhmermann . Zuletzt sei es diesem nur noch darum gegangen, "seine eigene Agenda durchzusetzen". Pocher wirft dem Moderator vor, ständig mit der "Nazi-Keule" gearbeitet und gezielt Menschen fertiggemacht zu haben. "Er hat es einfach übertrieben. Er hat zwar noch seine Reichweite. Aber diese linke Bubble wird jetzt langsam auch nach und nach zerbröselt." Das Publikum habe irgendwann die Lust verloren, die Sendung sei zunehmend bedeutungslos geworden. Das Ende des Formats "ZDF Magazin Royale" nennt Pocher "überfällig". Was der Comedian nicht erwähnt: Nicht das ZDF hat entschieden, die Sendung einzustampfen, sondern Jan Böhmermann selbst. Er wolle gemeinsam mit dem Sender in Zukunft eine neue Sendung konzipieren. Als weiteres Beispiel für angeblich fehlende Neutralität im ÖRR nennt Pocher Louis Klamroth, dessen Beziehung zu Klimaaktivistin Luisa Neubauer er als problematisch bezeichnete. "Eine gewisse Neutralität musst du schon haben", sagt Pocher. Schon während seiner Übernahme des ARD-Formats "Hart aber fair" war Klamroths Neutralität wegen seiner Beziehung zu Neubauer von Kritikern infrage gestellt worden. Erst Anfang September äußerte sich der Moderator in dem Podcast "Deutschland3000" erneut selbst zu dem Thema und erklärte: "Journalismus ist ja ein Handwerk." Jeder Mensch habe seine Eigenart und Haltung. "Aber wenn man sein Handwerk beherrscht, dann gehört dazu, bestimmte Positionen zu reflektieren und sie in einer Sendung, in einem journalistischen Gespräch beiseitezulegen oder damit umzugehen."