Pfalzgrafenstift Mosbach: Bis Herbst soll Konkretes auf dem Tisch liegen
Von Alexander Rechner
Mosbach. Wie soll künftig das Gebäudeensemble in der Mosbacher Schlossgasse genutzt werden? Eine Frage, die nicht wenige Bürger derzeit in der Großen Kreisstadt umtreibt, wie sich auch in der Bürgerinformationsveranstaltung der Stadt Mosbach am frühen Freitagabend im Rathaussaal zeigte - auch wenn einige Sitzplätze leer blieben. Knapp 90 Teilnehmer hörten einander zu, stellten Fragen und tauschten sich aus, und das über zwei Stunden lang unter der souveränen Moderation von Friederike Kroitzsch.
Auf die aktuellen Beschlüsse des Gemeinderats als Organ der Stiftung Hospitalfonds vom vergangenen Mittwochabend ging Simone Bansbach-Edelmann, Leiterin des Ressorts "Finanzen und Immobilien" bei der Stadt, zunächst ein. Dabei hob sie hervor, dass das Stiftungsorgan der Verwaltung das Mandat erteilte, das Gebäude des jetzigen Pfalzgrafenstifts zu vermarkten. Jedoch dürfen die Wohnungen im Gartenweg nicht mehr verkauft werden, was ein besonderes Anliegen der Bürgerinitiative (BI) "Menschen helfen Menschen, Mosbach" war.
Just diese Beschlüsse griffen Vertreter der BI in ihren Wortmeldungen auf. Michael Müller warf Oberbürgermeister Michael Jann vor, bei der künftigen Nutzung des Quartiers in der Schlossgasse "die Pflege als Bestandteil partout nicht haben zu wollen". Die BI will, dass alle Pflegeformen (bis hin zur vollstationären Pflege) im künftigen Angebot integriert sind. Dieser Behauptung widersprach OB Jann deutlich. Die Ratsmitglieder hätten die vollstationäre Pflege in ihrem Beschluss aufgenommen. "Der Gemeinderat als Stiftungsorgan hat dies mit meiner Stimme beschlossen", entgegnete er.
Ein derzeit laufendes Interessenbekundungsverfahren soll darlegen, was am Standort künftig möglich sein kann. Bis Anfang Juli haben interessierte Investoren Zeit, ihr Konzept einzureichen. Allerdings könne es bis Herbst dauern, bis Konkretes auf dem Tisch liegt, führte Michael Jann auf Nachfrage aus. Der Oberbürgermeister hofft, dass Ende des Jahres ein Konzept, das auf "Herz und Nieren geprüft" sei, beschlossen werden könne. Allerdings warb er dafür, die eingereichten Konzepte genauer unter die Lupe zu nehmen und möglicherweise auch Vor-Ort-Termine vorzunehmen. Zudem müsste das vom Gemeinderat ins Leben gerufene Auswahlgremium "runder Tisch Pfalzgrafenstift" erst einmal die unterschiedlichen Ideen prüfen (voraussichtlich im dritten Quartal) und schließlich dem Stiftungsorgan Gemeinderat Vorschläge unterbreiten, das letztlich die Entscheidung trifft.
Einen tiefer gehenden Einblick in den Pflegebereich in Baden-Württemberg gab Hans Kübler von der Evangelischen Altenhilfe Stuttgart. Der Bedarf an Pflegeplätzen steige in den kommenden Jahren, so der Experte. Auch Oberbürgermeister Michael Jann sah einen "erheblichen Bedarf" an Pflegeplätzen im Raum Mosbach. Dabei nannte er die Zahl von rund 130 Pflegeplätzen, die in den nächsten Jahren fehlen würden.
Daneben durften bei der Veranstaltung auch Stellungnahmen nicht fehlen: Eine Reihe von Stadträten nutzte die Möglichkeit, ihre Positionen zum Thema Pfalzgrafenstift vorzutragen.
