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Salesch, Hold und Lenßen: Wie Sender ihr altes Fernsehen neu verkaufen

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Ingo Lenßen, Barbara Salesch, Alexander Hold und Co. – sie alle kehren mit Primetime-Specials zurück ins deutsche Fernsehen. Doch warum ausgerechnet jetzt? Das deutsche Fernsehen wandelt sich. Sender sprechen von Sparkursen, Entlassungen und Showabsetzungen. Gleichzeitig werden jedoch auch neue Formate angekündigt – mit altbekannten Gesichtern. Gerichtsshows, die in den 2000er-Jahren im Nachmittagsprogramm beheimatet waren, sind wieder da. TV-Richterin Barbara Salesch feierte ihr Comeback bei RTL schon 2022, im Juni 2025 wanderte sie dann erstmals mit einem Special in die Primetime um 20.15 Uhr. Im vergangenen September folgte ein zweiter Primetime-Fall. Auch ihr Kollege Ulrich Wetzel war im Mai 2026 um 20.15 Uhr bei RTL zu sehen. Richter Alexander Hold wird im Oktober in Spielfilmlänge zur Primetime auf Sat.1 verhandeln. Überdies kündigte Sat.1 an, Ingo Lenßen zurückzuholen. Früher war er der Rechtsanwalt bei "Lenßen & Partner" und lief im Vorabendprogramm. Nun wird er mit drei Filmen, jeweils um 20.15 Uhr, sein Comeback feiern. Der Trend ist deutlich zu erkennen. Doch warum kommen die alten Formate ausgerechnet jetzt zurück? Fernseh- und Medienwissenschaftler Dr. Christian Richter erklärt im Gespräch mit t-online: "Die Umsätze im Markt für Fernsehwerbung sind in Deutschland in den vergangenen Jahren stark eingebrochen. Dazu kommen sinkende Reichweiten, vor allem für kommerzielle Sender." Jahrzehntelang war es die Stärke der privaten Sender, mit ihren Programmen ein junges Publikum anzusprechen. Doch das wird ihnen jetzt zum Verhängnis. Die Jungen wandern zum Streaming ab. "In diesem Wettbewerbsumfeld sehen die Sender sich gezwungen, Kosten zu senken und effizienter zu wirtschaften. Entsprechend werden die Budgets für Showproduktionen spürbar kleiner", so Richter. Gerichtsshows sind billig produziertes Fernsehen. Gespielt werden die Rollen von Laiendarstellern, ohne großen Aufwand können viele Folgen produziert werden. Daran hat sich auch bei den Neuauflagen nichts geändert. So erzählte Barbara Salesch im Juni 2025 in einem Interview mit dem Medienmagazin "DWDL": "Die Sendungen selbst produzieren wir dagegen im gleichen Rhythmus wie früher, weil das aus Kostengründen gar nicht anders geht." RTL nutzt inzwischen sogar Künstliche Intelligenz , um alte Handlungsstränge dramaturgisch neu aufzubereiten. Dadurch können die Kosten für Drehbuch und Produktion noch weiter gesenkt werden. Die Kosten für die Primetime-Specials sind nicht öffentlich bekannt. Diese werden aufwendiger produziert als die gewohnte Gerichtsshow. Im Gespräch mit t-online sagte Salesch im September: "Das ist ein ganz anderes Drehen, und das macht mir Spaß. (...) Bei den Abendsendungen sitze ich oft wochenlang an der Überarbeitung der Drehbücher, wir drehen mit Schauspielern. Das ist schon speziell." Dennoch bleibt die Produktion günstiger als bei neuen Formaten. Das Studioset besteht bereits, auch die gewohnten Juristen sind zu sehen, der Cast bleibt überschaubar, die Zahl der Drehtage ist niedriger. Für die Primetime wird das Rad somit nicht neu erfunden – der Sender rüstet ein bewährtes Billigformat auf und Inhalte der Daytime werden auf die Produktionslogik der Primetime übertragen. "Masked Singer" und "The Voice of Germany" am Tiefpunkt Wie sehr aufwendige Produktionen an Relevanz und Quote verlieren, zeigt sich unter anderem an "The Masked Singer". Mit ihren aufwendigen Kostümen, großer Inszenierung und namhaften Teilnehmern war die Show einst ein Quotengarant. Doch in der aktuellen Staffel erreichte "The Masked Singer" seinen Tiefstwert . Die Sendung hat sich inzwischen auch stark verändert – aus Kostengründen. Die Masken werden nicht länger von der langjährigen Gewandmeisterin Alexandra Brandner hergestellt , was große Kritik der Fans hervorrief. In den sozialen Medien bemängelten die Zuschauer den Qualitätsverlust. Außerdem sind es keine Livesendungen mehr, sondern Aufzeichnungen. Auch hier wird gespart. Der Castingshow "The Voice of Germany" ergeht es ähnlich. Das Format startete ebenfalls mit einem Negativrekord in die aktuelle Staffel. Auch hier wurden die Liveshows auf ein Minimum reduziert. Der Eventcharakter geht verloren. Für Christian Richter haben solche Shows ein konkretes Problem: "Hinzu kommt, dass sich aufwendige Showproduktionen in der Regel nicht erfolgreich wiederholen lassen oder in den Mediatheken selten mehrfach abgerufen werden, wenn überhaupt." Sie werden lediglich für einen Moment und eine einmalige Verwertung produziert. "In der aktuellen Distributionslogik ist das ein großer Nachteil gegenüber fiktionalen Serien oder serienhaft erzählten Realityshows." Die Daytime bröckelt – Fokus auf der Primetime Dabei wird die Primetime jedoch immer wichtiger. "Kaum ein Sender kann sich derzeit leisten, noch viel Geld in das Tagesprogramm zu stecken. Daher werden weite Strecken durch Wiederholungen und Archivware befüllt – etwa mit alten Folgen von Gerichtsshows", urteilt der Fernsehexperte. Da in die Daytime kaum noch investiert wird, verlagert sich der Fokus umso stärker auf die Primetime, "die als einzige refinanzierbare Zeitleiste für etwas größere Produktionen verbleibt." Hier kommen unter anderem die wiederbelebten Gerichtsshows ins Spiel. Große neue Shows sind teuer und schwer nachhaltig zu verwerten – alte TV-Marken versprechen dagegen Bekanntheit bei überschaubarem Risiko. Mit den bestehenden, kostengünstigen Formaten können RTL und Sat.1 ihre Primetime bestücken und sie dem Zuschauer als neu und als Primetime-Event verkaufen. Auch der Nostalgiefaktor spielt eine Rolle. "Barbara Salesch, Alexander Hold und Ingo Lenßen sind alle kurz nach der Jahrtausendwende erstmals auf den Bildschirm gekommen, kurz bevor YouTube oder Social Media aufkamen. Sie sind dadurch Wegbegleiter der letzten Generation, die noch mit dem Fernsehen aufgewachsen ist", erklärt Christian Richter. "Diese Generation versuchen die Sender nun mit aller Macht noch an sich zu binden, indem sie das Fernsehen ihrer Jugend reaktivieren." Ob am Ende ausgerechnet das Fernsehen von gestern die Antwort auf die Probleme von heute liefert, bleibt abzuwarten. Doch im Gegensatz zu neuen Showideen bringen alte TV-Marken etwas mit, das sich nicht erst etablieren muss: Bekanntheit und Vertrautheit. Und in einer Zeit, in der die Sender mit sinkenden Reichweiten und knapperen Budgets umgehen müssen, wird genau das zu einem wichtigen Faktor.

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