Durch Frankreich gekaperter Tanker nach Marseille verbracht
Der Öltanker "Grinch", der im russischen Murmansk Öl geladen hatte und nach Ansicht der französischen Behörden an Verstößen gegen internationale Sanktionen beteiligt ist, wurde nach Marseille begleitet, berichtet BFMTV unter Berufung auf Vertreter der französischen Präfektur für den Mittelmeerraum.
Am am späten Samstagabend hat die Präfektur mitgeteilt, dass das Schiff von "Einheiten der französischen Marine" begleitet werde. In der Erklärung hieß es:
"Das Schiff wird vor Anker gehen und im Rahmen der Voruntersuchung wegen Nichteinhaltung der Flaggenpflicht der Staatsanwaltschaft Marseille übergeben werden."
Wie die Seebehörde präzisierte, wurden um den Ankerplatz des Tankers im Hafen von Marseille Fos "See- und Luftsperrzonen" eingerichtet. Es seien Maßnahmen ergriffen worden, "um die Ermittlungen unter angemessenen Sicherheitsbedingungen fortzusetzen", behauptete man dort.
Aus den Daten des Dienstes VesselFinder geht hervor, dass der Öltanker "Grinch" vor der französischen Gemeinde Port-de-Bouc westlich des Hafens von Marseille vor Anker liegt. In unmittelbarer Nähe befinden sich zwei weitere Schiffe. Er fährt unter der Flagge der Komoren.
Am 22. Januar gab der französische Präsident Emmanuel Macron bekannt, dass ein aus Russland kommender Tanker im Mittelmeer festgesetzt worden sei. Seinen Angaben zufolge fuhr das Schiff unter falscher Flagge, unterliege Sanktionen und seine Route sei geändert worden. Die französische Marine inspizierte den Öltanker, die Staatsanwaltschaft von Marseille leitete eine Untersuchung gegen ihn ein. Nach Angaben der lokalen Behörden kam das Schiff aus Murmansk. Es werde nach Marseille umgeleitet.
Die französischen Streitkräfte wurden von britischen Soldaten unterstützt. Wie der britische Verteidigungsminister John Healey behauptete, unterliegt das Schiff britischen und europäischen Sanktionen wegen Beteiligung am Handel mit sanktioniertem Öl und gehört zur sogenannten Schattenflotte.
Im Dezember weitete die Europäische Union (EU) die Sanktionen gegen Tanker aus, die sie zur russischen Schattenflotte zählt. Es wurden 41 Schiffe in die Sanktionsliste aufgenommen. Ihnen ist es verboten, EU-Häfen anzulaufen und Dienstleistungen im Zusammenhang mit Seetransporten in Anspruch zu nehmen. Insgesamt unterliegen derzeit fast 600 Schiffe den europäischen Sanktionen.
Die russischen Behörden halten die Sanktionen des Westens für illegal. Präsident Wladimir Putin warnte, dass Versuche westlicher Länder, Russland Schaden zuzufügen, "einschließlich der sogenannten Schattenflotte", zu allgemeinen Problemen führen würden.
Mehr zum Thema – Marinera-Kaperung erfordert von Russland neue Ansätze für Tanker-Sicherheit
