Frankfurt/Main (dpa) - Die Finanzmärkte haben am Donnerstag enttäuscht auf die zusätzliche geldpolitische Lockerung der Europäischen Zentralbank (EZB) reagiert. Die Aktienmärkte im Euroraum drehten ins Minus und lagen am Nachmittag im roten Bereich. An den Anleihemärkten erhöhten sich die Renditen für Staatsanleihen stark. Beides sind Zeichen dafür, dass die Märkte wesentlich mehr von der Notenbank erwartet hatten. Der Euro legte heftig zu. Zum US-Dollar gewann er zwischenzeitlich fast dreieinhalb Cent und stieg von 1,0550 Dollar auf bis zu 1,0892 Dollar. Wie EZB-Chef Mario Draghi nach der Zinssitzung des geldpolitischen Rats in Frankfurt erklärte, weitet die Notenbank ihre milliardenschweren Wertpapierkäufe aus. Die Käufe von monatlich 60 Milliarden Euro sollen bis mindestens März 2017 laufen, anstatt wie bisher geplant im September 2016 auszulaufen. Daraus ergibt sich eine rechnerische Aufstockung um 360 Milliarden Euro auf 1,5 Billionen Euro. Zudem sollen auch Regional- und Kommunalanleihen gekauft werden. Die EZB verringerte auch ihren bereits negativen Einlagensatz. Mit der noch höheren Gebühr auf EZB-Bankeinlagen will die Notenbank unter anderem die Kreditvergabe anregen.«Die EZB wird ihrem eigenen Hype nicht gerecht», kommentierte Jonathan Loynes vom Analysehaus Capital Economics. Damit spielt Loynes auf die sehr hohen Erwartungen an die EZB an. Viele Beobachter hatten nicht nur eine - teils deutlich größere - zeitliche Verlängerung des Wertpapierkaufprogramms erwartet. Auch eine Erhöhung des monatlichen Kaufbetrags wurde von vielen Analysten als sehr wahrscheinlich angesehen. Die Zinssenkung der EZB blieb hinter der an den kurzfristigen Anleihe- und Geldmärkten erwarteten Reduzierung zurück.