Walldürn: 300 Biker steuerten Wallfahrtsstätte an
Walldürn. (Sti) Neue Wege gehen seit geraumer Zeit die Verantwortlichen der Walldürner Wallfahrt, um so im Trend der Zeit zu bleiben. Nach einem Wallfahrtstag eigens für die Jugend, die Senioren, die Kranken, die Heimatvertriebenen und die Erstkommunionkinder hat man vor 17 Jahren auf Initiative des damaligen Mesners Achim Kaltwasser erstmals auch einen Wallfahrtstag für Motorradfahrer eingeplant, der seither alljährlich große Resonanz findet. Am Samstagnachmittag beteiligten sich bei guten Witterungsbedingungen rund 300 Biker und Motorradfreaks auf rund 200 Motorrädern an der nunmehr 18. Motorrad-Wallfahrt nach Walldürn.
Nachdem die Organisatoren in den Reihen der Katholischen Pfarrgemeinde mit tatkräftiger Unterstützung von Seiten der Stadt Walldürn in den letzten Tage alle Vorbereitungen für eine optimale Durchführung der Motorrad-Wallfahrt getroffen hatten, wurde den aus nah und fern angereisten Teilnehmern am Samstag bei der Ankunft auf dem Walldürner Schlossplatz und im Katholischen Pfarr- und Gemeindezentrum ein herzlicher Empfang bereitet.
Die Biker kamen teils von weit her, so unter anderem aus den Regionen Aschaffenburg, Darmstadt/Dieburg, Frankfurt, Hanau, Heidelberg, Karlsruhe, Köln, Ludwigsburg und Ludwigshafen, von der Südlichen Weinstraße und aus dem Fränkischen. Die weiteste Anreise hatten Teilnehmer aus Hildesheim.
Viele nutzten nach der Ankunft die Möglichkeit zum Mittagessens im Pfarrsaal, ehe man sich am Nachmittag auf dem Wallfahrtsplatz hinter der Basilika zum Wallfahrtsgottesdienst versammelte. Der Gottesdienst stand unter dem diesjährigen Wallfahrts-Leitwort "Suche den Frieden und jage ihm nach" (Psalm 34, 15 b) und wurde von der Band "Young Musicians" unter Leitung von Jürgen Miko musikalisch umrahmt.
Stadtpfarrer Pater Josef Bregula begrüßte die zahlreichen Gottesdienstbesucher und ging gleich eingangs auf das diesjährige Wallfahrts-Thema ein. Unfrieden sei eine arge Wunde. Man erlebe dies schmerzlich in den vielen Krisengebieten der Welt, aber auch in den Familien, Gruppen und Vereinen. Der Stadtpfarrer rief dazu auf, sich am Gnadenort "Zum kostbaren heiligen Blut" anregen zu lassen, den Frieden Gottes zu empfangen, und Schritte der Versöhnung zu gehen.
Nach dem "Kyrie", dem "Gloria" und der von einem Wallfahrtsteilnehmer vorgetragenen Lesung aus dem Brief des Apostel Paulus an die Kolosser und der Verkündigung des Evangelium nach Johannes durch den Zelebranten stellte Stadtpfarrer Pater Josef Bregula in seiner Predigt fest, dass das Wort "Frieden" ein großes Wort sei. Damit verbinde man normalerweise die Abwesenheit von Krieg. Aber Frieden sei viel mehr.
Mancher denke bei dem Wort "Frieden" auch an "Schalom". Dieses hebräische Wort stehe für Frieden, schließe aber auch soziale Gerechtigkeit und damit sozialen Frieden mit ein. "Schalom", das bedeute Wohlergehen, Glück, Ruhe, Sicherheit für alle Menschen. Er glaube, so Pater Josef Bregula, dass es ohne "Schalom" keinen dauerhaften Frieden geben könne. Frieden und Gerechtigkeit gehörten untrennbar zusammen. Frieden ohne Gerechtigkeit sei nur Waffenstillstand - der nächste Streit, der nächste Krieg sei dann schon vorprogrammiert.
Der Pfarrer rief zur friedlichen Versöhnung zum Beispiel nach Streit mit Familienmitgliedern, Freunden oder Nachbarn auf und unterstrich zugleich, dass es auf den Frieden mit Gott in besonderem Maße ankomme. Frieden mit Gott heiße, sich zu versöhnen, sich nicht zu verzehren in Vorwürfen gegenüber Gott oder den Menschen. Dass man nicht beunruhigt sei durch all das, was geschehen sei, was man versäumt habe, was man an Verschulden mitbringe.
Angesichts einer Welt, die aus den Fugen geraten sei, in der Krieg, Vertreibung, Mord und Totschlag die Nachrichten bestimmten, in der zerstörte Infrastrukturen ganze Völker in ein Chaos stürzten und das Leid groß sei, sollten man sich immer wieder fragen: "Was können wir tun?"
Wie das Sprichwort "Es kann der Frömmste nicht im Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt" deutlich mache, sei Frieden nur im Miteinander möglich. Frieden schaffen sei ein mühsamer Weg; dieser führe durch ein Dickicht von Vorurteilen, sei verbunden mit Nichtverstehen und begleitet von Hass, Streit, Verzweiflung. Frieden sei nicht das Ergebnis eines Sieges, sondern ein fortschreitender Prozess.
Frieden, so der Stadtpfarrer, beginne mit dem ersten Schritt aufeinander zu. Den Friedensweg gehen heiße, zu glauben, dass Gott in unserem Herzen Frieden schaffe und dass die Christen dadurch dem Frieden Raum geben könnten in der Welt. Der innere Frieden in den Herzen sei die Wurzel des Friedens.
Der Predigt, den von Teilnehmern der Wallfahrt vorgetragenen Fürbitten, der Gabenbereitung und der Kommunion folgte das Gedenken an die tödlich verunglückten Motorradfahrer, ehe Pater Josef Bregula nach dem Schlussgebet den Segen erteilte. Im Anschluss an den Gottesdienst segnete der Stadtpfarrer die auf dem Schlossplatz abgestellten Motorräder, ehe die Motorrad-Wallfahrer, gestärkt Glauben, die Heimfahrt antraten.
