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DFB-Frauen: Bundestrainer sucht die "Eierlegende Wollmilchsau"

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Melissa Kössler trifft gegen Australien doppelt und rückt ins Zentrum einer offenen Sturmdebatte. Was Bundestrainer Christian Wück sucht. Sekunden vor dem 1:0 forderte Melissa Kössler gleich dreimal den Ball und startete jedes Mal in freie Räume. Das Spielgerät landete aber nicht bei ihr, sondern bei Mitspielerin Carlotta Wamser, die kurz den Kopf hob und den Ball weit über Kössler hinweg in Richtung Franziska Kett flankte. Kössler ließ sich jedoch nicht hängen, ging auch Ketts anschließendem Kopfball nach – und bugsierte schließlich den Ball kurz vor der Linie mit der Fußspitze in die Maschen. Ein Tor der Marke "Thomas Müller": Auch der ehemalige Bayern-Spieler erzielt seine Tore regelmäßig auf unorthodoxe Art und Weise. Für Kössler war es ihr erster Treffer im deutschen Trikot. "Ich wollte einfach sichergehen, dass er reingeht", sagte sie nach dem 4:2-Sieg der DFB-Frauen gegen Australien im ARD-Interview. Einen Vergleich mit ihrem Vorbild, dem Weltmeister von 2014, wies Kössler dann aber doch zurück: "Ob ich mir das jetzt genau abgeguckt habe, würde ich nicht sagen", fügte sie lachend hinzu. Es war an diesem Abend in Karlsruhe nicht ihr einziger Treffer. Kössler legte sieben Minuten nach dem 1:0 das 2:0 nach. Mit ihrem Doppelpack hat sie ihren Platz im "Stürmerinnen-Karussell" des DFB-Teams gefestigt. Die 26-Jährige ist eine von vier Mittelstürmerinnen, die Christian Wück im siebten Länderspiel in diesem Kalenderjahr von Beginn an aufgeboten hat. Die Zahlen zeigen: Der Bundestrainer hat noch keine klare Lösung für die Sturmspitze gefunden. Aber wonach sucht er überhaupt? "Wir brauchen eine körperlich starke Spielerin, die Bälle verteilen, verteidigen und festmachen kann. Die dazu torgefährlich ist und sich im eins gegen eins durchsetzen kann", erklärte Wück und fügte an: "So eine eierlegende Wollmilchsau wünscht man sich natürlich." Das Problem: Eben solche Spielerinnen sind "sehr rar gesät", wie Wück betonte. Kössler: "Wird den anderen gehörig Druck machen" Gegen Australien kam Kössler diesem Ideal aber zumindest nahe. "Wenn man zwei Tore als Mittelstürmerin macht, wenn man so agiert in den Zweikämpfen, wenn man Bälle verteilt, dann ist das genau das, was wir in unserem Spielsystem brauchen", lobte Wück, der Kössler erstmals im Juni in sein Aufgebot berufen hatte. Die Angreiferin vom Denver Summit FC musste sich lange gedulden, bestritt davor im Sommer 2024 letztmals ein Länderspiel unter dem damaligen Trainer Horst Hrubesch. Wücks Fazit fiel deutlich aus: "Wenn man es kurz und knapp fassen will, hat sie ihre Chance genutzt", zeigte sich der Bundestrainer zufrieden. "Sie wird den anderen Mittelstürmerinnen, die wir im Kader haben, gehörig Druck machen", kündigte er an. Krimi gegen Australien: DFB-Frauen siegen mit Mühe Nach Sieg: DFB-Star muss abreisen – Bundestrainer nominiert nach Trotz des überzeugenden Auftritts ist die Suche nach der idealen Besetzung noch nicht beendet. Wücks Wunschprofil ist klar – doch keine seiner Optionen erfüllt es derzeit offenbar vollständig. "Wir haben mit Nicole Anyomi natürlich eine Spielerin, die das spielen kann", ordnete der 53-Jährige ein. Die nachnominierte Angreiferin, die in diesem Jahr bereits dreimal in der Startelf stand und auch gegen Australien zum Einsatz kam, verkörpert die physischen Attribute, die der Bundestrainer sehen will. Bei den London City Lionesses kommt Anyomi in bislang drei Ligaspielen allerdings nur auf insgesamt 56 Minuten Spielzeit. Vollends überzeugt wirkte Wück daher nicht. Gleiches gilt für die nachnominierte Shekiera Martinez. Lea Schüller, lange die erste Wahl im deutschen Angriff, fehlt dem Team krankheitsbedingt. Die frühere Münchnerin verlässt das Basecamp am Samstag und reist ab. "Lea Schüller hat als Mittelstürmerin eine unheimlich gute Torquote bei uns", sagte Wück über sie. Im Verein liest sich die Statistik der 87-fachen Nationalspielerin allerdings ernüchternd. In insgesamt 23 Pflichtspielen erzielte sie seit ihrem Wechsel vom FC Bayern zu Manchester United erst zwei Treffer. Auch Larissa Mühlhaus fällt aufgrund eines Infekts aus. Und eine weitere Alternative ist derzeit keine. "Ich hoffe, dass Giovanna Hoffmann irgendwann wieder zurückkommt", ließ Wück durchblicken. Die Wolfsburgerin fällt seit einem Jahr wegen eines Kreuzbandrisses aus. Bei der Frauen-EM im vergangenen Sommer setzte der Bundestrainer noch auf die physisch starke Stürmerin in der K.-o.-Phase, die genau Wücks Forderungen entspricht. An Möglichkeiten mangelt es Wück grundsätzlich nicht. "Wir haben schon eine gewisse Anzahl an Alternativen", bilanzierte er. "Aber ja, es ist im Moment noch ausbaufähig." Nun wartet ein vollkommen anderes Team Mit Kössler empfahl sich nun immerhin eine weitere Kandidatin. Wenn Deutschland am kommenden Dienstag auf Japan trifft, will sie sich erneut zeigen (ab 17.45 Uhr im t-online-Liveticker): "Ich gebe alles, probiere in jeder Minute auf dem Platz, das Beste zu geben und mich zu zeigen", betonte sie. "Das mache ich jetzt von Minute zu Minute, von Tag zu Tag und dann werden wir sehen, was rauskommt." Doch der nächste Gegner verlangt anderes. Während Australien mit intensiven Zweikämpfen und schnellen Spielzügen agierte, steht mit Japan ein technisch versiertes Team vor der Tür. Ob Kössler erneut von Beginn an spielen wird, ist unklar. Mit Shekiera Martinez steht Wück eine quirlige Stürmerin zur Verfügung, deren Spielweise ihm eine andere Herangehensweise an die Partie ermöglicht.

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