Sie feiert historische Siege und legt sich auch mit ihrer eigenen Partei an. Nithya Raman will als Bürgermeisterin von Los Angeles ihren eigenen Weg gehen. Mit Los Angeles wird bald eine weitere amerikanische Metropole von einer Demokratin regiert, die dem linken, sozialistischen Spektrum der Partei angehört. Nithya Raman löst die demokratische Bürgermeisterin Karen Bass ab, der unter anderem Versäumnisse bei der Waldbrandbekämpfung vorgeworfen wurden. Damit verlor erstmals seit 2005, als James K. Hahn abgewählt wurde, ein amtierendes Stadtoberhaupt in L.A. die Wiederwahl. Bereits seit Januar ist der linke Demokrat Zohran Mamdani Bürgermeister von New York . Nun hat eine Kandidatin der demokratischen Sozialisten die bedeutende Stadt an der Westküste erobert. Wer ist Nithya Raman und wie gelang es ihr, in Los Angeles zu gewinnen? USA-Newsblog: Alle aktuellen Meldungen Gnadenakt in Kalifornien : Trump-Rivale erspart Hunderten die Todesstrafe Die Stadtplanerin kam als Außenseiterin in die Politik. 2020 stellte sie sich erstmals zur Wahl für den Stadtrat – und gewann gegen einen Kandidaten, der bereits im Stadtrat saß. Das war seit 17 Jahren nicht vorgekommen. Ihre Kampagne wurde von Bernie Sanders und der DSA (Democratic Socialists of America) unterstützt. Ihren Erfolg führte sie auf den direkten Kontakt mit der Wählerschaft zurück. "Wir klopften an die Türen von 80.000 Menschen, was wohl ein Rekord war", sagte sie damals dem "Guardian". Bezahlbarer Wohnraum ist beherrschendes Thema Die 45-Jährige engagierte sich in der MeToo-Bewegung und für Time's Up, eine Organisation, die bis 2023 Rechtsbeistand für Opfer von sexuellen Übergriffen organisierte. Schon damals knüpfte sie Kontakte zu Hollywoodgrößen. Mit Arnold Schwarzenegger , einst republikanischer Gouverneur in Kalifornien, hatte sie ein privates Treffen, bei dem er ihr laut "New York Post" Prominente aus Politik, Film und Wirtschaft vorstellte. Ihr Mann Vali Chandrasekaran schreibt für mehrere Fernsehsender als Drehbuchautor. Sie setzt sich für bezahlbaren Wohnraum ein und will den Wohnungsbau verdreifachen, was bei den Bürgern und auch Organisationen wie Yimby Action, die sich für die Schaffung von mehr bezahlbarem und inklusivem Wohnraum einsetzt, gut ankam. Analysten führen ihren Erfolg vor allem auf junge Mieter zurück, die eine progressive Politik wollen, schreibt "Politico". Differenzen mit den Parteifreunden Im eigenen Lager ist Raman nicht unumstritten. In einer Debatte mit der bisherigen Bürgermeisterin Karen Bass musste sie sich Vorwürfen der Amtsinhaberin stellen, dass ihre demokratischen Stadtratskollegen "eine Zusammenarbeit schwierig finden". Drei demokratische Sozialisten aus dem Stadtrat von Los Angeles hatten sich bei der Wahl für Bass ausgesprochen. Erst im letzten Moment hatte Raman ihre Bewerbung abgegeben und damit ihre Parteikollegen kalt erwischt. Als sie vorschlug, das Budget der Polizei zu kürzen, kam das bei den Altpolitikern der Demokraten, die gewöhnlich gute Beziehungen zur mächtigen Polizeigewerkschaft pflegen, nicht gut an. Gerade ihre Distanz zum Establishment könnte der Grund für ihren Erfolg sein. Raman stellt sich gegen traditionelle Machtgefüge der Demokratischen Partei in der Stadt, die Macht der Polizeigewerkschaften und die Immobilienlobby sowie festgefahrene bürokratische Strukturen im Rathaus. Raman will die Stimmen der Bürger, nicht unbedingt des Establishments und der eigenen Partei. Als 2022 Aufzeichnungen von Gesprächen einiger Stadtratsmitglieder und eines Gewerkschaftsführers bekannt wurden, in denen sich die Beteiligten rassistisch und abfällig über Kollegen äußerten, fiel auch ihr Name. Sie wurde 2024 dennoch mit klarer Mehrheit wiedergewählt. "Wir haben genug von der Politik des Establishments", sagte Raman unter dem tosenden Jubel der Menge in ihrer Rede am Dienstagabend auf einem Open-Air-Konzertgelände in der Nähe von Hollywood . "Dieser Wahlkampf hat deutlich gemacht, dass der Status quo gescheitert ist." Nicht immer auf einer Linie mit den Sozialisten Das Verhältnis zu den demokratischen Sozialisten, denen sie seit 2019 angehört, ist schwierig. Die Organisation unterstützte sie zwar im Wahlkampf, aber erst, als sie den anderen Kandidaten, den Republikaner und TV-Star Spencer Pratt, aus dem Rennen gedrängt hatte. Der Ortsverband der DSA schrieb selbst, dass es in der Beziehung zwischen der Stadträtin und der Organisation Höhen und Tiefen gegeben habe. Ein Tiefpunkt war, dass Raman sich 2024 von einer pro-israelischen Gruppe unterstützen ließ. Später sprach sie aber von einem "Genozid" in den palästinensischen Gebieten. Auch bei den Steuern auf Luxuswohnungen in L.A. setzt Raman sich von der DSA ab. Sie fordert eine Reform, weil die bisherigen Maßnahmen wohl weniger Geld einbrachten als gedacht. Ihr Ansatz ist eher pragmatisch: Sie will das Leben der Bürger verbessern, die Lager der Obdachlosen überflüssig machen, Fuß- und Radwege schaffen. Vergleiche mit dem New Yorker Bürgermeister lässt sie gerne zu: "Mamdani ist derzeit einer der beliebtesten Politiker in Amerika, und ich bin sehr dankbar, dass ich mit jemandem verglichen werde, der über so große Fähigkeiten als Redner und Führungspersönlichkeit verfügt. Aber ich bin anders. Ich bin ich selbst."