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"heute-show" im ZDF: Wie kann das so erfolgreich sein?

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Das Fernsehen ist tot, lang lebe das Fernsehen. Die "heute-show" ist erfolgreicher denn je – mit einem Konzept, das 17 Jahre alt ist. Warum gerade jetzt? Von oben bis unten beschmiert, stehen Lars Klingbeil und Friedrich Merz mit Kochschürzen in der Küche. Der Finanzminister hält ein Blech mit verkohlten Keksen in der Hand, der Kanzler hinter ihm schaut bedröppelt in die Kamera. Es ist ein Bild aus der "heute-show", darunter steht der Titel: "Das große nix mehr gebacken kriegen" in Anlehnung an ein bekanntes TV-Format. Moderator Oliver Welke sitzt an seinem Schreibtisch, wie immer gekleidet in schlichtem Anzug und Krawatte, dazu seine schmale, schwarze Brille. Er spricht über die Regierungskrise und seziert die Politik der schwarz-roten Koalition in gewohnt kritischer Manier. Kein Pointen-Feuerwerk, nur ein ulkiger Kommentator und die Verballhornung der Regierungschefs. Diese einfache Mechanik kennen Zuschauer seit vielen Jahren. Große Veränderungen hat die ZDF-Sendung, die 2009 nach dem Vorbild der US-amerikanischen "The Daily Show" in Deutschland startete, nie durchlaufen. Selbst die Außenreporter und Ensemblemitglieder der Show sind Konstanten des Formats: Fabian Köster etwa, der Spitzenpolitiker auf Parteitagen veräppelt, oder Valerie Niehaus , die in Einspielern grotesk überzeichnete Einordnungen der Lage liefert. Die Show jagt ihre eigenen Rekorde Doch während reihenweise TV-Formate gegen ihren Bedeutungsverlust ankämpfen, schwingt sich die "heute-show" zu Höhenflügen auf. Im Jahr 2026 schalten mehr Zuschauer ein denn je, im Schnitt 4,3 Millionen Menschen. Vergangene Woche titelte das Medienmagazin "dwdl.de": "Unfassbare Quotenjagd der 'heute-show' geht weiter" und verwies darauf, wie die Show besonders beim jungen Publikum immer beliebter wird. Rekordwerte von mehr als 30 Prozent wurden gemessen: Fast jeder dritte Zuschauer im Alter zwischen 14 und 49 Jahren wählte am vergangenen Freitag also die Sendung von Oliver Welke. Wie kann das sein? Oliver Welke sei zu beschäftigt für ein Interview, heißt es auf Anfrage. Der Moderator sitze von Montag bis Donnerstag gemeinsam mit seinem Chefautor Morten Kühne und dem Autorenteam an der Vorbereitung der Sendung. Über den gegenwärtigen Erfolg seiner Show, so ist es aus seinem Umfeld zu hören, sei man allerdings selbst überrascht. Das ZDF teilt auf Anfrage von t-online mit, die Sendung verbinde "seit Jahren erfolgreich Satire, Journalismus und Unterhaltung und ist längst zur führenden Marke dieser Art von Unterhaltung geworden". Nicht nur die linearen Reichweiten der Show liefern dem Sender Anlass zur Freude, auch die Streaming-Abrufe in der Mediathek seien Ausdruck des Erfolgs: "Von Januar bis September 2026 erzielte die 'heute-show' im ZDF-Streaming-Portal insgesamt 27 Millionen Abrufe", heißt es von einer Sendersprecherin. Dabei wäre es zu einfach, den Erfolg allein auf den Zustand der Regierung zu schieben. Schließlich machen sich Welke und seine Mitstreiter nicht nur über die Koalition, den Dauerstreit der Regierenden und die sich häufenden, politischen Missgeschicke lustig, sondern ziehen auch den aufgeregten Medienbetrieb durch den Kakao. So wie in der neuesten Sendung vom 2. Oktober. Diese beginnt mit einem Film über Philipp Amthor und das "Strandkorb-Gate". Die Staatskrise lauere ganz woanders, moderiert Oliver Welke einen Einspieler an und sagt dann: "Genau: auf dem Balkon von Philipp Amthor." Dazu zeigt er eine "Bild"-Schlagzeile mit dem Titel: "Zerstört dieser Strandkorb die CDU ?" Welke nennt das "Hysterie und Schnappatmung", spricht von "Theater" und urteilt, es seien doch "alle durchgeknallt". Dass all die Aufgeregtheit ausgerechnet auf die ZDF-Doku "Inside CDU" zurückgeht, in der führende Köpfe der Partei über Monate während der zurückliegenden Landtagswahlen begleitet wurden, dürfte die Senderbosse besonders erfreuen. So wird die "heute-show" zum