Katherina Reiche: Leere Gasspeicher im Winter? Was nun geplant ist
Die Wirtschaftsministerin wollte diesen Schritt eigentlich vermeiden. Kurz vor Beginn des Winters ist sie aber gezwungen, die Gaseinspeicherung offiziell anzuordnen. Zum zweiten Mal innerhalb von fünf Jahren muss die deutsche Regierung in den Gasmarkt eingreifen, um die Versorgung für den Winter sicherzustellen. "Wir bestätigen, dass Sefe vom BMWE (Bundesministerium für Wirtschaft und Energie) als Vertreter des Shareholders die Anweisung erhalten hat, bis zum 15. Dezember acht Terrawattstunden Gas zu beschaffen und einzuspeichern", teilte das Gasunternehmen Sefe am Mittwoch mit. Diesen Schritt soll Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) mit dem Bundeskanzler vorher besprochen haben. Zuerst hatte das "Handelsblatt" berichtet. Hintergrund sind die noch immer ungewöhnlich niedrigen Gasspeicherfüllstände. Ende September sind die Speicher nur zu 57,74 Prozent gefüllt, ein historischer Tiefstand. Auch als Russland die deutschen Gasspeicher 2022 absichtlich leer laufen ließ, waren sie besser gefüllt als heute. Reiche will hohe Gaspreise verhindern Damals hatte die Ampelregierung schon im August die Notbremse gezogen und ließ Gas "zu jedem Preis" einkaufen. Das hatte den Markt angeheizt, und der Gaspreis stieg zeitweise auf bis zu 300 Euro pro Megawattstunde (im Vergleich zum Vorkrisenniveau von acht Euro/MWh). Den Staat kostete dieser Gaseinkauf am Ende Milliarden Euro. Deshalb geht Reiche den Berichten zufolge den Eingriff etwas anders an. Sefe soll trotz des klaren Befehls einen gewissen Handlungsspielraum behalten und eigenständig entscheiden, wann es welche Mengen zu welchem Preis einkaufen möchte – und nicht, wie zu Ampel-Zeiten, "zu jedem Preis". Reiche sei es auch wichtig zu betonen, dass dies die anderen Gashändler nicht von ihrer Pflicht befreie, weiterhin für den Winter vorzusorgen. Gasspeicher können nicht voll gefüllt werden Dass es Probleme mit der Einspeicherung von Gas in diesem Jahr geben könnte, war bereits früh absehbar. Schon im vergangenen Winter waren die Speicher nicht so üppig gefüllt wie sonst, und nach einem kalten Winter waren sie auf 20 Prozent geleert worden. Dann haben die USA und Israel den Iran angegriffen, seither ist die Straße von Hormus gesperrt, und große Teile der Gasinfrastruktur im Nahen Osten sind zerstört. Das hat die Gaspreise noch einmal in die Höhe getrieben – der Einkauf von Gas zur Einspeicherung für den Winter droht für viele Händler zum Verlustgeschäft zu werden. Auf dieses Problem haben Gashändler sowie der Gasspeicherverband Ines mehrmals hingewiesen. Bei einem besonders kalten Winter könne es zu einem Gasmangel kommen, warnte der Verband. Doch Reiche zögerte beim Eingriff, um nicht den Markt wie 2022 anzuheizen. Jetzt bleibt nicht mehr viel Zeit bis zum Winter; die Bundesregierung hat Anfang September bereits eingeräumt, dass einige Speicher nicht mehr voll werden können, das sei "technisch nicht mehr möglich".