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Abkehr vom Öl? Schneider hofft auf Fortschritt in der Krise

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Der Klimaschutz kam in den vergangenen Jahren nur langsam voran. Ändert sich jetzt etwas durch die hohen Preise für Öl und Gas? Thema bei einer internationalen Konferenz in Berlin. Umweltminister Carsten Schneider erwartet vom aktuellen Energiepreisschock einen Schub für den Klimaschutz. "Die Klimapolitik liefert die Lösungen, damit die nächste fossile Energiekrise weniger weh tut", sagte der SPD-Politiker kurz vor Beginn des Petersberger Klimadialogs in Berlin . Dort beraten ab heute mehr als 30 Staaten, wie die Überhitzung der Erde gebremst werden kann. Zentrales Thema ist der Umstieg von klimaschädlichen Energien wie Öl, Kohle und Gas auf Erneuerbare – auch mit Blick auf den Iran-Krieg. "Wir müssen unabhängiger werden von teurem und unsicherem Öl und Gas", betonte Schneider. "Die große Mehrheit der Menschheit verbindet der Wunsch, nicht länger Opfer der Entwicklungen an der Straße von Hormus zu sein." Längst gebe es mit erneuerbaren Energien, Elektromobilität und Wärmepumpen gute Gegenmittel. "Die schwierige aktuelle Lage bietet daher auch eine Chance für klimapolitische Fortschritte", sagte Schneider. Hunderte Teilnehmer erwartet Der Klimadialog wird seit 2010 von Deutschland veranstaltet und ergänzt die UN-Klimakonferenzen. Er fand zuerst auf dem Petersberg bei Bonn statt, inzwischen aber regelmäßig in Berlin. Erwartet werden dieses Jahr rund 400 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, auch aus der Wirtschaft. Themen sind auch die weltweite Anpassung an den Klimawandel und deren Finanzierung. Schneider eröffnet die Konferenz am Vormittag gemeinsam mit seinen Kollegen aus der Türkei und Australien , die den nächsten UN-Klimagipfel im November im türkischen Antalya vorbereiten. Am Mittwoch redet Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU). Der internationale Klimaschutz lahmt seit geraumer Zeit, nicht erst seit US-Präsident Donald Trump zu Beginn seiner zweiten Amtszeit 2025 erneut aus dem Pariser Klimaabkommen von 2015 ausstieg. Die bisherigen Bemühungen aller Länder zur Senkung ihrer Treibhausgase reichen bei weitem nicht aus für das Ziel, die Erderwärmung möglichst auf 1,5 Grad zu begrenzen. Bei der Klimakonferenz im brasilianischen Belém im November 2025 gelang kein konkreter Fahrplan für den Ausstieg aus fossilen Energien, deren Verbrennung laut Stand der Wissenschaft maßgeblich zur Erderwärmung beiträgt. Schneider sagte, er werde in Berlin dafür werben, dass das Thema Elektrifizierung eine wichtige Rolle bei der nächsten Weltklimakonferenz bekomme. "Die kollektive Erfahrung der aktuellen Energiekrise kann dabei helfen, zu größeren Fortschritten zu kommen", meinte der SPD-Politiker. Deutsche Energiewende wackelt Deutschland hat sich das Ziel gesetzt, seinen Ausstoß an Treibhausgasen bis 2030 um 65 Prozent im Vergleich zum Jahr 1990 zu senken. Bis 2045 will Deutschland klimaneutral sein, also nicht mehr Treibhausgase ausstoßen als wieder gespeichert werden können. Weil das Land nicht ganz auf Kurs liegt, hat Schneider jüngst in einem neuen Klimaschutzprogramm nachgesteuert. Innerhalb der Bundesregierung gibt es jedoch Unstimmigkeiten über Tempo und Förderung der erneuerbaren Energien. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) bekennt sich zu Ausbau- und Klimazielen, will aber die Förderung für kleine Solaranlagen sowie Entschädigungen für nicht genutzten Ökostrom kappen. Umweltverbände warnen vor einem Abwürgen der Energiewende. Dagegen demonstrierten am Wochenende Tausende bundesweit. Umweltverbände drängeln "2026 ist der Moment zu handeln: Der Fossilausstieg ist keine Frage des Ob mehr, sondern des Wie schnell und wie gerecht", sagte Klimaexpertin Susann Scherbarth vom BUND. Deutschland müsse dafür sorgen, dass vom Petersberger Klimadialog ein klares Signal für konkrete, international abgestimmte Fahrpläne ausgehe. Auch Germanwatch sieht den Klimadialog in diesem Jahr unter besonderem Erwartungsdruck. Kurz nach der Berliner Konferenz folgt in Santa Marta in Kolumbien ein weiteres Treffen zur Abkehr von fossilen Brennstoffen. Greenpeace-Experte Martin Kaiser drängte Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), für Deutschland eine neue strategische Führungsrolle zu definieren. Im "Kölner Stadt-Anzeiger" schrieb Kaiser: "Merz rückt Sicherheit und Wirtschaft ins Zentrum seiner Kanzlerschaft. Das kann aber nur gelingen, wenn Europa mit Konsequenz durchsetzt, von Öl und Gas unabhängig zu werden."



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