Reichweitenmotor des eigenen journalistischen Langzeitformats. "Inside CDU: Für alle, denen 'Die Geissens' zu bodenständig sind", witzelt Welke und sein Studiopublikum in Köln johlt. Und doch hängt die Aufmerksamkeit für das Format auch mit der Lage im Land zusammen. Im Zuge der jüngsten Landtagswahlen zeigten Befragungen, dass die Unzufriedenheit der Deutschen mit der Bundesregierung einen historischen Tiefpunkt erreicht hat. Laut dem aktuellen ARD-Deutschlandtrend von Infratest dimap sind nur noch zehn Prozent der Wahlberechtigten mit der Arbeit der schwarz-roten Bundesregierung zufrieden. Bundeskanzler Merz kommt auf den niedrigsten jemals gemessenen Wert für einen Regierungschef. Welke als humoristischer Blitzableiter Frustration und Verdrossenheit über die Politik scheinen wie Katalysatoren für eine Satire-Nachrichtensendung zu wirken, die die Arbeit der Regierenden pointiert und massenkompatibel zerpflückt. Das kollektive Kopfschütteln über so manche Entscheidungen mündet so jeden Freitagabend ab 22.30 Uhr im ZDF in einem befreienden Lachen. Die "heute-show" als Druckablassventil. Auf den Ledersesseln und Stoffcouches der Republik zeigt sich so auch die zunehmende Kluft zwischen den politischen Akteuren und den Bürgern: Dazwischen sitzt ein 60-jähriger Welke als Pufferzone und humoristischer Blitzableiter. Vor einigen Jahren noch von Kommentatoren als biederer Schenkelklopfer-Onkel verlacht, zünden seine Gags jetzt auch bei jungen Menschen. Zuschauer schrieben unter die Social-Media-Beiträge seiner Sendung, er mache "diese Nachrichtenlage erst erträglich", so erzählte Oliver Welke es jüngst in einem Interview mit der Fernsehzeitschrift "Hörzu". Tatsächlich erreicht die Marke auch auf YouTube und Instagram ein Millionenpublikum. Kaum ein anderes TV-Format versteht es so gut, seine Nummern in kleine, schnell konsumierbare Schnipsel auf die Smartphones der Menschen zu katapultieren. So werden politische Absurditäten, auf entlarvende Weise von der "heute-show" montiert, zu viralen Hits. Union und SPD sind dabei dankenswerte Witzvorlagen, liefern sie doch Woche für Woche neue Ungereimtheiten und Pannen, aus denen im Handumdrehen die nächste Pointe gebaut werden kann. Möglich, dass auf diese Weise sogar Menschen in Gelächter ausbrechen, die sonst gerne von "Zwangsgebühren" und "Staatsfunk" reden oder den öffentlich-rechtlichen Rundfunk als "linksgrün-versifft" betiteln. Doch politische Einseitigkeit lässt sich bei Oliver Welke und seinem Team nur schwer diagnostizieren. Auch die AfD bekommt regelmäßig ihr Fett weg. Und nach dem Wahlsieg der Linken in Berlin verwies die "heute-show" auf die Clan-Verbindungen der Partei und mahnte, Spitzenkandidatin Elif Eralp müsse sich bald nicht nur um den Mieten-, sondern besonders um den Antisemiten-Deckel für ihre eigenen Leute kümmern. Die "heute-show" auf Expansionskurs Während beim ZDF der große Comedy-Umbruch grassiert, nachdem Jan Böhmermann mit seinem "ZDF Magazin Royale" Ende des Jahres Abschied nimmt und dafür neue Gesichter wie Florian Schroeder und Kurt Krömer Shows erhalten, bleibt Oliver Welke mit der "heute-show" der Fels in der Programmbrandung. Auch das ist Teil des Erfolgs: Die Zuverlässigkeit, mit der die Sendung seit 17 Jahren den Freitagabend im Fernsehen bespielt. Der Sender hat das längst erkannt und baut seine erfolgreichste Comedy-Marke seit Jahren aus. So gewann Fabian Köster jüngst den Deutschen Fernsehpreis mit seinem "heute-show"-Special "Next Stop Köster", bei dem er Spitzenpolitiker eine halbe Stunde zum Verhör bittet. Und in der alljährlichen Sommerpause des regulären Formats laufen mittlerweile Quizshows, Reportagen und Spezialsendungen als Ableger, die zeigen, wie weit der Einflussbereich der "heute-show" über die Originalsendung hinausreicht. Womöglich sogar so weit, dass wöchentlich Millionen Deutsche ihren Unmut über die politische Lage für eine halbe Stunde zu vergessen scheinen – und sich einfach kaputtlachen, statt an den Zuständen verzweifeln.



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