Dieser romantische DDR-Film durfte mehr als 20 Jahre nicht gezeigt werden
Die Liste an DEFA-Filmen, die dem 11. Plenum des Zentralkomitees der SED zum Opfer fielen, ist lang. Auch "Jahrgang 45" gehörte zu den verbotenen Produktionen. In der DDR galt schon das kleinste Anzeichen von Rebellion als grober Verstoß gegen die DDR-Ordnung. Was gegen die Ansichten der Funktionäre sprach, erhielt ein klares Verbot oder wurde sofort der Öffentlichkeit unzugänglich gemacht. Falsches Gedankengut als Nährboden für Aufbegehren und Unruhen? Dies galt es für die Führung zu verhindern. Somit erhielten Filme wie "Jahrgang 45", die solche Reaktionen nach Meinung der DDR-Regierung entfachten, ein Aufführungsverbot. Darum geht es in "Jahrgang 45" Alfred (Rolf Römer) und Lisa (Monika Hildebrand) leben im Prenzlauer Berg , sind verheiratet und haben mit Anfang 20 noch ihr ganzes Leben vor sich. Trotz ihrer jungen Ehe scheint das Liebesglück das Paar bereits verlassen zu haben. Al ist unzufrieden mit der gemeinsamen Beziehung und will die Scheidung. Um seinen Gedanken Freiraum zu verschaffen, vertraut sich Alfred seinem Nachbarn Mogul (Paul Eichbaum) an. Die Enge des Altbaus und die eingefahrene Routine des Alltags erdrücken Alfred, der sich lieber ziellos durch die Stadt treiben lässt. Während Alfred auf der Suche nach der verlorenen Freiheit ist, leidet Lisa unter der Situation. Ihre Hoffnung, die Ehe zu retten, schwindet jedoch mit jedem Tag mehr. Wie sehenswert ist "Jahrgang 45"? Hinsichtlich der Liebesbeziehung geht Jürgen Böttchers Film geradlinige Wege. Das Filmportal des Goethe-Instituts "Goethe On Demand" hebt jedoch die visuelle Umsetzung hervor: "Auffällig ist vielmehr die Ästhetik: vollständig an Originalschauplätzen Ost-Berlins gedreht, inspiriert vom italienischen Neorealismus und der tschechischen Neuen Welle." Alfreds Ziellosigkeit Ausdruck zu verleihen, indem mitten in Berlin statt im Studio gedreht wurde, verleiht dem Drama etwas Rastloses. Die Filmdatenbank "IMDb" gibt dem Film 6,5 von 10 möglichen Punkten. Aktuell steht das romantische Drama auf verschiedenen Streamingportalen zur Verfügung. Bei Prime Video ist "Jahrgang 45" kostenfrei abrufbar. Verbot noch während der Produktionsphase Für die meisten "Kellerfilme", welche die DDR verbieten ließ, wurde ein Verbot meist nach der Premiere oder kurz nach dem Kinostart ausgesprochen. "Jahrgang 45" musste sein Schicksal jedoch schon während des Schnitts akzeptieren. Nachdem im September 1966 der Rohschnitt bei der Beurteilung der Hauptverwaltung Film durchfiel, stoppten alle Arbeiten. Die Darstellung junger Männer, die sich lieber ziellos durch die Stadt treiben lassen, missfiel den Verantwortlichen. Sie stand in zu starkem Kontrast zu den jungen, fleißigen Arbeitern, die als Vorbild der DDR-Jugend dienen sollten. Erst mit dem Fall der Mauer stellte Jürgen Böttcher seinen Film fertig. 1990 feierte er in der Akademie der Künste und auf der Berlinale seine verspätete Premiere. Für Filmemacher Jürgen Böttcher waren die Geschehnisse rund um "Jahrgang 45" nachhaltig prägend: Das Ehedrama um zwei unglücklich Verliebte blieb sein einziger Spielfilm in einer langen Liste von Dokumentarfilmen.